Richtig Feedback geben: Wie Sie die Kompetenzen Ihrer Auszubildenden fördern.

Wir alle kennen die Klagen über Azubis, deren Ausbildung zu wünschen übrig lässt. Sich über das Schulsystem und die Lehrer aufzuregen, mag erleichtern. An der Situation ändert es nichts. Und wir alle kennen die Klagen über die sozialen Kompetenzen mancher Auszubildenden. Diese Klagen wiegen erheblich schwerer. Fachliches Wissen kann man sich schnell aneignen. Soziale Kompetenzen, das dauert.

Durch Feedback kann ich sowohl die fachlichen als auch die sozialen Kompetenzen meiner Auszubildenden entwickeln. Und das sollte ich auch tun. Denn Feedback ist erwünscht. Der Generation Y, den nach 1980 Geborenen, ist Feedback in der Ausbildung wichtig. Sie fordern es von Ihren Ausbildern ein. Sie geben es auch gerne. Auch ungefragt, wie mancher Vorgesetzte feststellen muss.

Was ist Feedback? Eine Definition zur Einstimmung: „Feedback ist eine Rückmeldung an eine Person über deren Verhalten und wie dieses von anderen wahrgenommen, verstanden und erlebt wird“, so Wikipedia. Ganz einfach also?

Ich sage, was mir an meinen Azubis aufgefallen ist. Was mich schon länger gestört hat, packe ich praktischerweise direkt mit dazu. Wenn schon Feedback, dann aber richtig. Und dann wundere ich mich, dass die aus meinem Büro rausgekrochen kommen. Oder massiv dagegen halten.

Der Ton macht die Musik. SO stellen sich Ihre Azubis das Feedback NICHT vor.

Ist Feedback wirklich nötig? Die Antwort ist ein klares „Ja“! Lernen ist ohne Feedback nicht möglich. Feedback verstärkt bestimmte Verhaltensweisen und ermöglicht es, eigenes Verhalten zu korrigieren. Dabei macht wie so oft der Ton die Musik.

Durch Ihr Feedback halten Sie Ihrem Azubi einen Spiegel vor. Er sieht, wie ein bestimmtes Verhalten bei Ihnen und anderen ankam – oder nicht ankam. Was es bewirkt hat. Welche Wünsche Sie gegenüber Ihrem Azubi haben. Durch Feedback geben Sie ihm die Möglichkeit, sein Verhalten zu überdenken. Und es zu ändern. Oder Fähigkeiten zu verfeinern, Stärken auszubauen. Wohlgemerkt, es geht hier nicht nur um Kritik. Feedback, das bedeutet Rückmeldung, nicht Kritik.

Positives Feedback ist aus meiner Sicht deutlich wichtiger als kritische Worte. Viel zu selten wird in deutschen Unternehmen gelobt. Wie Studien zeigen, ist dies eine der Ursachen für gefrustete Arbeitnehmer und hohe Absprungquoten.

Sie zeigen durch Ihr Feedback, was Ihnen wichtig ist und worauf Sie Wert legen. Das ist besser, als Erwartungen erst dann zu äußern, wenn die Situation kurz vor der Explosion steht. Je klarer das Bild ist, das Sie zeichnen, desto besser wird Ihr Azubi Ihre Ziele und Wünsche verstehen. 

Wie gebe ich Feedback? Hier habe ich alle Punkte zusammengestellt, die beim Feedback eine Rolle spielen:

