Keiner mag mich? Dann kaufe ich mir meine Facebook-Fans einfach.

1.000 Fans auf Facebook für 40 Euro. Ein Schnäppchen?

In dem von mir sehr geschätzten Kulturmanagement-Blog läuft zur Zeit eine rege Diskussion über die Frage, ob ich als Unternehmen nicht einfach meine Facebook-Fans kaufen sollte. Neu ist dieses Konzept nicht. Bezahlte Claqueure gibt es schon seit dem Altertum, spätestens aber seit der ersten Talkshow. Am liebsten würden alle Interruption Marketing-Experten so handeln. Ist ja auch stressiger, auf Facebook zu kommunizieren statt rumzutröten, wie toll die Produkte sind. Wenn ich also keine Ideen für meine Kommunikation und deshalb keine Besucher habe, dann kaufe ich mir die. Ganz einfach? Nicht ganz.

Wer so denkt, setzt auf den Herdentrieb und hofft, dass sich dieser Herde braver Facebook-Schäfchen noch viele weitere anschließen werden. Besonders aktiv werden diese speziellen Schäfchen, wenn sie damit (vermeintlich) Geld sparen können. Siehe Chefticket der Deutschen Bahn. Allerdings gilt auch hier die aus dem Personalwesen bekannte Devise „wer fürs Geld kommt, geht auch fürs Geld.“ Heute noch meine besten Freunde, „liken“ diese Fans dann morgen das neueste Angebot von einem anderen Unternehmen. Deshalb verstehe ich den Hype um manche Facebook-Aktion auch nicht so recht. Social capital generiere ich anders. Aber darum geht es meist auch gar nicht. Der Hype als solcher ist es. Die Zahl.

Und natürlich kann ich als Marketing-Verantwortlicher nach dem Fankauf meinen Chefs sagen: „Wir haben jetzt ganz viele Fans auf unserer Facebook-Page. Also ist diese Investition ein Erfolg.“

Und damit hat die ganze Sache dann schon ihr Gutes. Sie sichert Arbeitsplätze im Marketing. Und die Social Media-Experten können weiter fleißig Rankings veröffentlichen, welches Unternehmen die meisten Fans hat. Das Ganze ist in etwa so aussagekräftig wie Followerzahlen auf Twitter. Hier kann ich in einem Rundumschlag alle Spammer dieser Welt einsammeln und bin dann der König der Social Media.

Immerhin generiert so etwas die kurzfristige Aufmerksamkeit der Medien (siehe Facebook und Karl-Theodor zu Guttenberg) und der Konsumenten. Ein win-win-Modell also? Nicht wirklich. Denn nachhaltig sind solche Erfolge nicht. Das sollen sie oft auch nicht sein. Rechtlich gesehen ist der Fankauf ohnehin bedenklich.

Was hier letztlich passiert, ist die Übernahme der Social Media durch den Mainstream im Marketing. Social Media ist ein Prozess, wie alles in der Gesellschaft. Ich bin gespannt, was in den nächsten ein bis zwei Jahren passieren wird. Nachdem die Social Media-Blase geplatzt ist.

2 comments on “Keiner mag mich? Dann kaufe ich mir meine Facebook-Fans einfach.

  1. Sehr interessanter und guter Beitrag. Ich denke auch, dass dieser ganze social media hype in naher Zukunft wieder ein Ende finden wird, obwohl ich definitiv kein Gegner von Facebook, Twitter etc. bin. Aber der eig. Sinn dieser Plattformen, und dabei spreche ich vorallem von Facebook, geht immer mehr verloren. Diese wird immer mehr, wie auch in dem Beitrag erwähnt, als angebliche „Geldmaschinerie“ ge- bzw. benutzt. Der soziale Gedanken verschwindet immer mehr und es kommt, wie so oft in der „Marketing“Welt nur auf Zahlen an. Aber das Blatt wird sich wenden, zwar nicht für Facebook, dennoch wird die Zukunft einiges fürs Marketing bereithalten, sodass die Zahlen langsam in den Hintergrund rücken.

    1. @Oliver: Investoren ist Twitter zehn Milliarden Dollar wert, bei einem Umsatz von 45 Millionen Dollar. Facebook ist schon bei einem Wert von 50 Milliarden angelangt. Selbst Groupon wird mit 15 Milliarden Dollar bewertet. Das sind für mich (und Andere) Anzeichen einer massiven Social Media-Blase. Der Hype wird bald enden, um dann Platz zu machen für eine strategisch geplante Nutzung der Social Media durch die Unternehmen. Wohin der Zug dann gehen wird, das würde mich auch interessieren. Und ich bin gespannt, wer den Hype überleben wird. Die Plattformen werden sich verändern, denn sie müssen Geld verdienen. Ich glaube aber nicht, dass der von Dir genannte „soziale Gedanke“ ganz verschwinden wird. Und ich glaube auch, dass die Zukunft in den Social Media noch einige Überraschungen für die Marketing-Experten bereit hält.

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