Der ADAC im Crashtest – mehr als zwei Sterne sind nicht drin.

Gestern noch der Autofahrer- und Autoindustrielobbyist Nummer Eins, heute Angriffsziel der erzürnten Autofahrernation und politischer Spezis aus Bayern und dem Rest der Republik. Der ADAC übt sich im Krisenmanagement und schlägt sich nicht sonderlich gut dabei.

Abstreiten, angreifen, auf andere mit dem Finger zeigen, im Zweifelsfall noch Medienschelte drauflegen (die sind ja so dankbar für etwas Aufmerksamkeit) – das war am letzten Donnerstag auf der Preisverleihung des „Gelben Engel“ die Strategie von Karl Obermair, seines Zeichens Geschäftsführer des Clubs. Auf keinen Fall hat die Geschäftsführung etwas von den Manipulationen gewusst, das ist die Strategie von Karl Obermair seit gestern. Viel helfen wird es nicht.

Was Kommunikationschef Michael Ramstetter da hinterlassen hat, ist mehr als ein kleines Häuflein Kommunikationsmist, das mit einer Schaufel und etwas Sand zu beseitigen wäre. Ramstetter hat das geschafft, was Generationen von Autohassern und Ökos vergeblich versucht haben. Der ADAC hat dank Ramstetter ein veritables Glaubwürdigkeitsproblem, das der Club so schnell nicht wieder loswerden dürfte.

Die Partner (Autoindustrie, Politik) drängen auf Klärung, denn mit Abstreiten und Aussitzen ist in diesem Fall nichts gelöst. Im Gegenteil, jede weitere Enthüllung, jeder weitere Verdachtsfall einer Manipulation schadet nicht nur dem Club, sondern auch der Industrie.

Neuanfang ist angesagt. Schön wäre es, wenn der ADAC mal erklären würde, wie denn die hausinternen Kommunikationsstrukturen angelegt sind. Ist es wirklich so, dass die Geschäftsführung nichts, aber wirklich nichts, von den Manipulationen gewusst hat, gewusst haben kann? Nichts gegen Delegieren und alles gegen Micromanagement, aber hat keiner von der Geschäftsführung dem ADAC-Kommunikationschef mal ein-zwei Fragen gestellt zu einem immerhin sehr wichtigen Projekt des Clubs?

Die Vereinsführung hat klar versagt und kann nicht alle Schuld auf Ramstetter abwälzen. Nun bot dieser aufgrund seines Verhaltens gegenüber Mitarbeitern und Presse reichlich Angriffsflächen. Die SZ („Majestät haben betrogen“), Meedia und das PR-Journal hatten einiges über Ramstetter geschrieben, wenig Schmeichelhaftes. In einer sehr lesenswerten Analyse der „Freund-Feind-Mentalität“ im ADAC fordert die SZ von der Führung des Clubs zu Recht „ehrliche Selbstkritik“ – und eine „moderne, auf Mitsprache ausgerichtete Mitarbeiterpolitik“.

Was tun? Immerhin hat jede Krise ihr Gutes. Die Ramstetter-Zahlen hatten ja schon eine gewisse Aussagekraft. Wenn von 18 Millionen (potenziellen) Lesern nur wenige Tausend abstimmen, dann ist das etwas wenig. Das mag sich Ramstetter auch gedacht haben und hat dann mal etwas draufgelegt. Aber es gibt immer mehrere Optionen im Leben. Die Zahlen sagen aus, dass es mit der Leser-Blatt-Bindung der Motorwelt nicht weit her ist. Und damit zu einem guten Teil auch mit der inhaltlichen Arbeit des Clubs, denn es geht hier um mehr als um Design oder angehübschte Texte. Hier muss der ADAC nachbessern. Die Krise bietet die Chance, bestehende Glaubenssätze zu überprüfen und endlich zeitgemäße Inhalte zu bringen. Die Frage ist, ob das mit der jetzigen Geschäftsführung zu machen ist. Die müsste dann schon mal öfter genau hinschauen.