Corinna Lütsch: Coaching kann den Methodenkoffer einer Führungskraft wesentlich bereichern.

Sollen Vorgesetzte ihre Mitarbeiter coachen? Können die das? Zum Thema habe ich drei Expertinnen befragt. Heute kommt Corinna Lütsch zu Wort. Sie ist Trainerin und Coach, spezialisiert auf Führung und Selbstführung und Inhaberin von mentalenz in Hamburg.

Sollen / können Vorgesetzte ihre Mitarbeiter coachen? Unter welchen Voraussetzungen wäre das denkbar?

Corinna Lütsch

Corinna Lütsch: „Coacht ein professioneller Coach einen Klienten, so kann der Coach nach meinem Coaching-Verständnis durchaus Anregungen geben – so lange er in der Lage ist, diese unbefangen wieder loszulassen. Nur dann ist der Coach kein Berater oder gar Manipulator.

Eben so verhält es sich auch mit dem Vorgesetzten, der einen Mitarbeiter coacht. Wesentlich ist, dass Vorgesetzte es schaffen – obwohl sie stets eigene Ziele im Unternehmenskontext verfolgen – unbefangen in Bezug auf den Prozess, den sie begleiten wollen, zu sein. Das heißt, zum Beispiel erwartungsfrei zu sein im Hinblick auf den Lösungsweg, den ein Mitarbeiter einschlägt. Offen zu sein für unerwartete oder unkonventionelle Ansätze. Echtes Interesse zu haben an Ideen, die neu sind.

Wenn eine Führungskraft in der Lage ist, einen Mitarbeiter in einem Prozess unbefangen zu begleiten, tut sie das, was auch ein Coach tut.

Das fällt vielen Führungskräften ausgesprochen schwer, da sie einen Weg der Mitarbeiterführung gewohnt sind, der mit Coaching wenig gemeinsam hat. Vielmehr ist der Führungsalltag oft geprägt von Urteilen und Bewertungen, die in einem Coaching keinen Platz haben. Wer als Vorgesetzter bereits den vermeintlich besten Lösungsweg vor Augen hat und Fragen bestenfalls nutzt, um Mitarbeiter in diese nach den eigenen Vorstellungen beste Richtung zu lenken, der wird schnell als Manipulator enttarnt. Dann begreifen Mitarbeiter die Begleitung durch den Vorgesetzten nicht mehr als Unterstützung, sondern fühlen sich verständlicherweise nicht ernst genommen in Bezug auf eigene Ideen und Lösungsansätze. Kreativität und Eigeninitiative versiegen so schnell.

In Zeiten, die geprägt sind von schnellem Wandel, Internationalisierung und Komplexität, gilt es für Führungskräfte, ihre Mitarbeiter in die Lage zu versetzen, eigenverantwortlich Entscheidungen zu treffen, Konflikte selbständig zu lösen und kreativ zu handeln. Ich meine, aus dem Ergebnis der Studie (Anmerkung: Corinna Lütsch bezieht sich auf die Studie von Robert Half sowie die Kritik dazu) spricht der Wunsch nach Unterstützung und Orientierung in schwierigen beruflichen Situationen.

Coaching kann dabei den Methodenkoffer einer Führungskraft wesentlich bereichern, vorausgesetzt, sie ist bereit, sich mit ihrem Führungsverständnis auseinanderzusetzen.“

Über Corinna Lütsch:

mentalenz – Führen mit mentaler Intelligenz

Corinna Lütsch, Coach, Lehrcoach und Trainerin unterstützt unter dem Motto „Führen(d) mit Persönlichkeit“ Menschen dabei, sich selbst und andere im Einklang mit der eigenen Persönlichkeit zu führen. Mental intelligentes Handeln beinhaltet dabei die Nutzung von Verstand und Gefühls(er)leben und ermöglicht die Entfaltung ungenutzter Potentiale.

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