Copyright? What Copyright? Die dunkle Seite der Macht bremst Greenpeace aus.

Es ist eine Woche der Nachtschichten für die großen deutschen Nonprofits. Traf es die letzten acht Tage den WWF, der sich nur mühsam von den Tiefschlägen der ARD–Doku „Der Pakt mit dem Panda“ erholt, so ist jetzt Greenpeace an der Reihe. Bei der gerade gestarteten Kampagne gegen VW „Volkswagen. Die dunkle Seite“ hatte gestern abend ein (von Greenpeace) unerwarteter Mitspieler die Bremse gezogen. Damit hätte man rechnen können.

Der virale Spot von Greenpeace zur dunklen Macht VW, die das Klima schädigt, wurde von Lucasfilm gesperrt. Der Spot verletze das Copyright der „Star Wars-Episoden“. Auf YouTube war der Spot nicht mehr auffindbar. Laut n-tv wurde auch der offizielle YouTube-Kanal von Greenpeace gelöscht.

Leer ist das Universum, dunkel und still. Hier hat die Dunkle Seite erst einmal gesiegt. Der Spot ist gelöscht.

Damit hat Greenpeace ein Problem, und zwar nicht nur eins im Urheberrecht. Worum ging es? Viele Blogger und auch einige deutsche Printmedien hatten über das Greenpeace-Video „vwdarkside“ geschrieben. Der Mini-Darth Vader, eine Kreatur des VW-Konzerns, kämpft hier gegen die Kräfte des Lichts um Luke Skywalker und Yoda. Während in der ersten Version des Spots ein Todesstern mit VW-Logo die Erde vernichtet, wird Darth Vader in einem zweiten Spot bekehrt. Greenpeace wollte damit den Autobauer unter Druck setzen, die EU-Klimaziele zu unterstützen. Federführend in der internationalen Kampagne ist Greenpeace UK.

Abgefedert wird die Kampagne durch eine Kampagnenseite „VW Dark Side!“. Und die hat es in sich. Laut Olaf Kolbrück von off the record ist es eine sehr ansprechende Site, die „mit Elementen der Gamification arbeitet.“ Wohl wahr. Und ausgesprochen professionell gemacht. Blogger Thomas Hutter hatte die Elemente der Site anschaulich beschrieben. Und jetzt das Problem für Greenpeace. Die Kampagne startete mit dem Spot. Hier versuchte Greenpeace wie im letzten Jahr gegen Nestlé mit einem visuellen Schlag den Gegner so zu schwächen, dass der nicht weiß, wie ihm da geschieht. Und entsprechend falsch reagiert.

Tolle Kampagnensite, die „mit Elementen der Gamification arbeitet.“

Bei Nestlé hatte das geklappt. Bei VW bisher nicht so wirklich. Auf YouTube waren die Meinungen sehr gemischt. Nicht überall gab es Zustimmung. Im Fall Nestlé gab es einen Sturm der Entrüstung gegen den Konzern. Das lag hauptsächlich am Thema. Der Nestlé-Spot war so einfach wie brillant – und zeigte schwarzen Humor par excellence. Es ging um „Regenwald“ und „Orang Utans“. Um Themen also, die direkt ein Bauchgefühl auslösen. Um einfache Lösungen. Dies ist beim Klimaschutz anders. Das war und ist schon immer das Problem bei Klimaschutzkampagnen.

Wie sieht jetzt der Plan B für Greenpeace aus?

Aber zurück zu Greenpeace und VW. Nimmt man das Design der Website zum Maßstab, so setzt zurzeit die Kampagne in erster Linie auf dem Spot auf. Das Motto lautet „Schau das Video. Unterstütze die Rebellion. Sieh dich um. Jedi-Training“. Der Spot soll emotionalisieren, er soll aktivieren. Er ist die Grundlage der Kampagne. Jetzt ist er weitgehend verschwunden von YouTube. Jedenfalls darf er definitiv nicht mehr von Greenpeace verwendet werden. Ich frage mich zwei Dinge:

What the … warum hat Greenpeace sich hier null um Copyright geschert? Olaf Kolbrück in off the record: „Ob George Lucas dies mit Blick auf Lizenzrechte gelungen findet? Ich bin sicher, Greenpeace hat das einkalkuliert.“ Nein, hatten sie nicht.

Was macht das Greenpeace-Team jetzt, nachdem das Flagschiff von der Gegenseite versenkt wurde? Gibt es einen Plan B? Was sollte nach diesem Spot kommen? Im Fall Nestlé waren es damals ein zweiter Spot und Aktionen vor Ort. Aber Nestlé war zu dem Zeitpunkt auch schon fast schachmatt. Bei VW sieht das anders aus. Am Mittwoch gab es eine Aktion in London mit Star Wars Stormtroopers. Etwas in dieser Art dürfte nicht reichen. Ich bin gespannt. Night shifts for Greenpeace.

