Sparda Movie Stars: Der Sparda-Bank-Rap ist zum Fremdschämen? Ist das so wichtig?

BMW und Edeka hatten die Schwelle mit ihren Rap-Songs schon beachtlich hoch gelegt. Jetzt schaffte die Sparda-Bank Südwest problemlos im ersten Anlauf die Aufnahme in die Top Ten der „Fremdschäm-Azubi-Spots“. Aus Sicht der YouTube- und Facebook-Nutzer und diverser Blogger. Aber ist das wirklich so wichtig?

Zum Sparda-Bank-Rap gibt es jede Menge Kritiken, siehe unter anderem Christian Buggisch und Christian Salzborn. Bemerkenswert finde ich, dass die Sparda Movie Stars neben der Kritik auch viel Zuspruch bekommen. Nach dem Motto „Kopf hoch“, „lasst Euch nicht unterkriegen“ oder „war sicher gut gemeint“ bis hin zur uneingeschränkten Zustimmung.

Ich kann mich den Kritikern des Spots insoweit anschließen, als die Texte und die Performance, na ja, verbesserungsbedürftig sind. Aber im Grunde zählen meine Meinung und die anderer Kritiker nur unter Vorbehalt. Davon gleich mehr.

Ich habe schon den Eindruck, dass die Akteure mit Begeisterung dabei waren. Ich glaube eigentlich nicht so recht daran, dass hier Druck eine Rolle gespielt hat. Wenn dem so gewesen wäre, dann sollte die Sparda-Unternehmenskommunikation mal ein paar Tage in Klausur gehen. Rheinhessen und die Pfalz bieten da im Frühherbst so einige schöne und ruhige Locations.

Interessant finde ich die Kritik an den Kritikern. Da gibt es einige. Die von mir geschätzten Blogger Henner Knabenreich und Mirko Lange hatten ein paar deutliche Worte gesagt. Die (verhaltene) Begeisterung von Henner und Mirko für den Spot vermag ich nicht zu teilen. Ich finde dieses Video nicht wirklich „charmant“. Deren Kritik an den Kritikern hingegen möchte ich mich anschließen.

Stimmt, der Spot ist zum Fremdschämen. Finde ich persönlich. Nur: Ich bin nicht die Primär-Zielgruppe. Nicht mal annähernd. Ich kann mich gut daran erinnern, dass ich früher mal Sachen gemacht habe / gerne gemacht hätte / gut fand, die definitiv einen hohen Fremdschämfaktor gehabt haben / hätten. Aus heutiger Sicht. Früher = Als ich in dem Alter der Sparda Movie Stars war.

Noch einmal: Ich bin nicht die Zielgruppe. Sind es die Kritiker auf YouTube und in diversen Blogs? Wahrscheinlich sind einige von denen im gleichen Alter wie die Sparda Movie Stars. Das bedeutet aber nicht, dass sie damit Teil der Zielgruppe wären. Nicht jeder will Banker werden. Das ist auch gut so.

Der Spot soll die Azubis ansprechen, die zur Sparda passen. Das tut er, so ungelenk und hölzern er erscheinen mag. Möglicherweise werden sich damit (einige) potenzielle Azubis angesprochen fühlen. „Potenzielle Azubis“ = die passenden Azubis, nicht alle Azubis dieser Welt. Die positiven Kommentare im Blog der Sparda Movie Stars scheinen das zu bestätigen.

Wichtig ist aber noch ein weiterer Punkt. Aktionen wie die der Sparda-Bank wirken nach innen und außen. Innen = die Welt der Sparda-Mitarbeiter und der Banker. Außen = die Anderen, die Bewerber, die Medien, die YouTube-Flamer, die PR-Experten und andere Berufs-Besserwisser. Und natürlich die Kunden der Sparda.

War die Sparda-Bank gut beraten, diesen Spot so zu machen, wie er sich darstellt? Nein. Einige Azubis mag der Spot ansprechen. Die Mitarbeiter? Nur zum Teil dürften die sich hier wiederfinden. Fast alle anderen „Stakeholder“ der Sparda-Bank hingegen nicht.

