Sinfonie des Handwerks: Einfach nett.

Das, das, das und das können sie, die Handwerker. Seit vier Wochen gibt es den neuen TV-Spot der „Wirtschaftsmacht von nebenan“. Zeit, etwas darüber zu schreiben, nachdem ich im Februar die Planungen der Imagekampagne des Handwerks für 2012 kritisch unter die Lupe genommen hatte.

Der Spot steht erkennbar unter dem Jahresmotto „Wir sind Handwerker. Wir können das.“ Der Job der Macher des Spots: In wenigen Sekunden die Leistungen von mehr als 130 Berufen vermitteln. So die Pressemitteilung zum Produkt. Das Ziel lautete, das Handwerk und seine Leistungen authentisch abzubilden. Aus „Tönen, Bildern und Melodie“ sollte eine Sinfonie des Handwerks entstehen – „eine Verneigung vor den Leistungen der Frauen und Männer im Handwerk“.

OK, soweit gelungen. Gedreht wurde der 1:03 Minuten lange Spot in 20 Handwerksbetrieben, gefühlt kommen aber alle Handwerksberufe darin vor. Das sollte wohl so sein. Viel hängen davon blieb bei mir aber nicht. Außer dem Eindruck: Nette Leute, diese Handwerker. Schade, dass man keinen von denen im Spot besser kennen lernen konnte.

Der neue Spot ist dazu gedacht, die eigenen Leute, das Handwerk anzusprechen. Das „Wir“-Gefühl zu stärken, lautet ein Ziel des ZDH für 2012. Dafür ist der Spot in Ordnung. Sicherlich hätte es andere konzeptionelle Ansätze gegeben, den Stolz auf den Beruf und das Geleistete darzustellen. Das zweite Ziel für 2012, Auszubildende zu gewinnen, verfehlt er hingegen. Das scheinen die Auszubildenden auch so zu sehen.

Eingestellt ist der Spot im YouTube-Kanal von Scholz & Friends. Mit 4.070 Aufrufen. Und im Kanal DAS HANDWERK, mit 2.050 Views. Ohne erkennbare weitere Verbreitung auf YouTube. Na ja, die Handwerkskammer Reutlingen, ein-zwei Blogs und w&V haben den Spot auch gebracht. Wobei w&v mit 3.200 Views protzen kann. Und natürlich finden wir ihn auf der Webseite der Kampagne.

Zum Vergleich: Der von der PR- und HR-Szene sowie den Zielgruppen einhellig verrissene Edeka Praktikum Rap kommt auf 357.000 Aufrufe, obwohl erst vor 2,5 Wochen bei YouTube eingestellt. Der ebenfalls in der Szene kritisierte BMW Rap vom Juni 2011 kommt auf immerhin 77.000 Aufrufe. Und der völlig unsägliche Spot der Dachdecker aus Oberschwaben vom Oktober 2011 kommt auf knapp 176.000 Aufrufe. Grottenschlecht und geschmacklos mag der Spot sein, virales Potenzial hat er aber dennoch.

Der neue Scholz & Friends Kampagnenspot ist einfach nett – und bleibt nicht wirklich im Gedächtnis. Weiterempfehlen? Na ja, unter Handwerkern schon. Und dazu ist er wohl auch da.

Und hier ist der Spot. Bühne frei für die Sinfonie des Handwerks:

4 comments on “Sinfonie des Handwerks: Einfach nett.

  1. Ich habe die Werbung heute zum ersten Mal gesehen und muss sagen: Das reisst micht nicht vom Hocker 🙁 Die Imagekampagne von letzten (vorletztem?) Jahr, z.B. die mit den Steinzeitmenschen, halte ich für wesentlich frischer und innovativer.

  2. @Wiesel: Stimmt, der Spot zum Auftakt der Kampagne hatte eine ganz andere Ausstrahlung. Der nahm einen mit und blieb im Gedächtnis. Der wurde auch auf YouTube oft angeklickt und weiter verbreitet. Der neue Spot ist nett-harmonisch. Mehr leider nicht. Er ist weder überraschend, noch polarisierend und reizt auch nicht zum Nachdenken. Geschichten soll der neue Spot erzählen. Ich finde das Ganze zu unverbindlich-nett. So stelle ich mir eine typische Kompromisslösung vor, die alle etwas zufrieden stellt. Aber keinen richtig.

  3. Hallo Helge,

    ich bin ebenfalls aus der Handwerker-Branche und ich bin der Meinung, das ein 1 Minute Spot kein Imagespot über das deutsche Handwerk sein kann. Den Spot, welchen Wiesel anspricht habe ich leider nicht gesehen, aber den wird es ja vermutlich auch auf Youtube geben oder?

    1. Hallo Roman, Dein Kommentar war im Spam-Filter gelandet. Deshalb eine verspätete Antwort. Den von Wiesel erwähnten Spot findest Du hier: http://youtu.be/FL9aHrBpZ6s
      Natürlich kann man in eine Minute nicht viel rein packen, sondern allenfalls Eindrücke von der Arbeit im Handwerk wiedergeben. Bei dem oben beschriebenen Spot habe ich den Eindruck, dass man möglichst viele Berufe erwähnen wollte. Zu viele, um im Gedächtnis zu bleiben oder gar Emotionen hervorzurufen.

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