Arbeitsplatz WWF International: Einstieg über Kampagnenarbeit und gute Ideen.

Viele Studenten und Absolventen möchten heute zumindest zeitweilig für Nonprofit- oder Internationale Organisationen arbeiten. Doch wie bekomme ich den Fuß in die Tür? Dazu hatte ich mich etwas umgehört und die Antworten im Blog gepostet. Diesmal kommt Martin Hiller, WWF Global Climate Initiative, zu Wort.

Das Interview hatte ich schon vor einiger Zeit geführt. Ich veröffentliche es an diesem Tag aus konkretem Anlass. Martin, das Urgestein des WWF und einer der bekanntesten (und beliebtesten) Kommunikationsexperten der internationalen Nonprofits, hat heute seinen ersten Arbeitstag in einem neuen Job. Nicht mehr beim WWF, sondern als Director General bei der Renewable Energy and Energy Efficiency Partnership (REEEP) in Wien. In dieser faszinierenden und sehr verantwortungsvollen Position wünsche ich ihm einen guten Start und viel Freude!

Martin Hiller zum beruflichen Einstieg in die Kommunikation bei WWF International

Kommunikation für WWF International: Ist das vorrangig etwas für English Native Speaker?

Sehr gutes Englisch ist Voraussetzung, aber Native Speaker muss man nicht unbedingt sein.

Martin Hiller

Die Arbeit in Nonprofits galt früher in erster Linie als etwas für „Überzeugungstäter“. Ist das heute noch so?

Jede Arbeit ist etwas für Überzeugungstäter. Insofern, ja. Für Non-Governmental Organizations (NGO) gilt dies speziell.

Was unterscheidet die Arbeit für den WWF von der Arbeit für Unternehmen oder andere Nonprofits? Was ist besonders bei Ihnen?

Im Allgemeinen sind Corporations etwas strikter organisiert. Und die Netzwerk-Struktur des WWF kann manchmal zu langwierigen Prozessen führen und zu Ineffizienz. Aber das kenne ich von manchen Corporations auch.

Beim WWF wiederum besteht die Möglichkeit, in einer Position schnell zu wachsen. Vor allem, wenn man fit ist in politischer Kommunikation und in Kampagnen.

Der WWF ist eine relativ große NGO. Er ist sehr international aufgestellt. In vielen Bereichen arbeiten bei uns Menschen mit ausgesprochener Felderfahrung. Auch das unterscheidet uns von anderen NGOs. Und wir sind eine der führenden Organisationen im Klimaschutz.

Welche fachlichen und sozialen Qualifikationen sind Ihnen bei Bewerbern besonders wichtig? Worauf achten Sie besonders?

Eine Voraussetzung wäre ein abgeschlossenes Studium mit Schwerpunkt Kommunikation oder anderen relevanten Studien. Das wichtigste ist, schon während des Studiums praktische Erfahrungen gesammelt zu haben. Kenntnisse in Public Relations und in der Kampagnenarbeit, auch in Grassroots-Kampagnen, wären ein Plus. Akademisches Vorgehen wird beim WWF weniger gebraucht. Bei uns zählt die Fähigkeit, sofort zu starten („hit the ground running“), sich die Finger dreckig zu machen, und sich auch vor simplen Administrations-Aufgaben nicht zu scheuen.

Hat sich die Anzahl der Bewerber in den letzten Jahren geändert? Hat sich in den Kompetenzen der Bewerber etwas geändert?

Zu der Anzahl der Bewerbungen kann ich keine Angaben machen. Ich vermute aber, dass vor allem die Zahl der Bewerber für Praktika stark gestiegen ist. Die Kompetenzen der Praktikanten sind oft hervorragend. Die meisten sind sehr qualifiziert, können selbständig arbeiten und zeigen Eigeninitiative. So etwas schätzen wir.

Welche Art der Erfahrung wäre eine Vorbedingung? Sind Fachkenntnisse im Natur- und Umweltschutz wichtig? Im Klimaschutz? Wie steht es um journalistische Erfahrung?

Vorkenntnisse im Klimaschutz und im Bereich Energie wären gut. Wichtiger sind aber Kenntnisse in der Kommunikation, etwa Erfahrung in Public Relations oder im Journalismus. Praktische Kampagnenerfahrung ist wichtig, und wenn jemand zeigen kann, dass er oder sie selber eine Initiative auf die Beine gestellt hat, dann ist das natürlich ein großer Pluspunkt.

Steht für eine der größten Marken weltweit.

Sollen Bewerber Erfahrung in der Arbeit für Nonprofits, Stiftungen, Politik mitbringen?

