Bye-bye Eimsbüttel, willkommen Harburg! Ich bin umgezogen.

In den letzten Wochen hatte ich mich mit Blog und Social Media sehr zurückgehalten. Der Grund: Ich bin umgezogen. Nach 14 Jahren im angesagten Hamburg-Eimsbüttel bin ich ins überhaupt nicht angesagte Hamburg-Wilstorf abgewandert.

Da Wilstorf auch für die meisten Hamburger Terra Incognita ist, hier eine kurze Beschreibung: Es liegt im Süden der Stadt, grenzt an Harburg, ist zum Teil recht bürgerlich, hat eine gemischte Bevölkerung, ist aber nicht ganz so multikulturell wie Harburg-City. Es ist sehr viel grüner als Eimsbüttel und von dort ist es nur einen Katzensprung an die Elbe und in die Harburger Berge. Und es ist ruhig, selbst an den Wochenenden. Was zur Abwechslung auch mal ganz nett ist.

„Süden der Stadt“ und vor allem Harburg, das geht für viele Hamburger gar nicht. Harburg, das ist nicht hip. Da zieht man nicht hin. Da wohnen allenfalls Studenten der TU – und alle möglichen anderen Leute mit geringem Hipsterpotenzial. Harburg-City galt lange Zeit als kriminell, Schießereien (gerne im Phoenix-Viertel) als die bevorzugte Art, zwischenmenschlichen Kontakt aufzunehmen. So in etwa sieht das Harburg-Bild immer noch bei gar nicht so wenigen Hamburgern nördlich der Elbe aus.

Auch Wilhelmsburg hatte dieses ganz besondere Image bis vor nicht allzu langer Zeit, leider ebenfalls teilweise berechtigt. Als ich vor vier Jahren dort Wohnungen angeschaut hatte, gab es in meinem Freundeskreis einen Aufschrei: „Wilhelmsburg? Da kann man nicht wohnen! Dieser Stadtteil wird immer so bleiben wie er jetzt ist.“ Ganz bestimmt. Seit einigen Jahren sind Wohnungen in manchen Bereichen des Stadtteils reichlich begehrt, es gibt zunehmend interessante Kneipen und Restaurants.

Harburg also. Nicht St. Pauli, Altona, Ottensen oder ein anderer Teil Eimsbüttels, das gesetzte Eppendorf, Winterhude, da wo „man“ wohnt. Zugegeben: Harburg-City ist völlig verbaut und weitgehend ohne Konturen, gesichtslos. Allerdings gibt es ein paar sehr schöne Ecken, die Lämmertwiete beispielsweise. Und am Hafen tut sich so einiges, was weniger an die Bronx als an die Hafencity erinnert.

Drive-by-shootings, gang wars – zumindest am letzten Samstag war davon nichts zu merken. Stattdessen sah ich Menschen aus gefühlt 40 Ländern beim Shopping. Schön.

Im Hamburger Süden werde ich etwas genießen, was in den Hip-Vierteln nur eingeschränkt möglich ist und was ich in einer Gegend, die mittlerweile dominiert wird durch Biosupermärkte, Coffeeshops und Friseure, entscheidend vermisst hatte. Ich meine den Wandel eines Stadtteils, der im Aufbruch begriffen ist. Denn Harburg verändert sich rapide. Was kann spannender sein? Hinzu kommt die Nähe zur Natur, die mich als passionierten Radfahrer sehr begeistert und deren Fehlen mich ebenfalls zu einem guten Teil aus Eimsbüttel getrieben hatte. Und das Wasser ist auch nicht weit.

Meine neue Adresse:

Zimmermannstr. 12 / 21079 Hamburg

Ach ja, Tipps für gute Cafés in Harburg sind sehr willkommen! Was Eimsbüttel im Überfluss hat, scheint in Harburg noch etwas zu fehlen. Das ist die Kehrseite der Medaille.

Mein Festnetztelefon und die zugehörige Internetanbindung weigern sich momentan noch, aus Eimsbüttel wegzuziehen. Auch die Telekom scheint Vorbehalte gegen Harburg zu haben und möchte mir am liebsten erst im April wieder den Anschluss an die digitale Welt gewähren. Was daran liegen mag, dass ich zur lokalen Konkurrenz wechseln möchte. Zwecks Lösung dieser wohlbekannten Umzugsprobleme bin ich mit @Telekom_hilft im vertrauensvollen Gespräch, mit noch offenem Ergebnis (vielen Dank an ^sn vom Team in Bielefeld!).  Aber es gibt ja noch die Möglichkeit, mich mobil zu erreichen.

Das obige Foto hatte ich am letzten Sonntag in Bullenhausen an der Elbe aufgenommen. 

Heuckenlock
Letzten Sonntag im Naturschutzgebiet Heuckenlock, einem der letzten Tideauenwälder Europas. Gelegen auf der Elbinsel Wilhelmsburg.