Wir sind doch die Guten! Greenpeace wundert sich über Copyright-Ärger.

Nach YouTube sperrt jetzt auch Vimeo das Greenpeace-Video „VW: The Dark Side“. Auf der englischsprachigen Website der Kampagne ist es noch zu sehen. Gleichzeitig scheint Greenpeace auf den Streisand-Effekt zu hoffen und darauf, dass die Kampagne auch ohne Video funktioniert. Zum Streisand-Effekt: Die Empörung der Fans ist groß und nur zum Teil nachzuvollziehen. Siehe dazu die Kommentare auf netzpolitik.org. Zur Hoffnung: Bisher ist die Zahl der aktiven Fans nicht groß genug. Da muss Greenpeace mehr Register ziehen. Ich glaube nach wie vor nicht, dass die Kampagne ohne das Video zum Selbstläufer wird.

Verschwörungstheorie und die Hoffnung auf den Streisand-Effekt?

Aktuelle Statements von Greenpeace zur Situation sagen viel über das Selbstbild der Organisation aus. „…Es scheint, dass die Macher von Star Wars “LucasFilm Ltd.” nicht lange fackeln…“. Und: „…Greenpeace ist der Auffassung, dass eine kritische und satirische Auseinandersetzung mit der aktuellen Werbung von VW urheberrechtlich zulässig ist…“

Nun ist aber Lucasfilm nicht VW und somit nicht Ziel einer Satire. Und ist anderer Auffassung. Das muss Greenpeace erst einmal akzeptieren. Und Lucasfilm fackelt nicht lange. Das ist bekannt. Das „Star Wars-Imperium“ ist ein gut laufendes wirtschaftliches Unternehmen, mit einem umfangreichen Merchandising. Warum sollen die ihre Marke verwässern lassen? Wer sie nutzt, wie VW und andere, zahlt. Wer sie nutzt, ohne zu fragen, erhält eine Abmahnung.

"...Es scheint, dass die Macher von Star Wars “LucasFilm Ltd.” nicht lange fackeln...". Stimmt.

Für mich ist die Verwunderung von Greenpeace ein durchaus vertrautes Verhalten. Greenpeace scheint der Auffassung sein, dass Interessen anderer zurück zu stehen haben, wenn es um die „gute Sache“ geht. Wobei GP definiert, was die gute Sache ist. Hier ist es wieder, das Einteilen in Gut = „erlaubt, was uns nützt“ gegen Böse = „die hassen uns, sind korrupt, verstehen keinen Spaß, wollen Geld etc.“.

Eine saubere juristische Prüfung der Rechtslage vor dem Start der Kampagne wäre besser gewesen.

Blogger Christian Buggisch hatte sich kritisch mit dem Verhältnis von Greenpeace zum Urheberrecht befasst. Sehr lesenswert.

Zum Hintergrund der Kampagne „VW Dark Side“ siehe meinen Bericht von gestern.

9 comments on “Wir sind doch die Guten! Greenpeace wundert sich über Copyright-Ärger.

  1. Der Star Wars Mythos ist in das allgemeine Bewusstsein mehrere Generationen eingegangen und somit kein „Besitz“ von Lucasfirmen mehr.
    Was kommt als nächstes? Eine Urheberrechtsklage der Nachfahren der Gebrüder Grimm?

    1. Hallo @Jens Best, den Ärger kann ich gut verstehen. Ich bin kein Experte für Urheberrecht und werde das auch nie sein. Ich finde die Regelungen völlig unübersichtlich und vor allem das deutsche Recht allein schon unter Transparenz-Gesichtspunkten eine Katastrophe. Dein Vergleich hinkt aber etwas:

      Jacob Grimm (* 4. Januar 1785 in Hanau, † 20. September 1863 in Berlin) und
      Wilhelm Grimm (* 24. Februar 1786 in Hanau, † 16. Dezember 1859 in Berlin)

      Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith (2005)
      Star Wars: The Old Republic (Video Game 2011)

      Ein kleiner Unterschied. Star Wars wird aktiv vermarktet, und zwar in 2011. Und es gibt ein sehr reges Merchandising dazu. Ich finde es einleuchtend, dass die ihre Rechte schützen wollen. Ich finde es weniger einleuchtend, dass Greenpeace die rechtliche Lage nicht vorher gecheckt hat. Da war vielleicht zu viel Vertrauen dabei, dass Lucasfilm ein Auge zudrücken bzw. der Spot als Satire durchgehen würde. Die Spots sind im übrigen seit zirka 09:00 Uhr wieder auf der Website von Greenpeace verfügbar.

