Recruiting im Social Web boomt? Vielleicht.

Zu erstaunlichen Ergebnissen kommt eine Umfrage zum Recruiting im Auftrag von Bitkom, dem Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien. Rund 30 Prozent der befragten 1.500 Unternehmen bieten danach Jobs in sozialen Netzwerken wie Facebook oder StudiVZ an. 58 Prozent der Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern sollen Stellenanzeigen in sozialen Netzwerken veröffentlichen. Von den kleinen und mittleren Unternehmen hingegen sind es nur 29 Prozent. 41 Prozent der befragten IT- und Kommunikationsunternehmen nutzen das Web 2.0 bei der Personalsuche, aber erst 16 Prozent der Baufirmen, so Bitkom.

Soweit so gut. Nur was sagt die Pressemitteilung von Bitkom aus? Recht wenig. Es wurden 1.500 Unternehmen befragt. Leider nennt Bitkom die Verteilung der Unternehmen nach Größe und Branche nicht. Hintergrundinfos: Fehlanzeige. Deshalb bleibt als Interpretationshilfe nur der Pressetext. Und der ist mehrdeutig.

„Das Web 2.0 ist der Stellenmarkt der Zukunft“, erklärt Bitkom-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer. Wirklich? Nein, eigentlich nicht. Stellenmärkte im Web gibt es genug. Web 2.0, das ist kein Stellenmarkt, sondern die Chance auf einen Dialog mit potenziellen Bewerbern. Dies betont  Nina Kalmeyer zu Recht in einem Kommentar. „Stellenanzeigen veröffentlichen in Online Communitys“ (in welchen bitte?) als neuesten Trend? Damit würden Unternehmen die Möglichkeiten von Facebook kaum ausreizen. Und innovativ wäre das auch nicht gerade. Aber immerhin scheint es laut Bitkom viele Unternehmen zu geben, deren Engagement darüber hinaus geht und die „mit eigenen Profilen“ im Social Web präsent sind. Einige davon sind ja in der Übersicht der Karriere-Fanpages auf Facebook zu finden. Viele andere hingegen nicht.

So richtig verständlich hat Bitkom die Ergebnisse der Umfrage nicht auf den Punkt gebracht. Die Kritik und Interpretationshilfe des HR-Experten Henner Knabenreich ist deshalb durchaus berechtigt – und lesenwert.

2 comments on “Recruiting im Social Web boomt? Vielleicht.

  1. Hallo und volle Unterstützung!
    In den letzten Monaten erleben wir einen Boom in Sachen Studien zu 2.0-Themen. Grundsätzlich kein Problem und die vielfältige Beschäftigung zeigt auch, dass Aspekte rund um Web2.0 und Social Media anscheinend vielen Menschen wichtig sein. Kritisch zu betrachten, ist allerdings die begriffliche Unreinheit welche da entsteht. Dazu nicht transparente Zahlen bzw. Befragungshintergründe und schon leidet die Aussagekraft von so mancher Studie erheblich. Nun gut, dafür gibt es schließlich auch Blogs und andere Foren, wo wir – die aufmerksamen Leser – dies bemängeln und ggf. geraderücken können. Ist wohl so´n Web2.0 Phänomen… 😉

    1. @Christoph Athanas: Vielen Dank. Manchmal erinnert mich der Web 2.0-Hype an den dotcom boom. Alle springen auf den gleichen Zug auf, egal wohin der fährt und was die Fahrt kostet. Warum soll ich im Recruiting vorrangig auf Facebook & Co. setzen, wenn sich meine Zielgruppen woanders besser ansprechen lassen oder auf Facebook nicht mit mir kommunizieren wollen? Das soll es ja geben. Empfehlenswert ist es nach wie vor, sich zu fragen, wen ich wie erreichen will. Und erst dann ganz in Ruhe über Social Media nachzudenken. Aber Studien sind ja schnell geschrieben und ein gutes Marketingtool…

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