Twitter: 100 Milliarden Dollar für SPAM?

Gerade lese ich die Schlagzeile: „Twitter-Interessenten bieten bis zu zehn Milliarden Dollar“. Spiegel Online postet das frohgemut und bezieht sich auf das Wall Street Journal. Dabei, so SPON, wäre Twitter im Dezember 2010 „nur“ 3,7 Milliarden Dollar Wert gewesen.

Im Wall Street Journal liest sich das Ganze etwas anders. „Twitter as Tech Bubble Barometer“ lautet die Headline. Das dürfte eher hinkommen als das undifferenzierte WHOW des Spiegel. Zehn Milliarden Dollar für ein Unternehmen mit einem Umsatz von 45 Millionen? Das zudem Verluste einfährt und ein nicht wirklich tragfähiges Geschäftsmodell vorweist? Aber die Geschichte geht ja noch weiter. 100 Milliarden sind möglich. Glaubt das Management von Twitter. Man muss schon ein paar Ziele haben im Leben.

Eigentlich wollte ich heute ohnehin über Twitter schreiben. Über die Nutzer von Twitter. Was ja auch mit dem Geschäftsmodell zu tun haben könnte. Vorhin hatte ich einen Kommentar bei Create or Die gelesen, mit dem Titel „Twitters schmutziges, kleines Geheimnis: Irrelevanz“. Twitter sei gekennzeichnet durch sehr viele inaktive Nutzer. Was ja noch OK wäre. Allerdings erfreue sich die Plattform steigender Beliebtheit bei einer eher schmuddeligen User-Gruppe: Spammer. Was sich mit meinen Erfahrungen deckt.

Es spammt gewaltig auf Twitter. Zumindest gefühlt. Und seit einigen Monaten scheint es immer mehr zu werden. Nun ist es wohl so, dass mit steigender Zahl der Follower der Anteil der Spammer fast schon exponentiell größer wird. Social Media Marketing: Das scheint die Lieblingsbeschäftigung der meisten Spammer zu sein. Wahllos Follower zu sammeln und wahllos zu folgen, ist ein weiteres Merkmal dieser Twitter-Hyperaktiven. Nun frage ich mich, ob dies anders wäre, wenn ich Twitter anders nutzen würde.

Für mich ist Twitter ein Nachrichtenmedium und weniger ein soziales Netzwerk. Information ist mir wichtig – und damit stehe ich wahrlich nicht allein. Sehr viele User sehen das ebenso. Die Tweets der „Social Media Marketing-Experten“ sind zu 99 Prozent no news. Sie sind Interruption Marketing der billigsten Sorte. „Experten“ dieser Art zeigen mit ihren Tweets vor allem Eines: Dass sie von Social Media Marketing keinen blassen Schimmer haben. Besser wäre es, sie würden zumindest den Wetterbericht tweeten und damit hat es sich. Darüber könnte man diskutieren. In Hamburg allemal.

Möglich ist, dass ich mit einem veränderten Kommunikationsverhalten andere Follower anspreche. Aber langsam zweifle ich daran. Ich glaube, dass sich Twitter mit diesen Usern keinen Gefallen tut. Das Image leidet gewaltig und das ist sehr schade. Denn ich finde es nach wie vor ein gutes Medium. Aber zehn Milliarden Dollar, mit Fernziel 100 Milliarden? No way.

2 comments on “Twitter: 100 Milliarden Dollar für SPAM?

  1. Das Problem, dass Twitter langsam „zumüllte“ sehe ich auch. Aber wenn man mit dem Folgen selbst gezielt und zurückhaltende umgeht, wirkt sich das m.E. nicht sehr stark aus. Besonders leistungsstark finde ich Twitter nach wie vor, wenn es darum geht, schnell und effizient mit Zielgruppen/Multiplikatoren zu einem bestimmten Thema in Kontakt zu treten, vor allem, wenn es sich um Nischenthemen handel.

    1. @Michael Müller: Sie haben Recht. „Folgen“ sollte man bei Twitter in der Tat zurückhaltend und gezielt. Zudem schaue ich mir meine Follower immer wieder mal genauer an und sortiere aus. Es geht leider nicht anders. Aber ich habe schon den Eindruck, dass es immer mehr Spammer gibt. Und ja: Twitter ist hervorragend bei Spezialthemen. Zum Austausch und auch fürs Kontakte knüpfen.

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