Als Coach zur Marke werden. Interview mit dem Burnout-Coach Dirk-Oliver Lange.

Personal Branding ist zunehmend auch für Coaches und Trainer ein Thema. In einem gesättigten Markt besteht so die Chance, sich von Anderen positiv abzuheben, Klienten zu gewinnen und zu halten. Marke ICH war das Thema eines Seminars, das ich heute in Kooperation mit dem Hamburger Coachingunternehmen COATRAIN durchgeführt hatte. Ein guter Anlass, um mit dem Hamburger Burnout-Coach Dirk-Oliver Lange über Branding und Marketing für Coaches zu sprechen. Seine Empfehlungen: Die eigenen Stärken herausarbeiten, die passende Nische im Markt finden, richtig positionieren. Und vor allem erst sich selber führen lernen, bevor ich anfange, andere zu führen.

Würden Sie sich selber als Personal Brand bezeichnen, als Marke im Coaching?

Ja, auf jeden Fall. Schon allein deshalb, weil ich mich sehr deutlich spezialisiert habe. Über die Jahre hat sich das so entwickelt und ich habe viele Jahre mit hohem Engagement am professionellen Erscheinungsbild von LifeB Consulting gearbeitet.

Hatten Sie diese Entwicklung so geplant oder hat sich das so ergeben?

So genau kann man das nicht planen. Ich habe den Markt beobachtet, die dortigen Trends, das vorhandene Angebot und vor allem die langfristigen Entwicklungen analysiert und dann mein Angebot entsprechend ausgerichtet. Man muss den Markt beobachten und auch flexibel sein.

Was würden Sie denjenigen empfehlen, die sich als Marke im Bereich Coaching & Training etablieren wollen? Wie sollten die vorgehen?

Erst einmal für sich analysieren, wo die Stärken liegen. Der Begriff „Coach“ sagt fast nichts aus. Ich muss im Zweifelsfall einem Klienten in 30 Sekunden erklären können, warum ich der richtige Coach oder Trainer für ihn bin.

Das wäre die berühmte Elevator Speech?

Ja, genau darum geht es.

Burnout-Coach Dirk-Oliver Lange

Was wären die ersten Schritte in Richtung eigene Marke?

Sie sollten sich auf einen Fachbereich spezialisieren. Sie sollten ihr Angebot zuspitzen und sagen „dafür bin ich zuständig“ und „dafür nicht“. Keine Angst haben Anfragen selbst nicht abzudecken und an Kollegen zu verweisen.

Wie sollte man sich als Marke verhalten?

Nicht jeden Kunden oder jeden Auftrag annehmen, zum Beispiel. Nicht jedes Honorar akzeptieren.

Das wären die klaren Vorteile einer Marke, dass man sich das erlauben kann. Was sollte man sonst noch tun?

Sich beschränken auf das, was man kann und das dann auch gut zu machen. Die Klienten zahlen das Honorar für Professionalität und vertrauen ihnen als Coach. Nicht alles machen wollen. Im Rahmen einer beruflichen Neurorientierung eines Klienten werde ich zum Beispiel eine Profilanalyse durch eine Kollegin durchführen lassen. Weil das nicht mein Fachgebiet ist.

Was sollte man unbedingt vermeiden?

Schwammige Aussagen zu treffen. Ein zu umfangreiches Angebot zu haben. Unflexibel gegenüber Klienten zu sein.

Ich nehme Sie als Experten mit einer sehr erfolgreichen Nischenpositionierung wahr. Hatten Sie das so geplant?

Das hat sich so durch die Beobachtung des Markts und meine bisherige Arbeit ergeben. Niemand muss das Rad neu erfinden. Analysieren Sie das vorhandene Angebot und finde Sie Ihre Nische. Ich bin ehemaliger Leistungssportler. Früher standen Personal Training und Bewegung bei mir im Vordergrund. Immer wieder kamen von Klienten Fragen, die darüber hinaus gingen. Zum Beispiel „Wo will ich hin“ oder „Warum kann ich nicht nein sagen“. So hat sich mein jetziges Angebot entwickelt.

Hatten Sie je vor, Ihre Marke auszuweiten, außerhalb der Nische zu agieren?

Ja. Das habe ich für 2011 vor. Mehr möchte ich darüber noch nicht verraten.

Welche Marketing-Maßnahmen führen Sie durch? Was bringt am meisten?

Ich mache sehr viel Social Marketing. Natürlich mache ich auch Medienarbeit. Aber das ersetzt den persönlichen Kontakt nicht. Ich führe viele Gespräche, face-to-face. Ob Veranstaltungen in einem größeren Rahmen oder auch ein Abendessen, das persönliche Gespräch ist mir sehr wichtig. Und es bringt auch am meisten.

Ihre Empfehlung in Sachen Marketing: Wie sollte man starten?

Ich würde im Empfehlungsmarketing starten. Wenn Du von jemandem empfohlen wirst, dann fragt Dich keiner nach Deinen Referenzen, auch wenn Du hervorragende vorweisen kannst.

Wo sind Sie im Internet aktiv?

Ich habe eine Website, ein Profil auf XING, Linkedin und bin jetzt auch auf managerSeminare präsent. Der Fokus liegt auf qualitativ hochwertige Portale.

Was meinen Sie zu den Möglichkeiten auf Facebook oder auf YouTube, etwa zu Coaching-Videos? Sind das sinnvolle Marketing-Tools für Coaches?

Das kommt auf die Klienten an. Ein Vorstand wird sich kaum ein Video auf YouTube anschauen. Zudem glaube ich, wenn Du überall präsent bist, verlierst Du an Wert.

Wenn ich mich als Personal Brand positionieren will, dann sollte ich schon auf diversen Kommunikationskanälen präsent sein.

Das ist richtig. Nur bin ich bereits eine eingeführte Marke in meinem Bereich und mir geht es langfristig darum, mein Unternehmen stärker in den Vordergrund zu rücken. Deshalb engagiere ich mich nicht überall.

Ich möchte auf zwei Fragen zu sprechen kommen, deren Antworten ich als Grundbedingung für eine erfolgreiche Personal Brand halte: „Wer bin ich“ und „Wo will ich hin“.

Das ist der entscheidende Punkt. Darum geht es. Die Frage der Positionierung ist für viele unserer Klienten sehr wichtig. Ich denke, ohne fremde Hilfe wird es vielen schwerfallen, dazu Antworten zu finden. Hier können wir weiterhelfen.

Wie haben Sie für sich diese Fragen gelöst?

Zu wissen, was ich wirklich gut kann – diese Sicherheit ist mit der Zeit gewachsen. Das entsteht nicht von heute auf morgen. Mein Bewusstsein für meine Stärken in den Gesprächen mit meinen Klienten hat sich durch die Praxis geschärft.

Positionierung ist ein spannendes Thema. Denn damit vermeide ich es ja, mit dem Mainstream zu schwimmen.

Genau. Für mich galt immer, wenn alle links herum laufen, dann laufe ich rechts herum. Es geht aber auch um mehr. Als Coach muss ich sagen können: „Ich führe Dich.“ Das kann ich aber nur, wenn ich mich selber führen kann.

Vielen Dank für das Gespräch.

Gern geschehen und viel Erfolg für alle Kollegen.