18 comments on “Copyright? What Copyright? Die dunkle Seite der Macht bremst Greenpeace aus.

  1. Naja – auf Youtube verschwunden bedeutet ja nun nicht, dass Greenpeace den Spot überhaupt nicht mehr verwenden darf, sondern nur dass Youtube dieser Meinung ist (kleiner Tipp: mal bei Vimeo schauen bzw. die darkside auf englisch umstellen).
    Trotzdem ist es natürlich ein Schlag gegen die Kampagne.
    Es zeigt aber noch etwas anderes. Wenn man so will die Dark Side von Youtube, Twitter & Co. Ich hatte schon einmal etwas dazu geschrieben (http://bit.ly/clefLs) – durch die Verlagerung wesentlicher Ressourcen seiner eigenen Site macht man sich abhängig von kommerziellen Anbietern, die im Zweifelsfall erst sch(l)ießen, dann fragen. Und nicht lange prüfen, ob Anschuldigungen Dritter wirklich belastbar sind, wie damals Mario Sixtus erfahren musste.
    Im Falle von Greenpeace stellt sich die Frage, ob ein zusätzlicher Konflikt mit Lukasfilm nicht tatsächlich auch einkalkuliert ist (Stichwort „Streisandeffekt“). Wir werden es sehen.

    1. Hallo @lab, stimmt, richtig, auf Vimeo ist das Video noch zu finden – und auf der englischen Site. Da war er meines Wissens gestern nacht nicht. Auf der niederländischen Site von GP wiederum ist kein Spot. Er dürfte auch noch anderweitig verfügbar sein. Sei es drum. Meiner Meinung nach hat sich die Grundsituation entscheidend geändert. Falls Lucasfilm wirklich aktiv geworden sein sollte, und davon gehe ich aus, dann werden die Spots dort auch nicht allzu lange bleiben. Ob der Spot noch online ist oder nicht: Das Problem für Greenpeace ist ein anderes. Die Kampagne setzt auf dem Spot auf, zumindest nach meinem jetzigen Wissensstand. Und GP kann den Spot nicht so ohne weiteres verwenden.

      Möglicherweise setzt ein Streisandeffekt ein. Und der kann auch durch GP geplant sein. Nur: Wen soll es treffen? VW, weil die mit Lucasfilm eine finstere Verschwörung eingegangen sind? Es gab in der Tat erste Tweets dieser Art. Lucasfilm, weil die so böse waren und ihre Rechte durchsetzen? Da bin ich ebenfalls gespannt.

          1. Klar, das auf alle Fälle. Hätte man vorher sauber abklären müssen. Vielleicht hoffte GP, dass sie unter dem Schutzmantel von Satire oder Parodie laufen können.

  2. Sehr spannender und ausführlicher Beitrag, derden Finger auf den wunden Punkt legt: Wenn eine Kampagne nur von einem Elent lebt (in diesem Fall das Video), kann sie unter ungünstigen Umständen oder bei Versäumnissen – Copyright etwa – schnell und ohne grosse Workung verpuffen.
    Die Ausgangsidee fand ich allerdings eigentlich gut, etwas hinderlich scheint mir dabei aber, dass das Star Wars gegen VW Video nur dann richtig funktioniert, wenn man den Orginalspot von VW kennt – während bspw. bei der Nestlé-Kampagne keine solche Voraussetzung bestand.

    1. Hallo @MatthiasFi, ich fand die Ausgangsidee auch gut und das Video sehr gut gemacht. Ausgesprochen ansprechend und professionell. Stimmt, den Originalspot von VW sollte man kennen. Bei 40 Millionen Views auf YouTube gehe ich davon aus, dass vielen der Spot bekannt ist. Der Unterschied zu Nestlé ist, dass das Thema „Klima“ nicht so hochemotional wie „Artenschutz“ oder „Schutz der tropischen Regenwälder“ gehandelt wird. Auch das Zielobjekt „VW“ scheint diversen Viewern des Spots auf YouTube nicht ganz so unsympathisch zu sein. Nestlé hatte erstklassige Vorlagen für GP geliefert und den Streisand-Effekt nach allen Regeln der Kunst gefördert. Das sehe ich hier noch nicht so.

  3. Hallo @lab, vor knapp einer Stunde hatte @greenpeace_de getweetet: „Es gibt so viele Parodien d. VW-Werbung! Warum wohl gerade der Greenpeace UK Clip auf YouTube gesperrt wird?“ und verweist auf Vimeo und auf die englische GP-Site. Ob die Verschwörungstheorie jetzt greifen wird? Für mich klingt das nicht sehr selbstsicher.

    1. Hallo @Christian Buggisch, das sehe ich genau so. Habe dazu jetzt noch einmal gebloggt und auf Ihren Beitrag verwiesen. Das Vertrauen von Greenpeace, dass allein die gute Sache ausreicht und alle werden für das Vorgehen Verständnis zeigen, das reicht nicht immer aus.

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