Employer Branding (1): Bitte rufen Sie uns nicht an!

Employer Branding ist mehr als Rekrutierung von Personal.

„Dear Madam, dear Sir,
This is to confirm that we have received your application. We will begin the process of reviewing all applications after the application deadline… Should you not be contacted and invited, by phone or by e-mail, for an interview, you should assume that your application has not been successful on this occasion. …We wish you the best of luck in your future endeavours…“

Dieser Auszug aus einer Mail ist kein Fake. Dieser Text kommt nicht von der Wir-hassen-Bewerber GmbH oder wurde während der Großen Depression formuliert. Diese Mail ist die Standard-Antwort auf Bewerbungen bei einer sehr bekannten internationalen Non Profit-Organisation (NPO). Hier und heute.

Welche Botschaften transportiert diese Mail? Bei mir kommt an, dass sich bei dieser NPO sehr viele Menschen bewerben. Diese NPO teilt mir mit, dass sie nicht die Zeit (oder Lust) hat, sich um den Einzelnen zu kümmern. Außerdem sagt mir diese NPO, dass ihr die Nähe zu ihren Stakeholdern nicht so wichtig ist. Dies sind starke Aussagen zum Eigen- und Fremdbild und zur Unternehmenskultur. Die Diskrepanz zwischen den proklamierten Zielen der Organisation, den Erwartungen der Bewerber und dem realen Bewerbungsprozess ist erheblich.

Zu befürchten ist, dass Bewerber sich dort nur einmal vorstellen und dann ihre „future endeavours“ in eine andere Richtung lenken werden. Denn sie stellen sich die Frage, wie diese NPO mit ihren Mitarbeitern umgehen wird. Nicht sehr gut wahrscheinlich, befürchten sie.

Dabei könnte die NPO im Bewerbungsprozess deutlich punkten. Und dies nicht nur bei ihren Bewerbern. Eine Organisation mit einer klar definierten Employer Branding-Strategie kommuniziert allerspätestens in der Begrüßungsmail, dass ihr Bewerber am Herzen liegen. Und zwar jeder Einzelne. Sie nutzt den gesamten Auswahlprozess dazu, die gelebten Werte des Unternehmens zu transportieren. Jeder Bewerber versteht, dass es bei einer Bewerbung nur die Chance X gibt, den Job auch zu bekommen. Deshalb sind auch Absagebriefe und -Mails zwar unwillkommen, aber nicht unerwartet. Sie sind allemal eine gute Möglichkeit, Menschen für die Organisation zu gewinnen. Auch wenn diese vielleicht noch nicht für die Organisation arbeiten können, weil es nur begrenzt Jobs gibt.

Nun beschränkt sich Employer Branding, der Aufbau und die Pflege einer Arbeitgebermarke, nicht auf die Rekrutierung von Personal und auf Mails und Briefe. Einmal gewonnen, sollten Mitarbeiter auch gehalten werden. Unternehmenskultur, Identität, Werte und Images – sie alle spielen bei der Schaffung einer Arbeitgebermarke mit.

Davon werde ich in Kürze mehr berichten. Dieser Beitrag ist als erster Teil einer kleinen Serie zum Thema gedacht. Gute Positiv-Beispiele für Bestätigungsmails und Absagen sind sehr herzlich willkommen. Gute Beispiele für einnehmende und gewinnende Bewerbungsprozesse auch.

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