  2. Mir geht inzwischen die ganze Diskussion um Sinn und Unsinn von Urheberrecht gelinde gesagt auf die Nerven.
    Erstens wegen des Anlasses: Jemand verstößt (vermutlich, bin kein Jurist) gegen das Urheberrecht, und das nehmen wir nun zum Anlass, das Urheberrecht an sich zu kritisieren. Das ist doch verkehrte Welt. Das ist als würde jemand bei Rot über die Ampel fahren und anschließend redet niemand über diesen Verstoß, sondern alle nur darüber, wie sehr rote Ampeln doch nerven.
    Zweitens weil ich bislang im keinem Diskussionsbeitrag gelesen habe, mit welcher sinnvollen Regelung das geltende Urheberrecht ersetzt werden könnte. Viele scheinen der Meinung zu sein, dass es so etwas wie geistiges Eigentum nicht gibt bzw. geben sollte, dass solche Schöpfungen wie Texte, Bilder, Filme, Musik irgendwie der Community gehören sollten. Das halte ich für komplett falsch und ich vermute, viele, die selbst schon einigermaßen relevante und schützenswerte Inhalte hervorgebracht haben, werden mir da zustimmen. Dabei geht es gar nicht um Monetarisierung des geistigen Eigentums, sondern darum, dass ich selbst entscheiden möchte, wer dieses Eigentum für seine Zwecke verwenden darf und wer nicht. Dieser Anspruch ist völlig legitim, auch wenn er von einem „Medienimperium“ wie Lucasfilm kommt. Vermutlich würde auch Greenpeace ähnliches für sich in Anspruch nehmen, wenn zum Beispiel jemand das Greenpeace-Logo für eigene Zwecke verwenden wollte.
    Ansonsten finde ich die deutsche Regelung in Bezug auf Texte eigentlich ziemlich eindeutig: 70 Jahre nach dem Tod des Autors sind die Rechte frei, weshalb natürlich jeder Gebrüder Grimm-Texte heute so verwenden kann wie er will.

    1. Hallo @Christian Buggisch, sehe ich grundsätzlich genauso. Wenn ich eine kreative Leistung erbracht habe, dann möchte ich auch darüber entscheiden, wer das wie übernehmen darf. Die Diskussion in dieser Hinsicht ist nicht neu und ich möchte darauf auch nicht weiter eingehen. Mich nervt aber diese copy & paste-Haltung vieler Leute ziemlich.

      Die interessante Frage ist, ob Nonprofit-Organisationen selber den „spielerisch-satirischen“ Umgang mit ihren Logos und Produkten gut finden würden. Ich behaupte: Nein, auf keinen Fall. Der WWF versteht überhaupt keinen Spaß, wenn es um die Nutzung des Panda-Logos geht. Und ich denke, dass es Greenpeace nicht lustig finden würde, wenn jemand eine Greenpeace-Aktion parodiert (inklusive GP-Logo), etwa für einen Werbespot.

  3. Was ist das für ein alberner Post? Sie stellen hier Behauptungen auf ohne einen Nachweis dafür zu erbringen. Sie behaupten Greenpeace hätte keine juristische Prüfung durchgeführt und Greenpeace hätte eine Abmahnung bekommen. Aha… Arbeiten Sie bei Greenpeace, oder woher wissen Sie das?

    Und zu Ihrer Information (Als Kommunikationsberater sollten sie das wissen) sowohl auf YouTube, als auch Vimeo können Urheberrechte fast völlig automatisiert geltend gemacht werden, was zu automatischen Sperren führt. Dies ist aber keine juristische Bewertung, wie Sie ihre Leser hier glauben machen wollen.

    Ob die kritische satirische Auseinandersetzung von Greenpeace mit dem VW Werbespot legetim ist oder nicht, das entscheiden Gerichte, sofern denn jemand klagt. Die kritische Satire ist gedeckt durch die Pressefreiheit und diese ist ein sog. höherstehendes Recht, da sind Urheberrechte juristisch betrachtet sekundär.

    Wenn man so ihren Post liesst, könnte man meinen Sie versuchen sich hier als Kommunikationsberater zu profelieren, dann sollten Sie aber ach wissen wovon Sie sprechen.

    Und bevor ich es vergesse: Tja den Panda vom WWF den kann jeder mit genügend Geld kaufen, da ist der WWF sich ja für nichts zu schade.

    Sind Sie nicht sogar ein ehemaliger Mitarbeiter des WWFs?

