Corporate Responsibility ist das Alibifach „für das Gute“. Ein Interview.

Selten empfehle ich Interviews, noch seltener welche auf Spiegel Online. Jetzt muss es mal sein. Der scheidende Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger ist nicht dafür bekannt, ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Seine  Zeit mit Joschka Fischer (immerhin vier Jahre) in der Außerparlamentarischen Opposition (APO) dürfte schon eine Rolle dabei spielen, dass er gerne mal deutlich wird.

Sein Leben nach der APO führte ihn über Daimler, Lufthansa und Continental zur Telekom. Bei Continental und der Telekom erarbeitete er sich den Ruf eines knallharten Sanierers. Er ist einer der bekanntesten Personaler. Auf SPON legt er sich noch einmal richtig ins Zeug. Gegner: Die Business Schools. Hier eine Auswahl griffiger Aussagen:

„… Die Theorie, die heute (in den Business Schools) vermittelt wird, hat substantiell versagt und ist moralisch verrottet…“

Thomas Sattelberger, Vorstandsmitglied Personal Deutsche Telekom AG / Foto: © Deutsche Telekom AG

Da hilft auch Corporate Responsibility wenig, das ohnehin angeschlagene Image zu reparieren oder gar eingefahrene Sichtweisen zu ändern. Zitat:

„…Das isolierte Fach Ethik oder Corporate Responsibility (CR) ist das Alibifach „für das Gute“…“

Und dann wird gleich auch mal gegen die Unternehmen ausgeteilt:

„…Das gleiche Problem haben Unternehmen, die gesellschaftliche Verantwortung ausschließlich über CR-Abteilungen definieren…“

Das sehe ich in der Tat auch so. Man kann Verantwortung nicht komplett wegdelegieren oder in ISO-Normen pressen.

Sattelberger hält es für pure Phantasie, Erfahrung in Leadership durch Vorlesungen vermitteln zu können. Dem wissenschaftlichen Personal rät er ohnehin, in sich zu gehen. Professoren unterstellt er „unmoralische Handlungskonzepte“, Fakultätsmitglieder seien „wie streunende Katzen auf der Suche nach lukrativen Beratungsaufträgen“.

Bei weitem nicht alles muss mal teilen, was Thomas Sattelberger vertritt. Aber zum Schmunzeln und Nachdenken ist das Interview gut. Lesen.