Die Generation Y strebt in den öffentlichen Dienst.

Der karriere.blog der österreichischen Online-Jobbörse karriere.at ist immer für eine interessante Nachricht gut. Diese hier hatte es in sich. Geht man nach einer Umfrage der Kepler Society in Linz, dann wollen österreichische Studenten und Absolventen vor allem in den öffentlichen Dienst gehen. Über 30 Prozent der befragten 1.537 Jugendlichen können sich vorstellen, dort zu arbeiten. Unternehmensberatung sowie Forschung und Lehre folgen auf den Plätzen zwei und drei.

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Grafik: Kepler Society

Die Umfrage lässt kleine und mittlere Unternehmen hoffen. Denn nur 30 Prozent der Befragten wollen in Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern arbeiten. Fast 40 Prozent streben eine Position in einem Unternehmen mit einer Mitarbeiteranzahl von 101 bis 500 an. 30 Prozent würden in Unternehmen unter 100 Mitarbeitern arbeiten.

Das wird diejenigen Unternehmen freuen, die unter der Sogwirkung der großen Konzerne leiden. Die weiteren Ergebnisse der Studie hingegen dürften weniger gut ankommen. Internationale Karriere, warum das denn? Unternehmerisch denken? Lieber nicht. Eine Führungsfunktion? Muss nicht sein. Hier unterscheiden sich die Anforderungen der Unternehmen und die Ziele der Bewerber deutlich.

Die Erkenntnisse der Umfrage sind nicht wirklich neu. Der Hang zum Elternhaus und zur Familie war in dieser Generation  immer schon groß. Auch die eher geringe Begeisterung für eine Tätigkeit im Ausland überrascht kaum. Darüber hatte neben anderen Studien schon die „Continental-Studentenumfrage“ 2011 berichtet. Hier liegt viel Arbeit vor den Unternehmen. Denn Job Cocooning ist schon seit Jahren auch bei den gefragtesten Arbeitskräften, den Ingenieuren, angesagt. Arbeiten im Ausland reizt sie wenig. Am ehesten fühlen sie sich im Mittelstand gut aufgehoben.

Warum setzt diese Generation andere Schwerpunkte als ihre Vorgänger? Vielleicht liegt es daran, dass den heutigen Studenten klar ist, dass sie keinen sicheren Job mehr haben werden? Schon das Beispiel ihrer Eltern hatte es ihnen gezeigt: Jobs fürs ganze Leben gibt es nicht. Sicher zeichnet auch die Kindheit verantwortlich für die Erwartungen der Generation Y. Gemeint ist die oft umfassende Fürsorge durch die „Helikopter-Eltern“. Hier wurden Ansprüche und Erwartungen geweckt.

Die Unternehmen sind nicht ganz unschuldig an ihren jetzigen Problemen. Oft genug hatten sie unbegrenzte Loyalität eingefordert, ohne diese selber zu garantieren. Gerade die Eltern der Generation Y hatten in dieser Hinsicht ihre Erfahrungen gemacht. Wer so handelt, der landet langfristig auf dem zweiten Platz. Den ersten Platz belegen die persönlichen Ziele der Bewerber, die ihr Leben nicht mehr vorrangig durch den Job bestimmt sehen wollen. Work-Life-Balance steht mit fast 67 Prozent in der Umfrage der Kepler Society ganz oben, gefolgt von „intellektuell herausgefordert sein“ mit fast 49 Prozent.

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Grafik: Kepler Society

Für die Kepler Society sind die Ergebnisse der Umfrage „nicht überraschend, aber dennoch erschreckend“. „Wir steuern auf ein neues Biedermeier zu“, lautet die Befürchtung. Work-Life-Balance „…sei schon wichtig. Aber auf Dauer sei der Wohlstand nur mit Leistung aufrechtzuerhalten.“

Dieses Argument kann ich nicht nachvollziehen. Warum sollte das eine das andere ausschließen? Die Generation Y ist durchaus leistungsbereit, wenn auch nicht mehr um jeden Preis. „Erschreckend“ sind die Ergebnisse der Umfrage auf keinen Fall. Die Generation Y setzt andere Schwerpunkte im Leben, im Arbeitsleben. Das finde ich auch gut so.