Ob das Ganze deshalb ein PR-Gau ist, wie es das Handelsblatt schreibt, das glaube ich nicht so recht. Die Sparda-Unternehmenskommunikation dürfte allerdings einiges zu erklären haben. Das war‘s aber auch, denke ich.

Und hier komme ich zu einem weiteren aus meiner Sicht wichtigen Punkt. Zu der grundsätzlichen Überlegung, ob Marketing oder Unternehmenskommunikation spontan und zu 100 Prozent das Denken einstellen sollten, wenn Jugendliche eine Aktion im Social Web machen. Bei BMW, Edeka und Sparda hatten jeweils Azubis voller Begeisterung Videos produziert, die dem Image der Unternehmen nur eingeschränkt zuträglich waren.

Es scheint gar keine so gute Idee zu sein, Azubis ungebremst (ohne Mitwirkung der Unternehmenskommunikation) machen zu lassen. Bloß weil die zur Zielgruppe gehören und damit wissen könnten (der Konjunktiv ist beabsichtigt), was hip ist. Stimmt, das wissen sie meist. Das bedeutet aber nicht, dass sie damit automatisch auch wissen, ob ihre Aktionen zum Image des Unternehmens passen. Ob sie bei anderen Zielgruppen / Stakeholdern gut ankommen. Hier sind Marketing und Unternehmenskommunikation gefragt, die Hüter der Marke, des öffentlichen Auftritts. Dieser Verantwortung sollten sie sich nicht entziehen.

Und noch ein Gedanke zum Schluss. Es soll ja Mitarbeiter geben, die von ihrem Unternehmen so überzeugt sind, dass sie es in rosigeren Farben sehen als ihre nicht dort arbeitenden Mitmenschen. Ich kenne das gut. Die Begeisterung mancher Freunde für PR-Aktionen ihres Unternehmens (vor allem, wenn es ihre Aktionen sind) vermag ich gelegentlich nicht nachzuvollziehen. Da gibt es den guten alten Begriff der „Betriebsblindheit“ oder auch des „Groupthink“. Könnte es sein, dass dies bei der Sparda eine Rolle gespielt hat? Auch hier wäre es Aufgabe der Unternehmenskommunikation, alle Beteiligten auf den Teppich herunter zu ziehen und etwas Außensicht in die Projektplanung hinein zu bringen.

Wie dem auch sei, der Sparda-Spot wird wohl keine langfristigen Folgen haben. Die Sparda Movie Stars sind gut beraten, den Humor zu behalten und einfach weiter zu machen. Und dabei gelegentlich ihre Aktivitäten wohlwollend-kritisch unter die Lupe zu nehmen und nach der Außenwirkung zu fragen. Das ist in der Kommunikation immer von Vorteil.

Löschen? Gleich den ganzen YouTube-Kanal? Das Video ist in der Welt. Und da wird es bleiben.

Last but not least: Was natürlich gar nicht geht, ist das Löschen des Videos auf YouTube. Da stimme ich Henner Knabenreich und anderen Bloggern zu. Das Sparda-Video war ein Beitrag zum Azubi Award 2012 – „Bankstage – Gib Deinem Job eine Bühne“ der Frankfurt School of Finance & Management. Diese hat ihren YouTube-Kanal vom Netz genommen. Auch die Sparda hat ihre Version gelöscht.

Die Leiterin des Azubimanagements der Frankfurt School of Finance & Management erklärt die Kritik an dem Video zum „massivem Cybermobbing“ und zu einem Fall für die Rechtsabteilung. Darauf bin ich gespannt. Der Streisand-Effekt lässt grüßen.

Liebe Leute von der Sparda und der Frankfurt School of Finance & Management, steht zu Euren Werken und zu dem Spot! Stellt das Video wieder offiziell online. Es ist sowieso auf der Welt.

3 comments on “Sparda Movie Stars: Der Sparda-Bank-Rap ist zum Fremdschämen? Ist das so wichtig?

Comments are closed.