Azubis auf Lehrstellensuche: Welche Arbeitgeber für Auszubildende attraktiv sind und welche nicht.

Was ist Azubis bei der Wahl eines Arbeitgebers wichtig? Welche Arbeitgeber können bei Ihnen punkten? Dazu hatte das Portal meinestadt.de rund 1.400 Nutzer ihres Lehrstellenmarktes befragt. Mein Blogger-Kollege Henner Knabenreich hatte letzten Sonntag ausführlich darüber berichtet und sich vor allem auf Social Media konzentriert. Ich möchte hier zu einigen anderen Ergebnissen der Umfrage noch ein paar Worte sagen.

Nicht überraschend: Der kaufmännische Bereich steht klar vorne (mit 57,2 Prozent) in der Gunst der Bewerber. Was die Handwerker, die zum Teil händeringend Nachwuchs suchen, wenig freuen wird (28,5 Prozent). Es ist noch ein weiter Weg für den Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und seine Agentur Scholz & Friends. Das Gastgewerbe fällt durch bei den Lehrstellensuchenden (10,1 Prozent). Gastronomen und Systemgastronomen dürften ihre Positionen als ungeliebte Kinder in der Familie der Ausbildungsberufe problemlos behaupten können. Auch die Logistik wird sich kaum über die 18,5 Prozent freuen können. Das Gejammer ist in meiner Wahlheimat Hamburg schon gut zu hören.

Angaben in Prozent. Quelle: meinestadt.de

Was ist Azubis im Unternehmen wichtig? meinestadt.de betont zu Recht, dass die zukünftigen Azubis nicht so viel Wert legen auf den Bekanntheitsgrad des Unternehmens. Nur für 8,1 Prozent der Azubis ist Bekanntheit ein Argument. Das berühmte „gute Betriebsklima“ spielt eine weitaus wichtigere Rolle (69,1 Prozent). Wobei die Studie nicht definiert, was für die Azubis ein gutes Betriebsklima ausmacht. Wichtig ist auch die Übernahme nach der Ausbildung (63,6 Prozent). Und ja, abwechslungsreich sollte die Ausbildung sein (48,5 Prozent). Die Karrierechancen sind aus meiner Sicht mit 40 Prozent eher hoch bewertet. Die Karriere-Erwartungen der Azubis hängen meist vom Schulabschluss ab. Karrierechancen sind deshalb für viele nicht ganz so wichtig.

Angaben in Prozent. Quelle: meinestadt.de

Die Übersicht zu den Informationskanälen bei der Suche nach Lehrstellen zeigt auf, dass Azubis recht konservativ ihrem Informationsverhalten sind. Facebook & Co. spielen kaum eine Rolle. Henner Knabenreich fragt zu Recht, was in der Umfrage die „Firmenhomepage“ (11,7 Prozent) von dem Punkt „Internet“ (96 Prozent) unterscheidet. Frage: Was bedeuten diese 96 Prozent? Social Media und Homepage sind es laut Umfrage nicht. Die gute alte Printanzeige spielt nach wie vor eine wichtige Rolle (55,5 Prozent).

Die Wertung der „Persönlichen Kontakte“ ist für mein Befinden mit knapp 20 Prozent niedrig ausgefallen. Allerdings wurde auch nicht genau definiert, was meinestadt.de darunter versteht. Wichtige Informationsquellen für Azubis sind erfahrungsgemäß Praktika in Unternehmen. Diese vermitteln einen ersten Eindruck über den Job.  Einen großen Einfluss auf die Berufswahl haben auch die eigenen Eltern, Großeltern und Freunde. Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit wird von meinestadt.de separat erwähnt und kann deutlich punkten. Persönliche Empfehlungen und Eindrücke sind für Azubis sehr wichtig.

Was bedeuten die Ergebnisse für Nachwuchskampagnen? Nur eine Website zu bauen, Anzeigen zu schalten und auf Social Media zu setzen, greift zu kurz. Wichtig ist nach wie vor die Präsenz vor Ort. Dies als kleinen Tipp in Richtung ZDH und Scholz & Friends. Wobei es schon mehr als der „Tag des Handwerks“ sein sollte. 😉 So meine Meinung. Wichtig ist es zudem, Auszubildende schon im Praktikum für das Unternehmen zu gewinnen.