Generation Y, man mag es eigentlich fast nicht mehr hören. Ständig gibt es neue Analysen, neue Veröffentlichungen. Vor knapp zwei Wochen war es Jutta Allmendinger in der Zeit, die der Gen Y das Übliche bescheinigte. Sicherheits- und familienorientiert sei diese Generation. Wesentlich unfreundlicher urteilte unlängst die Welt: „…Ohne Plan, ohne Mut, ohne Biss…“, eine „Generation Maybe“, die sich für nichts entscheiden kann. Interessant ist eine Bildunterschrift in diesem Artikel: „Wir wollen Lebenskünstler sein und denken wie Beamte…“. Das würde gut zu den Ergebnissen der Umfrage der Kepler Society passen.

Es gibt gute Gründe, warum die ständigen Berichte über die Generation Y trotz aller Wiederholungen sinnvoll sind. Einer betrifft die Unternehmen selbst. Es dauert, bis diese begriffen haben, dass die Generation Y andere Werte hat als die Generation X oder gar die Baby Boomer. Bis es klar ist, dass es keine Alternativen zu ihr gibt. Denn Einwanderer werden es nicht richten.

Es ist gerade einmal zwei Jahre her, da hatte ich in einem Vortrag vor der Führungsriege eines Chemieunternehmens auf die Ansprüche der Generation Y an den Arbeitgeber hingeweisen. Ansprüche an den Arbeitgeber? Stirnrunzeln, irritiertes Schweigen in der Runde. Dann die Anmerkung eines Abteilungsleiters: „Die sollen arbeiten, die Leute!“. Schließlich habe man noch genug Bewerber. Da müsse man nicht auf diese zugehen. Diese Reaktion war durchaus typisch für viele Arbeitgeber und sie ist es auch heute noch. Veränderungen brauchen ihre Zeit.

Danke an Christoph Weissenböck vom karriere.blog für die Infos!

3 comments on “Die Generation Y strebt in den öffentlichen Dienst.

  1. Hallo Helge,

    danke für die Blumen ;-).
    Was ich zu deinen Einschätzungen – vor allem zur „Generation Y“ – noch hinzufügen möchte ist ein Interview des Jugendforschers Bernhard Heinzlmaier, der sich u.a. sehr kritisch mit dem Begriff „Generation Y“ auseinandersetzt.
    „Wenn es die Generation Y gibt, dann ist sie bestenfalls eine Teilzielgruppe der jugendlichen Gesamtpopulation. In ihrem Verhältnis zur Arbeit können wir zumindest zehn verschiedene Lifestylegruppen unterscheiden.“
    Hier gehts zum gesamten Interview: http://www.karriere.at/blog/jugend-berufswahl.html

    Grüße von der Donau!

    1. Hallo Christoph,
      gern geschehen! Vielen Dank für den Tipp mit dem Interview. Stimmt, die „Generation Y“ ist eine Verallgemeinerung. Oft genug ist sie auch ein Klischee, ein schnell aufgeklebtes Etikett. Ein „unwissenschaftliches Konstrukt der Marketingindustrie“, wie es Bernhard Heinzlmaier in dem Interview behauptet, ist sie aber nicht. Zu dieser Generation gibt es sehr viele Studien und Umfragen, die ein einheitliches Bild zeichnen und den Vorwurf eines Konstrukts entkräften. Allerdings ist es schon sinnvoll, stärker zu segmentieren. Heinzlmaiers negativen Blick in die Zukunft vermag ich nicht zu teilen, seine Kritik an der „wachstumskompatiblen Ausbildung“ und dem „instrumentellen Wissen“ hingegen schon. Ich bin sehr gespannt, wie sich dieser laut Heinzlmaier „inhumane Arbeitsmarkt“ im Zeichen des demografischen Wandels entwickeln wird.
      Beste Grüße aus dem Norden, Helge

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