Wie muss ich meine Kommunikation gestalten, wenn ich gezielt Auszubildende ansprechen will? Reichen Auftritte in Social Media? Oder ist zielgruppengerecht-bunte Werbung ein Muss? Warum ist es wichtig, die Eltern potenzieller Auszubildender im Web und in der Medienarbeit anzusprechen?

Im März hatte ich ein dreiteiliges Interview mit Sebastian Manhart, Geschäftsführer der Vorarlberger Elektro- und Metallindustrie (V.E.M.), zu Nachwuchskampagnen hier im Blog veröffentlicht. Eine gekürzte Fassung brachte gestern das PR-Journal. Lesenswert!

Das, das, das und das können sie, die Handwerker. Seit vier Wochen gibt es den neuen TV-Spot der „Wirtschaftsmacht von nebenan“. Zeit, etwas darüber zu schreiben, nachdem ich im Februar die Planungen der Imagekampagne des Handwerks für 2012 kritisch unter die Lupe genommen hatte.

Der Spot steht erkennbar unter dem Jahresmotto „Wir sind Handwerker. Wir können das.“ Der Job der Macher des Spots: In wenigen Sekunden die Leistungen von mehr als 130 Berufen vermitteln. So die Pressemitteilung zum Produkt. Das Ziel lautete, das Handwerk und seine Leistungen authentisch abzubilden. Aus „Tönen, Bildern und Melodie“ sollte eine Sinfonie des Handwerks entstehen – „eine Verneigung vor den Leistungen der Frauen und Männer im Handwerk“.

OK, soweit gelungen. Gedreht wurde der 1:03 Minuten lange Spot in 20 Handwerksbetrieben, gefühlt kommen aber alle Handwerksberufe darin vor. Das sollte wohl so sein. Viel hängen davon blieb bei mir aber nicht. Außer dem Eindruck: Nette Leute, diese Handwerker. Schade, dass man keinen von denen im Spot besser kennen lernen konnte.

Der neue Spot ist dazu gedacht, die eigenen Leute, das Handwerk anzusprechen. Das “Wir”-Gefühl zu stärken, lautet ein Ziel des ZDH für 2012. Dafür ist der Spot in Ordnung. Sicherlich hätte es andere konzeptionelle Ansätze gegeben, den Stolz auf den Beruf und das Geleistete darzustellen. Das zweite Ziel für 2012, Auszubildende zu gewinnen, verfehlt er hingegen. Das scheinen die Auszubildenden auch so zu sehen.

Eingestellt ist der Spot im YouTube-Kanal von Scholz & Friends. Mit 4.070 Aufrufen. Und im Kanal DAS HANDWERK, mit 2.050 Views. Ohne erkennbare weitere Verbreitung auf YouTube. Na ja, die Handwerkskammer Reutlingen, ein-zwei Blogs und w&V haben den Spot auch gebracht. Wobei w&v mit 3.200 Views protzen kann. Und natürlich finden wir ihn auf der Webseite der Kampagne.

Zum Vergleich: Der von der PR- und HR-Szene sowie den Zielgruppen einhellig verrissene Edeka Praktikum Rap kommt auf 357.000 Aufrufe, obwohl erst vor 2,5 Wochen bei YouTube eingestellt. Der ebenfalls in der Szene kritisierte BMW Rap vom Juni 2011 kommt auf immerhin 77.000 Aufrufe. Und der völlig unsägliche Spot der Dachdecker aus Oberschwaben vom Oktober 2011 kommt auf knapp 176.000 Aufrufe. Grottenschlecht und geschmacklos mag der Spot sein, virales Potenzial hat er aber dennoch.

Der neue Scholz & Friends Kampagnenspot ist einfach nett – und bleibt nicht wirklich im Gedächtnis. Weiterempfehlen? Na ja, unter Handwerkern schon. Und dazu ist er wohl auch da.

Und hier ist der Spot. Bühne frei für die Sinfonie des Handwerks:

Auf BITKOM ist Verlass. In regelmäßigen Abständen gibt es eine Grafik. Diesmal geht es wie so oft um die Internetnutzer in Deutschland. 75,8 Prozent der Deutschen sind online, mehr als 53 Millionen Menschen. Bemerkenswert findet BITKOM den Boom beim mobilen Internet. Dieser würde durch die sozialen Netzwerke kräftig Schub erhalten. Rund 39 Millionen (55 Prozent) haben Accounts auf Facebook & Co. Viele davon surfen mobil. Rund 26 Millionen Menschen (37 Prozent) nutzen Smartphone oder Tablet-PC für den Zugang zum Web.

“Von Null auf Hundert, das kannst Du auch schaffen!” Praktikanten-Rap Songs gibt es einige. Bisheriges Highlight der Szene war der BMW-Rap. Jetzt gibt es in dieser Liga einen weiteren Player. Edeka, schon früher für Überraschungen gut, hat jetzt den Edeka Praktikum Rap in die Welt entlassen. „Mutwillig freigesetzt“ wäre vielleicht etwas übertrieben formuliert. Auf YouTube erreichte der Song innerhalb von knapp zwei Tagen rund 95.000 Views. Und die Szene schäumt vor Begeisterung. Hier ein paar Zitate:

  • „Mein Traum ist es seit heute, bei Edeka ne Ausbildung zum Rapper zu machen !“
  • „was ein social media fail”
  • „Die armen Jungs sind nicht mehr zu rehabilitieren. Die werden nie wieder den Weg zurück in die Gesellschaft schaffen, weil EDEKA sie der lächerlichkeit preisgegeben hat.“
  • „Wie? Kein Kistenschleppen im Supermarkt? Wie kommt die Ware ins Regal?“
  • „…und deshalb find ichs echt vorbildlich von Edeka solche Projekte für Azubis zu machen…“
  • „Wenn sie jetzt noch anfangen gut zu rappen, feier ich das.“
  • „still better than justin bieber…“
  • „Also ich finds cool und ne lustige idee“
  • „ES IS SO BEHINDERT DASS ES WIEDER GEIL IS!“
  • „Wer stolz auf ein “Praktikum” ist und dann auch noch bei nem Supermarkt der braucht mal neue Prioritäten.“

Der letzte Punkt ist aus meiner Sicht sehr wichtig. „Stolz“ auf die Arbeit sein. Kann ich stolz darauf sein, ein Praktikum bei Edeka zu machen? Die meisten Kommentare kommen nicht zu diesem Schluss. Es ist noch ein langer Weg. Und diesen Weg müssen Industrie, Handel und Handwerk gehen. Nur wenn ich stolz bin auf das, was ich mache, dann werde ich andere dafür begeistern können. Und dann werden mir andere das auch abkaufen.

In diesem Spot greift wie üblich die Employer Brand, wie bei jeder Werbe – und PR-Maßnahme eines Unternehmens. Sprich: Wie nehmen andere das Unternehmen und die Arbeit im Unternehmen wahr? In Sachen Edeka scheint die Wahrnehmung eindeutig (Kisten packen, Regale einräumen). Und die wird ein Rap Song nicht ausräumen können. Im Gegenteil. Dann gibt’s Gegenwind, so wie auf YouTube. Aussage im Video: „Hier musst Du keine Kisten tragen“. Kommentar in einem Blog: „ich kenne total viele azubis bei EDEKA; die NIX machen als an der kasse sitzen und kisten packen“.

Meinen Dank an den Fakeblog für den Hinweis. Wer sich den ultimativen Rap geben will, der sollte sich den Edeka Reichelt Wurst-Rap anschauen. Zum Vergleich unten ein Oldtimer: der Bäcker-Rap von Jona, gefunden bei personalmarketing2null.

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