Ohne Fallschirm und Sicherheitsgurte: Wie Unternehmen Social Media nutzen.

Heute ist hier wieder mal BITKOM-Tag. Alle ein bis zwei Monate bringt der Verband eine (für mich) interessante Meldung zu Themen rund um das Internet und Social Media. Hier gibt es heute zwei Meldungen, sowie eine Meldung des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft (BVDW) als Bonus dazu. Plus meinen Kommentar.

Laut einer BVDW-Meldung von gestern nutzen 77 Prozent der erwachsenen Deutschen das Internet. Also rund 54,1 Millionen. Und sie verbringen dort eine Menge Zeit: durchschnittlich 11,4 Stunden die Woche. Damit liegen die Deutschen allerdings noch deutlich unter dem europäischen Schnitt von 14,8 Stunden pro Woche. Die Internet-Nutzung sei laut BVDW in den letzten zwei Jahren um 24 Prozent gewachsen.

Die Deutschen nutzen das Web also rege. Dies sagt nichts darüber aus, wie professionell sie das tun. Meine Meinung vorab: Vor allem bei den Unternehmen geht noch etwas.

Am 17.08. hatte BITKOM vermeldet, dass Unternehmen schlecht auf Shitstorms vorbereitet sind. Ob diese unerfreulichen Erscheinungen auf Facebook nun wirklich von Bedeutung sind oder nicht, darüber gehen die Meinungen auseinander (siehe unter anderem Uwe Knaus und Thomas Mavridis). Fakt ist, dass Unternehmen sich in Social Media bewegen, ohne auf Krisen vorbereitet zu sein. Ich hatte diese Haltung seinerzeit mit einer Vollgasfahrt auf einer nebligen Autobahn verglichen. Kann gut gehen, muss aber nicht.

Laut der BITKOM-Umfrage verfügen nur 42 Prozent der Unternehmen über einen Krisenplan für die Kommunikation auf Facebook. 45 Prozent vertrauen anscheinend darauf, dass schon nichts passieren wird. Und sind auf Krisen nicht vorbereitet. Ich persönlich halte den Wert von 42 Prozent für deutlich zu hoch gegriffen.

Im Mai hatte BITKOM veröffentlicht, dass zwei Drittel der Social Media nutzenden Unternehmen (66 Prozent) keine konkreten Ziele definiert haben. Und nur zehn Prozent (!) der Unternehmen Social Media Monitoring betreiben würden. Das Ausrufezeichen ist berechtigt. Denn wie kann ich mich auf Krisen vorbereiten, wenn ich nicht weiß, was über mich gesprochen wird? Wer über mich kommuniziert?

Ich bin also als Unternehmen auf Krisen vorbereitet, irgendwie? Ich weiß zwar nicht, was kommt (Überraschung – ich bin‘s, Dein Shitstorm!), da ich kein Monitoring betreibe? Ich weiß aber, wie ich dann theoretisch reagieren sollte?

Gut ins Bild passt dabei, dass es den meisten Unternehmen (rund 52 Prozent) in erster Linie darauf ankommt, Fans bei Facebook zu gewinnen. Und dass der Kundendialog nicht eben die Hauptrolle spielt. So das Ergebnis des Social Media Trendmonitors 2012.

Fazit: Die Unternehmen sind also in Sozialen Netzwerken unterwegs, um Fans zu gewinnen. Möglichst viele Fans. Berauscht vom Social Media-Hype erwartet man von denen nichts Böses. Deshalb gibt es auch keinen Krisenplan oder ein Monitoring. Und da es erster Linie um Fanzahlen geht, haben detaillierte Ziele für den Auftritt im Web keine Priorität. Dafür aber Gewinnspiele.

Etwas Erfreuliches zum Schluss. Senioren sind verstärkt online, wie BITKOM am 07.09. vermeldete. Was zu erwarten war und sich nicht erst seit diesem Jahr abgezeichnet hatte. Laut der BITKOM-Meldung nutzen 33 Prozent der Generation 65-Plus das Web. 41 Prozent davon sind in Sozialen Netzwerken aktiv. Und es ist zu vermuten, dass sie hier vorsichtiger vorgehen als viele Unternehmen.

One thought on “Ohne Fallschirm und Sicherheitsgurte: Wie Unternehmen Social Media nutzen.

  1. Ich glaube, dass Unternehmen auch bei herkömlicher Werbung recht oft absolut kalt von etwaigen Misverständnissen mit den Fans, respektive den Kunden erwischt werden. Es ist in der Natur der Dinge, dass man erst tut und dann die Konsequenzen trägt, weil alles Andere eher Geld kostet.

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