Weltweit rosige Perspektiven für Ingenieure und IT?

Wer als Ingenieur überlegt, ins Ausland zu gehen, der hat die freie Auswahl? Glaubt man der Jobbörse CareerBuilder, dann sind in den meisten Ländern die Chancen exzellent, einen guten Job zu bekommen. Aber auch in Deutschland soll die Nachfrage groß sein.

Noch gut kann ich mich an die Diskussion in den letzten zwei Jahren erinnern, ausgelöst unter anderem durch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), ob es einen Fachkräftemangel bei Ingenieuren in Deutschland gibt oder nicht. In dieser Frage waren die Rollen bisher fest verteilt. Da gab es die klagende Industrie, die medienwirksam händeringend nach Ingenieuren suchte. Der Counterpart waren die Ingenieure, die händeringend nach Arbeit suchten und oft genug keine fanden.

Dieses Thema möchte ich hier nicht aufarbeiten, zumindest nicht jetzt. Es ist wesentlich komplexer, als es den Anschein haben mag und die Frage „gibt es einen Fachkräftemangel?“ ist nicht mit einem klaren „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten.

Durchaus erwähnenswert finde ich aber, dass die Unternehmen nicht nur in Deutschland über fehlende Ingenieure klagen. Dieser Trend ist weltweit zu verzeichnen. Zweifel daran räumte vor einigen Tagen die Jobbörse CareerBuilder aus. Im Auftrag von CareerBuilder hatte Harris Interactive Anfang Juni online HR-Experten in Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Italien, Japan, Russland und den USA durchgeführt. Befragt wurden je 400 bis 2.279 Recruiter und HR-Manager, insgesamt über 5.000 in den zehn Ländern.

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Umfrage CareerBuilder / Harris Interactive: Welche Berufe sind besonders nachgefragt? Ingenieure zählen in allen zehn Ländern zu den Top 6 der gefragten Berufe, IT-Fachkräfte und Buchhalter immerhin in neun Ländern. Teamassistenz und Sekretariat finden sich in drei Ländern auf der Top 6-Liste.

 

Das Ergebnis: Es gibt sie, die Ingenieurlücke. In allen zehn Ländern zählen Ingenieure zu den „Vakanzen mit der höchsten Time to Hire“. In Deutschland liegen sie auf Platz zwei. Ebenfalls weltweit gesucht sind IT-Fachkräfte wie Netzwerkadministratoren und Buchhalter. In jeweils neun Ländern zählen sie zu den Top 6 der gefragten Berufe. Wobei „Time to hire“ nur relativ etwas über den realen Mangel an Fachkräften aussagt. So lassen sich so manche Unternehmen bei der Suche nach neuen Kräften viel Zeit, oft Monate, was nicht eben auf großen Leidensdruck zu schließen scheint. Oder finden sich die gesuchten Kandidaten wirklich nicht mehr – Stichwort „Fachkräftemangel“?

Wer als Ingenieur meint „was geht mich die Umfrage von CareerBuilder an“, sollte sich weitere Meldungen der letzten Tage anschauen. So hatte der Personaldienstleister Hays am Dienstag per Pressemitteilung die Botschaft unters Arbeit suchende Volk gebracht, dass die Zahl der Stellenangebote in Deutschland im Vergleich zum vorangegangenen Quartal nochmals deutlich zurückgegangen sei.

Während die IT davon nur moderat betroffen sei, wiesen die Zahlen für Ingenieure weitaus stärker nach unten, so Hays. Absolut betrachtet seien IT-Experten weiterhin am meisten gesucht, gefolgt von den Ingenieuren. In der IT seien Anwendungsentwickler besonders gefragt sowie zunehmend auch Projektleiter und IT-Berater. Auch SAP-Berater müssen sich keine Sorgen machen.

Bei den Ingenieuren sieht es anders aus. In zentralen Branchen sei die Nachfrage seit fünf Quartalen gesunken. Besonders betroffen seien die Automobil- und Elektrotechnik sowie die Medizintechnik. Aber auch im Maschinenbau ging es im letzten Quartal nochmals nach unten. Also in den größten deutschen Industriebranchen, um es einmal deutlich zu sagen. Wachsen würden vor allem die Ingenieurbüros – Outsourcing ist angesagt.

Also auf zu neuen Herausforderungen im Ausland? Kommt darauf an. Die Botschaft dieses Blog-Beitrages lautet: Am besten ist es, das eigene Kompetenzprofil kritisch-wohlwollend unter die Lupe nehmen und mit dem Bedarf bei Arbeitgebern im Ausland abzugleichen. Dann die wirtschaftliche Entwicklung in einem großen Rahmen und in den Zielländern ansehen, die eigenen Präferenzen im Hinblick auf die Frage „wie will ich arbeiten und leben“ nicht vernachlässigen und erst dann entscheiden.

Eines macht die Umfrage von CareerBuilder allerdings auch klar: Weltweit sind die gleichen Berufe stark gefragt. Warum also sollten Ingenieure und IT-Experten sich motiviert fühlen, als Einwanderer nach Deutschland zu kommen? Für mich ist die Studie von CareerBuilder wieder mal ein Argument dafür, sich stärker der einheimischen Potenziale zu besinnen.

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