Zapp! Und weg ist der E-Zubi. Image und Recruiting in einem Video – das geht nicht immer gut.

Ein wirklich gutes Recruiting-Video zu drehen, das ist schwer. Letzten Freitag hatte ich den aus meiner Sicht weder zweckdienlichen noch geschmackvollen Spot der Dachdeckerinnung Oberschwaben verrissen. Einige Wochen zuvor hatte ich mir den auf hip und Nerd getrimmten Spot der Axel Springer AG vorgenommen. Was zu einigen Diskussionen in der XING-Gruppe HR BarCamp führte (wer die noch nicht kennt, unbedingt dort Mitglied werden!). Einen Punkt hatte ich dort betont, den ich auch hier erwähnen möchte.

Ein Spot verrät immer etwas über die Unternehmenskultur. Über Werte und Verhaltensweisen im Unternehmen. Oder in einer Branche. Und das wird gewollt oder ungewollt mitkommuniziert. Meist ungewollt. Den süddeutschen Dachdeckern sollte man das vielleicht mal stecken. Kommunikation sollte ja zielgruppengerecht sein, nimmt man gemeinhin an. Denken die Dachdecker wirklich so wie in diesem Spot? Sind die so? Sind die Social Media Nerds so, wie im Spot von Axel Springer? Können die über solche Spots lachen, die Dachdecker und die Social Media Nerds? Ja, ich weiß, die Aussagen in den Spots sind satirisch überzogen und deshalb sollte man das nicht so auf die Goldwaage legen. Nun ist aber die Realität stets der Bezugspunkt der Satire.

Natürlich kann ich meine Werte auch gezielt per Spot kommunizieren. Ob das Axel Springer tun wollte? Ich glaube nicht. Ob das der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke ZVEH mit seinem Spot „Deine Stadt braucht Dich!“ tun wollte? Ja, das wissen wir nicht so recht, was der Verband da kommunizieren wollte. Offiziell möchte der ZVEH den im August 2011 veröffentlichten Spot im Recruiting nutzen, Nachwuchs-E-ZUBIS ansprechen. Mein Rat: Entweder Zielsetzung oder Spot ändern. Denn dieser Spot ist ein typisches Beispiel dafür, dass man gezielt mehrere Botschaften mit einem Video übermitteln möchte. Ohne Konzept. Hier ist erst einmal der Spot:

Ein Recruiting-Video?

Werden Sie nach Sichtung dieses Spots eine Ausbildung zum Elektroniker aufnehmen wollen? Eher nicht, behaupte ich. Das sollen Sie auch nicht. Denn Ziel dieses Spots ist war es ursprünglich, die Zuschauer auf Facebook zu lenken. So lautet zumindest die Aussage zum Video. Zitat: „Was am Ende in der Stadt passiert, die jetzt ohne Strom ist? Na ganz einfach, E-Zubis müssen hin und alles wieder ins Lot bringen. Wie sie das anstellen? Das erfahrt Ihr in Kürze auf Facebook. Wer gerne spielt, sollte da unbedingt in nächster Zeit ein Auge drauf haben…“

Also ein Teaser, weder Image noch Recruiting?

Auf Facebook erfahren die Elektro-Fans allerdings bis heute nicht allzu viel. Spielerisch – auf Facebook findet das nicht wirklich statt. Wenn man von einer Abstimmung absieht.

Keines von beidem!

Und damit steht das Video allein da, ohne kommunikative Anbindung oder Fortsetzung. Ohne diese ist der Spot allerdings weder Teaser noch Recruiting-Video. Denn was sollen hier zukünftige Auszubildende über das Handwerk lernen? Dass man Lampen und Leuchtmittel nur mit Handschuhen anfassen sollte? Am besten das Haus wechselt, wenn die Birne flackert? Dass die Installation leider durch kirgisische Wanderarbeiter erledigt wurde – und dass das deshalb Folgen hat? Dass man nicht auf einen Stuhl steigen sollte, um eine Glühbirne zu wechseln, sondern dazu die Feuerwehr mit der Drehleiter ruft? Und natürlich nie eine blanke Leitung mit bloßen Händen anfasst? Wir wissen es nicht.

Allein für sich gestellt, ist dieses Video in erster Linie ein Image-Video. Das ein Recruiting-Video sein will. Genauso wie das oben erwähnte Dachdecker-Video, das ein Hoch auf das Qualitätshandwerk mit Recruiting verbinden will. Das ZVEH-Video ist ein Loblied auf die solide deutsche Handwerksarbeit – und leider nicht wirklich innovativ. Denn Stromausfall, das wird gerne mal genommen im Zusammenhang mit der Reparatur eines elektrischen Geräts. Ein ähnliches Konzept, wie es Scholz & Friends in ihrem Video „Das Lied vom Handwerk“ verfolgen. Nur dass hier die ganze Welt untergeht. Videos gut zum Gutfühlen, sich auf die Schultern klopfen und fürs Image. Image und Recruiting in einem Spot – auch das geht. Und „nur“ Recruiting: Das geht natürlich erst recht. Aber anders. Immerhin: 3.500 Aufrufe.