  4. 1. Geht es nicht darum, was jemand „gut findet“ oder nicht. Natürlich finden es Firmen nicht gut, wenn darüber berichtet wird, wo Marketing-Selbstdarstellung und Realität auseinander klaffen. Sollte es deshalb verboten sein? Es gibt auch mehrere Urteile, die den satirischen Umgang mit Markenlogos gut heißen (das würde i.ü. auch das Greenpeace-Logo betreffen).
    2. finde ich den Begriff des „geistigen Eigentums“ zumindest problematisch. Wo beginnt das „geistige Eigentum“, wo endet es? Gerade am Thema Trivialpatente lassen sich die Probleme gut erkennen. Nur weil jemand ein vergleichsweise simple Idee als erster hatte, kann er sie monopolisieren. Patente sind längst vom Schutz- zum Kampfinstrument geworden – das absurde Anhäufen von Patenten in Pools oder Firmen, die nur Patente aufkaufen, um damit vor Gericht zu ziehen sind zwei Beispiele.
    3. ist der entscheidende Punkt im Kommentar des vorherigen Posters enthalten. Was erlaubt ist und was nicht, entscheidet ein ordentliches Gericht – nicht ein privater Anbieter. Der entscheidet im Zweifel lediglich, dass er auf seinem Server machen kann was er will.
    4. Du formulierst etwas spöttisch, die „gute Sache“ in Anführungszeichen. Was stellst Du damit in Frage – das es Interessen des Gemeinwohls – „gute Sachen“ – generell gibt? Oder dass Greenpeace eine Meinung äußern kann, wer oder was sich dem Gemeinwohl gegenüber schädlich verhält? Was sonst soll denn eine Umweltschutzorganisation machen? Wer soll denn Deiner Meinung nach definieren, was eine gute Sache ist und was nicht?

    1. Hallo @lab, ein so langer Kommentar verdient eine lange Antwort 😉 Natürlich klaffen Marketing-Darstellung und Realität der Unternehmen auseinander. Aber im Marketing geht es nicht um die „Wahrheit und nichts als die Wahrheit“. Ich finde es absolut notwendig, dass Nonprofits einen Gegenpol zu den Unternehmen bilden. Sie tun ja mehr: Sie entwickeln erfolgreiche Modelle und Visionen, wie sich nachhaltiger wirtschaften und leben lässt. Was Firmen „gut“ oder „nicht gut“ finden, das ist weitgehend bekannt. Ich erlaube mir meine eigene Meinung und lebe die. Allerdings muss ich akzeptieren, dass Andere (wie z.B. Unternehmen) anderer Ansicht sind. Und ich kann mich strategisch darauf vorbereiten, in der Kommunikation, in der Kampagnenarbeit. Darauf bezieht sich meine Kritik an GP. Mehr nicht. Mir geht es hier schlicht um die Kommunikation. Das ist mein Thema.

      Zum Thema „Patente“ und Copyright möchte ich mich nur insoweit äußern, als mich einige Auswüchse bei Unternehmen auf die Palme bringen. Zum speziellen Fall Greenpeace vs. Lucasfilm hatte Blogger Christian Buggisch einiges geschrieben und ich sehe das genauso. Würdest Du „Star Wars“ als simple Idee bezeichnen? Welche Ideen sind nicht mehr simpel? Sind alle Ideen „simpel“, die gerade von GP ohne Genehmigung verwendet werden? 😉 Da kommen wir zur „guten Sache“, bzw. zum „just cause“.

      Punkt 3: Und ja, das klären Juristen. Allerdings hätte Greenpeace dem jetzigen Stress durch Gespräche mit Lucasfilm entgehen können. Das ist meine Kernaussage im Blog. Mehr nicht. Mein Eindruck: Die Gespräche hat es nicht gegeben. Warum nicht? Warum sorgen die nicht vor, dass das Fundament ihrer Kampagne abgesichert ist? Das wäre nicht nur in ihrem Interesse, das wäre auch im Interesse der Spender. Um deren Geld geht es nämlich. Kampagnen sind teuer.

      Die „gute Sache“. Ich habe selber lange für die „gute Sache“ gekämpft und tue das auch heute noch. Ich habe aber etwas gegen Organisationen, bei denen ich den Eindruck habe, dass sie ihre eigene gute Sache zum Absolutum erheben. Das engt den Horizont ein. Und vielleicht hat das Versäumnis von GP, das Copyright zu klären, mit dieser Haltung zu tun. Meine Vermutung, resultierend aus der Reaktion von GP auf die Intervention von Lucasfilm.

      Mit der „guten Sache“ wird mir auf der Welt viel zu viel hausiert. Alle sind überzeugt, einer guten Sache zu dienen. Ich bin dafür, sich immer wieder mal selbst zu fragen „wo stehen wir, sind wir noch die, die wir sein wollten, ist unser Verhalten der guten Sache angemessen…“

      Ich behaupte, dass es neben der Corporate Arrogance jede Menge Nonprofit Arrogance gibt. Sprich: Organisationen, die sich darauf verlassen, dass das, was sie machen, grundsätzlich gut ist. Und sich deshalb über Kritik und Recht erhaben fühlen. Letzte Woche haben wir bei der Kommunikation des WWF gesehen, wie diese Haltung bei den Leuten ankommt.

      Es hat den WWF ganz gewaltig wieder auf die Erde gezogen, diese Woche macht Greenpeace eine (recht kleine) Bruchlandung. Und ich finde es gut, dass beide wieder etwas „geerdet“ werden. Das ist meine persönliche Meinung und dazu stehe ich.

    1. Moin Stephan, vielen Dank für die Einladung! Die ich auch schon von anderer Seite bekommen habe 😉 Bin gespannt, wie die Kampagne weiter geht. Fürs Training wünsche ich Dir viel Erfolg!

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