Und sie dann in der Ausbildung zu halten. Das ist eine Aufgabe, die bei den Unternehmen liegt. Die Verbände können aber mit Rat und Know-how helfen. Die Absprungquoten sind bekannt hoch. Laut meinestadt.de haben fast 20 Prozent der befragten Jugendlichen bereits eine Ausbildung abgebrochen oder suchen eine Zweitausbildung. Die Gründe dafür nennt meinestadt.de nur zum Teil. „Falsche Erwartungen“ an den Job und „fehlende Perspektiven im Unternehmen“ werden erwähnt. Weiterhin: „Der alte Ausbildungsberuf war uninteressant“ (warum?), „mangelnde Zukunftsaussichten im Beruf“ (hallo, liebe Verbände) und „gesundheitliche Gründe“. Ein niedriges Gehalt spielte gar nicht mal eine so große Rolle.

Hier würde es Sinn machen, stärker auszudifferenzieren.

Obwohl: Man könnte aufgrund der oben genannten Vorlieben der Azubis darauf schließen, dass diese Ausbildungsbetriebe eben kein gutes Betriebsklima hatten, keine Übernahme nach der Ausbildung boten (was meinestadt.de auch als Grund für den Abbruch der Ausbildung nennt), das Aufgabenfeld nicht abwechslungsreich war und die Karrierechancen gering. Und damit würde man nicht sehr weit daneben liegen.

Laut meinestadt.de sei es wichtig, „klare Stelleninformationen“ zu kommunizieren. Auch Kooperationen mit Schulen könnten helfen, um Schülern eine Vorstellung über den zukünftigen Beruf zu vermitteln. Was ja schon getan wird. All das ist hilfreich, aber nicht der einzige Lösungsansatz. Aus meiner Sicht die Hauptsache: In den Unternehmen muss sich einiges verändern. Unternehmen sollten ein „attraktives Arbeitsumfeld“ und „reizvolle Arbeitsbedingungen“ schaffen, so meinestadt.de, ohne im Detail darauf einzugehen. Das brauchen sie auch nicht, denn allein dies ist ein Thema für sich. Für die Unternehmen gibt es gerade in diesem Bereich einiges zu tun.

2 comments on “Azubis auf Lehrstellensuche: Welche Arbeitgeber für Auszubildende attraktiv sind und welche nicht.

  1. Zum Thema kaufmännischer Bereich: Ich kann mir gut vorstellen,d ass dieser Bereich förmlich überrannt wird von bewerbern.

    Man hat einen durchgeplanten Job, ständig Arbeit, ist also auch abgesichert und kommt dabei eher noch mit Kunden und Arbeitskollegen in Kontakt als auf dem Bau. Zudem der ja ncoh ganz schön an den körperlichen Kräften zehrt. Seh das in meinem Bekanntenkreis, die machen sich momentan alle nach und nach den Rücken kaputt, und das mit 25 und der andere mit nicht mal 40!

    Die Arbeitsbedingungen sind da also noch nicht einmal besonders lockend, selbst wenn bei guter Auftragslage ordentlich Geld winkt.
    Just my 2 cents =)

    Glücklich also, wer als Arbeitgeber Leute gefunden hat, die einfach in ihrem Job aufblühen und das gern machen, grad fürs Handwerk sollte man schon ein Händchen haben…

  2. Hallo @Mike, ich denke auch, der kaufmännische Bereich kann sich nicht über Bewerber beklagen. Und die Vertragslösungsquoten (gerne auch „Absprungquoten“ genannt, obwohl viele Azubis ja nicht dauerhaft „abspringen“) sind in der Verwaltung am niedrigsten, gefolgt von den kaufmännischen Berufen. Katastrophal sind sie im Gastgewerbe, aber auch Berufskraftfahrer, Gerüstbauer, Friseure oder Maler/Lackierer können ihre Azubis nicht halten. Die Gründe dafür sind vielfältig. Körperlich anstrengende Arbeit spielt eine wichtige Rolle, aber nicht die einzige. Dieses Thema finde ich spannend und ich werde dazu noch was schreiben.
    Ach ja – „aufblühen“ tun die Leute bei Arbeitgebern, die sie zu motivieren wissen. Und da gibt es auch einige Handwerksbetriebe, die das gut können. Auch ein wichtiges Thema, finde ich.
    Beste Grüße, Helge Weinberg

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