  • Ihnen ist ein wertschätzender Umgang wichtig. Durchgehend, auch in kritischen Situationen. Es geht Ihnen nicht darum, Ihre Azubis zehn Zentimeter kleiner zu machen. Das hilft Ihnen nicht weiter. Ihr Ziel ist es, die Selbsteinschätzung Ihrer Azubis zu fördern und Ihnen die Wirkung ihres Verhaltens bewusst zu machen.
  • Ihr Feedback muss von Ihrem Azubi gewollt sein. Deshalb treffen Sie mit Ihren Azubis entsprechende Vereinbarungen.
  • Sie äußern Ihr Feedback zeitnah. Gespräche schieben Sie nicht auf die lange Bank. Sie wissen: Ungeklärtes staut sich an, wirkt störend, wichtige Dinge werden vergessen.
  • Sollten Sie emotional betroffen sein, dann gilt für Sie die bewährte Devise: Erst mal darüber schlafen, dann darüber reden.
  • Ihr Feedback benennt erst die Stärken, dann die Schwächen. Sie fangen mit etwas Positivem an. Positive Gesichtspunkte gehören immer zum Feedback. Sonst macht Ihr Azubi zu. Dann können Sie sich weitere Worte sparen. Laut dem „Sandwich-Modell“ sollte man jede Kritik zwischen zwei Schichten von positiven Aussagen einbauen. Dazu in Kürze mehr.
  • Ihr Feedback geben Sie konkret und unmissverständlich. Es beschreibt das Verhalten und die Handlungen Ihres Azubis in einer konkreten Situation. Das, was vorgefallen ist. Wie es auch ein unbeteiligter Dritter beschreiben könnte. Sie werten, deuten oder verallgemeinern nicht. Dies gilt auch für positives Feedback. Für Sie gilt: Je genauer Sie Ihre Beobachtungen schildern, desto besser kann Ihr Azubi die Situation nachvollziehen – und damit auch sein Verhalten. Das erleichtert Änderungen.
  • Sie bleiben sachlich und kritisieren nie Ihren Azubi als Person.
  • Negatives Feedback geben Sie unter vier Augen ab.
  • Von Moralpredigten oder Vorwürfen halten Sie wenig. Schließlich geht es Ihnen nicht um die moralische Oberhoheit, sondern darum, dass Ihre Azubis motiviert und lernfreudig sind.
  • Sie sprechen klar strukturiert und verständlich. Was sie sagen, versteht Ihr Azubi auf Anhieb und kann es nachvollziehen.
  • Ihr Feedback formulieren Sie in der Ich-Form. Dies betrifft sowohl Ihre Wahrnehmung und die Beschreibung der Situation („Ich habe das und das wahrgenommen“) als auch die Auswirkungen aus Ihrer Sicht („Ich hatte den Eindruck, der Kunde …“, „Ich habe mich darüber geärgert, weil …“, „Ich finde das gut, weil…“) sowie Wünsche oder Verbesserungsvorschläge (Ich brauche…, Ich wünsche mir deshalb.., Ich empfehle Dir…).
  • Sie vermeiden das „DU“ („DU hast das und das gemacht…“) . Denn hier fehlt nur noch der anklagende Zeigefinger. Und damit ist Widerspruch vorprogrammiert. Jeder macht mal Fehler. Und keiner steht gerne als Sündenbock da.
  • Sie sind konstruktiv und zeigen Ihrem Azubi Perspektiven für die Zukunft auf.  Sie geben ihm Informationen an die Hand, die für ihn neue Aspekte enthalten. Sie machen Vorschläge, wie er Ihr Feedback in die Tat umsetzen kann. Anweisungen vermeiden Sie. Hier geht es um Verhaltensänderungen. Die können Sie nicht anordnen.
  • Sie sprechen nur eindeutig änderbare Verhaltensweisen an. Für Sie gilt, dass Ihr Azubi auch in der Lage sein sollte, die gewünschten Veränderungen vorzunehmen. Unzumutbares ist tabu.
  • Sie machen alles richtig, Ihr Azubi kommt dennoch mit einem „ja, aber“. Sie antworten darauf, dass es nicht um Vorwürfe ging, sondern lediglich darum, dass Ihr Azubi Ihnen zuhört und über Ihre Beobachtungen nachdenkt.
  • Zu guter Letzt:  Sie gestehen Ihrem Azubi zu, Ihnen auch Feedback zu geben. Denn das ist nur fair.

Feedback verbessert das „Betriebsklima“ und die Zusammenarbeit im Unternehmen. Es klärt Arbeitsbeziehungen. Ziele und Erwartungen sind für alle erkennbar. Ihre Azubis haben die Chance, sich fachlich und persönlich weiter zu entwickeln.

Nur einmal Feedback geben reicht nicht aus. Machen Sie es deshalb zum Bestandteil Ihres Arbeitsalltags. In einem weiteren Artikel werde ich darauf eingehen, wie Sie kritisches Feedback so geben können, dass es ankommt und etwas bewirkt.

[stextbox id=“info“ caption=“Update 02.06.2012″]  Den Beitrag „Richtig Feedback geben“ hatte ich auch in der XING-Gruppe Coaching Hamburg. Jetzt. gepostet. Hier wird das Thema rege diskutiert. Einfach anmelden, mitdiskutieren.[/stextbox]

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