Sixt: Wie man auf einen Schlag ein Image versaut.

[stextbox id="info"]Update 13.08.13, 18:30 Uhr: Erich Sixt, Vorstandsvorsitzender der Sixt Aktiengesellschaft, entschuldigt sich bei Gustl Mollath. Siehe unten.[/stextbox]

Wir alle kennen die Werbung von Sixt, wie zuletzt mit den Motiven Silvio Berlusconi und Angela Merkel („Neuland“). Ich gebe zu, diese Anzeigen fand ich selber lustig. Aber es gibt Grenzen des schrägen Humors und die hat Sixt mit dem Bild und dem Zitat Gustl Mollaths überschritten. Ich verzichte hier auf eine Abbildung. Lustig ist das nicht mehr, wohl aber eine aus meiner Sicht klare Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Sixt hat sich damit keinen Gefallen getan.

Eine Rüge des Deutschen Werberats ist fällig. Und die dürfte wohl auch kommen. Volker Nickel, Sprecher des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW), zeigte sich im Kölner Stadt-Anzeiger wenig angetan von der Aktion von Sixt.

Meine Gefühle bei der ersten Sichtung der Anzeige waren „die nehmen auf nichts Rücksicht, sie wissen, dass der sich nicht wehren kann, das ist völlig daneben“. Auf Twitter und Facebook haben viele Menschen zum Ausdruck gebracht, dass sie ähnlich denken. So schnell kann das gehen, wenn der Bogen überspannt wird. Und so schnell kann das gehen, wenn Unternehmen und Agenturen glauben, schnellen Profit machen zu können, indem sie “kleine Leute” bloßstellen.  Die meisten Menschen mögen das nicht und sie stellen sich automatisch auf die Seite der „Kleinen“. Dieses Denken soll uns schon genetisch in die Wiege gelegt worden sein, dieser Sinn für Fairness und Kooperation, so die Meinung in der einschlägigen Fachliteratur. Vielleicht eine ganz lohnende Lektüre für Sixt und deren Hausagentur, das Team von Jung von Matt?

In den Augen der meisten Menschen ist Gustl Mollath nicht vergleichbar mit Angela Merkel, geschweige denn mit Silvio Berlusconi, sondern ein ganz normaler Mitbürger. Der es zudem sehr schwer gehabt hat. Ich frage mich, wer Sixt beraten hat, so eine Anzeige zu gestalten. Wie abgehoben muss man sein, um auf eine solche Idee zu kommen?

Sixt: Das wars vorerst mit dieser Kampagne. Wer soll Eure Anzeigen zukünftig noch lustig finden? Verärgerte, aber sehr kreative Mitmenschen sind im Web gerade dabei, Eure Anzeigenmotive zu verändern und dem jetzigen Image von Sixt anzupassen. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse. Andere Mitmenschen fragen sich, welche Pharmazeutika die Arbeit der Kreativen bei der Schöpfung des Gustl Mollath-Motivs beflügelt haben mögen. Es war auf jeden Fall der falsche Stoff.

Wie geht es weiter für Sixt? Die Aufregung aussitzen? Das kann dauern. Wie wärs jetzt mit einem „wir haben verstanden“? Und einem Wechsel der Berater?

Bisher sieht es nicht nach einem “wir haben verstanden” aus. Laut dem Focus verkündete ein Sixt-Sprecher, dass Mollath eine Person des öffentlichen Lebens sei. Man dürfe die Anzeige also schalten. „Dennoch“ wolle man an Gustl Mollath ein Honorar zahlen, über dessen Höhe man keine Angaben machen wolle, da dies unter die Privatsphäre Mollaths falle.

Das „dennoch“ ist für sich genommen schon eine Zumutung, der von Sixt auf einmal geachtete Schutz der Privatsphäre der blanke Hohn. Bisher hat Sixt nichts verstanden, so scheint es.

[stextbox id="info"]Update 13.08.13, 18:30 Uhr:

Erich Sixt, Vorstandsvorsitzender der Sixt Aktiengesellschaft, hat sich im Sixtblog bei Gustl Mollath für die Anzeige entschuldigt. Hier der Blogpost:

Werbesatire: Erich Sixt entschuldigt sich in einem persönlichen Brief bei Gustl Mollath

Sixt steht seit jeher für eine provokante und polarisierende Werbung, die aktuelle Sachverhalte in satirischer Form aufgreift. Grundsatz ist dabei jedoch, dass die Betroffenen nicht in ihren persönlichen Gefühlen verletzt oder herabgewürdigt werden.

Die in der gestrigen Montagsausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ abgedruckte satirische Werbeanzeige von Sixt unter Verwendung des Bildes von Gustl Mollath ist diesem Grundsatz nicht gerecht geworden.

Der Vorstandsvorsitzende Erich Sixt hat sich deshalb heute in einem persönlichen Brief bei Herrn Mollath entschuldigt. Die Werbeanzeige wird selbstverständlich nicht weiterverbreitet.

Nachricht gefunden bei Meedia.de / Danke an Gerhard Pfeffer vom PR-Journal für den Hinweis.

Mein Kommentar:

Relativ schnelle Reaktion, nicht von einem Unternehmenssprecher, sondern direkt vom Vorstandsvorsitzenden, was der Situation angemessen ist. Zitat: “…Grundsatz ist dabei jedoch, dass die Betroffenen nicht in ihren persönlichen Gefühlen verletzt oder herabgewürdigt werden…” In diesem Fall war es nicht nur Gustl Mollath, der in seinen Gefühlen verletzt wurde, sondern Sixt hat mit der Werbung weite Teile der Öffentlichkeit vor den Kopf gestoßen, denke ich.

Positiv finde ich, dass Sixt hier auf jede Form der Relativierung oder Rechtfertigung verzichtet. Der Blogpost geht in seiner Kürze in Ordnung, eine Entschuldigung muss nicht ellenlang sein. Damit hat das Unternehmen wieder einiges wettgemacht.[/stextbox]