Im Blindflug durch die sozialen Netzwerke. Laut BITKOM findet Social Media in deutschen Unternehmen weitgehend ziellos statt.

Der IT-Branchenverband BITKOM gibt in regelmäßigen Abständen Studien heraus, so zum Einsatz von Social Media in den Unternehmen. Am 9. Mai war es wieder soweit. Und – wie zu erwarten – es ergibt sich ein ambivalentes Bild.

Die BITKOM-Studie „Social Media in deutschen Unternehmen“ gibt mir die Gelegenheit, auf eines meiner Lieblingsthemen hinzuweisen: Die Frage, was sich durch Social Media für die Unternehmenskommunikation verändert hat. Und wie die Kernaufgaben der Unternehmenskommunikation in Zeiten der Social Media aussehen werden. Dazu hatte ich vor einigen Tagen Kommunikationsexperten von fünf namhaften Unternehmen befragt. Die Kurzinterviews finden Sie ab nächster Woche in lockerer Folge im PR-Journal. Mit sehr spannenden Aussagen, die einige Ergebnisse der Studie spiegeln.

Jetzt zurück zur Studie. Der Verband hatte 723 Unternehmen befragt. Das Ergebnis: 47 Prozent setzen soziale Medien ein. Weitere 15 Prozent planen den Einsatz für die nahe Zukunft. 39 Prozent nutzen somit Social Media bisher nicht.

Wichtigstes Ziel der Unternehmen, die auf Social Media setzen, ist die Steigerung des Bekanntheitsgrades (82 Prozent). Nur 23 Prozent unterstützen mit Social Media-Aktivitäten ihr Personalmarketing und Recruiting. An anderer Stelle geben nur acht Prozent der Unternehmen an, Social Media für HR zu nutzen. Ein Widerspruch, den BITKOM nicht erklären kann.

Zitat BITKOM: „Zwei Drittel der Social Media nutzenden Unternehmen (66 Prozent) haben keine konkreten Ziele definiert, die mit sozialen Medien erreicht werden sollen.“ Nur zwei (!) Prozent haben Kennzahlen zur Evaluation der Zielerreichung eingeführt. Ein aus meiner Sicht zwar nicht überraschendes, aber katastrophales Ergebnis.

Ich starte also Kommunikationsprojekte, ohne diese mit Zielen zu versehen? Die es ermöglichen, Aktivitäten messbar und Erfolge (oder Misserfolge) transparent und nachvollziehbar zu machen? Die es erlauben, zu evaluieren und nachzubessern?

Und: Laut BITKOM betreiben nur 10 Prozent der Unternehmen Social Media Monitoring. Sprich: Ich bin auf Facebook & Co. unterwegs, ohne zu wissen, wo und wie über mich gesprochen wird. Und welche Fragen und Probleme auf mich zukommen könnten. Oder – als positiver Aspekt – welche Themen ich belegen könnte. Hier vergeben sich die Unternehmen massiv Chancen – und sie fahren einen riskanten Kurs. Das ist so ähnlich wie eine Vollgasfahrt auf einer nebligen Autobahn. Kann klappen, muss aber nicht. Und kann sehr aufregend sein.

Die Studie wirft weder auf die Unternehmenskommunikation noch auf das Marketing ein sonderlich gutes Licht. Beide zeichnen in Unternehmen für Social Media verantwortlich. Man will also als Unternehmen bekannter werden und neue Kunden gewinnen (so das zweitwichtigste Ziel) und tut dies ohne Konzept. Und in vielen Fällen ohne Absicherung gegen Krisen.

86 Prozent der Unternehmen, die Social Media einsetzen, ist in sozialen Netzwerken unterwegs. Davon die meisten ohne Ziele, ohne Monitoring – und ohne Social Media Guidelines für die Mitarbeiter. Denn die gibt es in nur 19 Prozent der Unternehmen.

9 comments on “Im Blindflug durch die sozialen Netzwerke. Laut BITKOM findet Social Media in deutschen Unternehmen weitgehend ziellos statt.

  1. Vielen Dank für diese Auswertung!
    Die Ergebnisse decken sich größtenteils mit denen meiner speziell fürs Recruiting erstellten Studie Social Media Recruiting 2011.
    In der neuen Umfrage (Teilnahme hier, Ergebnisse werden kostenfrei im September veröffentlicht – https://www.netigate.se/a/s.aspx?s=83576X8435) zeigen die Zwischenergebnisse bereits, dass sich beim Monitoring etwas getan hat. Im Vergleich zu den letztjährigen Resultaten hat die Anzahl der Firmen zugenommen, die auf ihre Online Reputation achten und diese überprüfen.

    1. Hallo @Eva Zils, herzlichen Dank für den Hinweis! Ich würde mich ja freuen, wenn sich da etwas tun würde. Gerade im Monitoring. Wie soll ich mit meinen Bezugsgruppen kommunizieren, wenn ich deren aktuelle Anliegen nur rudimentär kenne? Nur nette Geschichten posten? Oder lieber doch alle Pressemitteilungen noch mal auf Facebook bringen? Man weiß ja nie, vielleicht liest die ja doch jemand. 😉

      Noch wichtiger: Krisenprävention. Ohne Monitoring kaum möglich. Ich bin gespannt auf Ihre Ergebnisse! Halten Sie mich auf dem Laufenden? Vielen Dank! Einen schönen Start in die Woche.

      Beste Grüße, Helge Weinberg

Comments are closed.