Recruiting bei der EU: Er ist der Richtige für den Job – das hat er selbst gesagt.

Sie werden sich fragen, was dieser Bericht in einem Blog zu suchen hat, das sich vor allem dem Personalmanagement und der Öffentlichkeitsarbeit widmet. Die Antwort ist einfach. Der jüngste Job von Karl-Theodor zu Guttenberg ist nicht nur deswegen beachtlich, weil es kaum einen weniger qualifizierten kontroverser diskutierten Kandidaten für die „No-Disconnect“-Strategie der EU geben konnte. Auch nicht aufgrund der Bemerkung von EU-Kommissarin Neelie Kroes, dass sie keine Heiligen, sondern Talente suche. Nein, hier geht es um Bewerbungen.

Dies ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass es wichtig ist, voller Inbrunst zu betonen, dass man einen Job ausfüllen kann. Und zwar gut. Auch wenn man nach Meinung der übrigen Welt nicht dazu geeignet sein mag.

Guttenberg ist der richtige Mann, weil er erklärt hat, der richtige zu sein. Stimmt nicht? Lassen wir Neelie Kroes zu Wort kommen:

Der kann das. Guttenberg soll Blogger und Netzaktivisten in autoritären Regimes unterstützen und das "Recht auf Meinungs- und Kommunikationsfreiheit" schützen.

„…Allerdings brauchen wir Ansätze und Ideen aus allen Bereichen – deswegen habe ich Karl-Theodor zu Guttenberg eingeladen.

Wenn jemand die Macht des Internets versteht und seine Macht, die Politik zu kontrollieren, dann ist es Karl-Theodor – das hat er auch selbst schon gesagt.

Jeder der mit Karl-Theodor gearbeitet hat, kennt seine politischen Fähigkeiten – ich habe mit ihm gearbeitet, als er noch Wirtschaftsminister war. Was ich an ihm bewundere, ist sein frischer und internationaler Weitblick. Er hat zwei Ministerien geleitet, dessen Aufgaben bei diesem Projekt eine Rolle spielen. Ich weiß, dass er daher in der Lage ist, wichtige Gespräche zu führen und Ideen zu sammeln, um denen zu helfen, deren Rechte offline und online beschnitten werden.

Wenn Sie sich dennoch fragen, warum ich Karl-Theodor gefragt habe und nicht jemand anderen, dann ist meine Antwort, dass ich stets nach Talenten suche, nicht nach Heiligen. Ich bitte ihn, eine wichtige Aufgabe zu übernehmen – nicht weniger und nicht mehr. Ich blicke stets in die Zukunft, nicht die Vergangenheit…“

Neelie Kroes, EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, in ihrem Blog zu ihrer Entscheidung, Karl-Theodor zu Guttenberg zum Internetberater der EU-Kommission zu ernennen. Ziel seiner Tätigkeit: „to promote internet freedom globally„. Bisher konnte man nicht gerade behaupten, dass sich Guttenberg um die Internetfreiheit verdient gemacht hat. Im Gegenteil. Siehe dazu Netzpolitik.org. Aber das ist hier nicht der Punkt. Hier zählt die glaubhaft kommunizierte Botschaft (glaubhaft im Hinblick auf eine Zielgruppe = in diesem Fall nicht wir Blogger, sondern Neelie Kroes & Co.), der beste Bewerber für den Job zu sein. Das ist Guttenberg anscheinend gut gelungen. Natürlich gibt es noch weitere Einstellungskriterien für Jobs bei der EU. Welche bei Guttenberg überdies eine Rolle gespielt haben, vermag ich leider nicht zu beurteilen.