Für ein Praktikum wäre das nicht so wichtig.

Wie sollte man sich beim WWF bewerben (Online, per E-mail, per Brief? Ausführlich oder Kurzbewerbung)?

Siehe dazu die Web Site von WWF International.

Geben Sie Initiativbewerbungen eine Chance?

Eher nein. Eine Option kann es sein, die jeweiligen Fachleute zu kontaktieren. Die werden sich vielleicht nicht so sehr darüber freuen. Aber anrufen und ein zielgerichtetes Angebot abgeben, das kann schon mal erfolgreich sein.

Welche Herausforderungen erwarten Praktikanten in der Kommunikation bei WWF International?

Wenn wir einen Praktikanten nehmen, dann sind dies oft Leute, die schnell eigenständige Aufgaben übernehmen. Sie entwerfen politische Vorschlagspapiere, Statements und Faktenblätter. Sie arbeiten bei medienwirksamen Veranstaltungen mit, Pressekonferenzen, Briefings oder Kampagnen-Events. Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, auch viele „langweilige“ Sachen zu machen, sind gefragt. Darunter verstehe ich Recherche, Erstellen von Statistiken und ähnliches. Aber wie gesagt, im WWF International nehmen wir Praktikanten nur selten und sehr selektiv auf – ich will niemandem besonders Hoffnung machen.

Wie lange sollte ein Praktikum beim WWF mindestens dauern?

Das absolute Minimum sind drei Monate. Sechs Monate sind die Norm.

Wie hoch ist die Chance auf Übernahme nach einem Praktikum? Wie geht es nach dem Ende des Praktikums weiter?

Grundsätzlich sind die Chancen auf eine Übernahme nicht sehr groß. Aber hier kommt es auf die Person an. Wenn wir jemanden unbedingt halten wollen, dann suchen wir Möglichkeiten und Gelder zur Weiterbeschäftigung.

Als Beispiel kann ich einen ehemaligen Praktikanten bei WWF Deutschland nennen. Nach dem Praktikum kam er zu WWF International und begleitete die PowerSwitch! Campaign. Jetzt arbeitet er in Hong Kong als Communications Manager for climate and energy campaigns Asia Pacific. Das ist aber ein Extremfall!

Praktikanten möchte ich raten, Ideen zu entwickeln in der Kommunikation und in der Kampagnenarbeit, Tools vorzuschlagen und die Pläne dann auch umzusetzen. Das hinterlässt nicht nur einen erstklassigen Eindruck, sondern erhöht deutlich die Chancen auf einen Job. Initiative ist bei uns sehr gefragt.

Was macht den entscheidenden Unterschied in der Bewerbung? Wodurch kann ein Bewerber besonders positiv auffallen?

Im Erstkontakt können Bewerber deutlich punkten. Besonderen Wert legen wir auf Verständnis und Interesse für Politik, hier insbesondere für Klimapolitik. Kenntnisse im Einsatz von Social Media für Kampagnen und in Visual Communications wären ein echtes Plus.

Zur Person:

Martin Hiller

Head, communications and campaigns, WWF Global Climate Initiative, Gland/Switzerland

Martin Hiller has profound experience in environmental campaigning, and in-depth knowledge of climate change and energy issues – policy, science and business engagement. He has developed and implemented numerous communications strategies in the international policy arena, communicating complex environmental issues and co-ordinating and managing cross-cultural teams and projects. He is also a sought-after presenter on climate and communications topics. Before joining the climate change programme, he established the first European communications operation for WWF in Brussels from 1994, and moved to WWF International in 1998 to develop and coordinate communications and campaigning across WWF in Europe. As of today (1 December 2011) Martin Hiller will be working as Director General for the Renewable Energy and Energy Efficiency Partnership (REEEP) in Vienna.

Der WWF:

  • WWF is one of the world’s largest conservation organizations.
  • It was conceived on the 29th April 1961.
  • Its first office opened in September 1961 in the Swiss town of Morges.
  • The central secretariat for the network – called WWF International – is now located in Gland, Switzerland (organizational structure)
  • WWF is an independent foundation registered under Swiss law.
  • The organization has offices in more than 80 countries around the world.
  • It employs around 2,500 full time staff
  • …and values the support of more than 5 million people.
  • Over the 50 years since it was founded, WWF invested almost US$10 billion in more than 13,000 projects

Dieses Interview ist Teil einer kleinen Serie. Lesen Sie auch die Interviews mit Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung, und Veronika Lenarz, Senior Public Information Assistant, UNEP/CMS.