Fast 60 Prozent der Young Professionals wollen den Job wechseln.

59 Prozent der Young Professionals planen, in den kommenden zwei Jahren ihren Job zu wechseln. BMW steht auf ihrer Arbeitgeber-Wunschliste ganz oben. Insgesamt befinden sich fünf Automobilhersteller in den Top 12 der beliebtesten Arbeitgeber junger Berufstätiger – so viele wie noch nie. Auch die Wirtschaftsberatungen McKinsey (von Rang 8 auf 6) und BCG (von Rang 10 auf 8) legen zu. Das ist das Ergebnis des Young Professional Barometers, der größten Young-Professional-Studie Deutschlands, die das trendence Institut unter rund 7.200 jungen Berufstätigen durchführt.

dm ist höchster Neueinsteiger

Der dm-Drogeriemarkt gehört erstmals zu den beliebtesten Arbeitgebern der Young Professionals und steigt neu in das trendence-Ranking ein auf Rang 31. Das Unternehmen ist damit der attraktivste Arbeitgeber im Filialhandel vor IKEA (Rang 54), Tchibo (Rang 81), ALDI SÜD und REWE (beide Rang 94). „dm steht bei den jungen Berufstätigen besonders für soziale und ökologische Verantwortung, gelebte Wertschätzung und Kollegialität, aber auch für Chancengleichheit. Das macht das Unternehmen vor allem für Frauen als Arbeitgeber attraktiv“, erklärt trendence-Geschäftsführer Holger Koch das positive Ergebnis.

Konsumgüter- und Pharmabranche verlieren an Beliebtheit

Zu den größten Absteigern im Ranking zählen in diesem Jahr die GIZ (-1,8 Prozent), Siemens sowie Novartis (beide -1,0 Prozent). Fast alle Pharmaunternehmen verlieren Plätze auf der Beliebtheitsskala. Aber auch Konsumgüterhersteller und Medienhäuser werden als Arbeitgeber unbeliebter bei den jungen Arbeitnehmern.

Selbstbewusste Young Professionals wollen Arbeitgeber wechseln

Die Young Professionals von heute sind selbstbewusst: 92,9 Prozent schätzen ihren Marktwert als sehr gut oder gut ein und rechnen damit, innerhalb kurzer Zeit einen gutbezahlten neuen Job zu finden. Aktuell ist nach eigenen Angaben mehr als ein Viertel der jungen Berufstätigen aktiv auf Jobsuche. 59 Prozent wollen innerhalb der kommenden zwei Jahre ihren Job wechseln. Die Gründe: Sie wollen mehr Gehalt (49,6 Prozent), haben Lust etwas Neues auszuprobieren (48,1 Prozent) oder vermissen Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten (44,7 Prozent) bei ihrem aktuellen Arbeitgeber.

Bewerbermanagement mangelhaft

Arbeitgeber sind zwar aktiv bei der Direktansprache neuer Talente: 57 Prozent der Young Professionals wurden in den vergangenen zwölf Monaten bereits von Unternehmen mit einem Jobangebot angesprochen. Aber die Bewerbungsprozesse sind zum Teil noch mangelhaft: Die Rückmeldung auf Bewerbungen dauert häufig zu lang. Ein Drittel der Young Professionals hat aus diesem Grund bereits Einladungen zu Vorstellungsgesprächen abgelehnt.

Weitere Ergebnisse (laut Grafik)
  • Young Professionals suchen sich ihre Arbeitgeber nach attraktiven Arbeitsaufgaben, Entwicklungsmöglichkeiten, Wertschätzung und Kollegialität im Unternehmen aus.
  • 60 Prozent würden auch eine Stelle im Ausland annehmen
  • 57 Prozent der Befragten bekamen in den letzten zwölf Monaten von anderen Unternehmen ein Jobangebot unterbreitet.
  • 26 Prozent der Young Professionals halten eine besondere Förderung des beruflichen Werdegangs von Frauen für überflüssig, 51 Prozent eine Frauenquote.
Über das trendence Young Professional Barometer
  • Deutschlands größte Young-Professional-Studie mit rund 7.200 Befragten
  • Studienteilnehmer: überdurchschnittlich qualifizierte Young Professionals aller Fachrichtungen mit 1-8 Jahren Berufserfahrung
  • wird seit 2009 jährlich als Barometerstudie durchgeführt
  • Erhebungszeitraum: Mai bis Juli 2014

Mein Kommentar: Die Zahlen überrraschen mich nicht. Was ich allerdings erstaunlich finde, ist die Relevanz des Gehalts als Wechselgrund. Diese ist erfahrungsgemäß bei Ökonomen höher als bei Ingenieuren, siehe auch meine Meldung zum Universum-Ranking.  Das Gehalt ist in seltenen Fällen der wichtigste Grund für einen Wechsel. Wichtiger sind allemal das Arbeitsumfeld sowie oft auch die Personalführung und der wertschätzende oder auch nicht-wertschätzende Umgang miteinander. Das Gehalt, sofern es denn auskömmlich ist, kann normalerweise eher Herzbergs Hygienefaktoren zugerechnet werden.

Die Aussagen in der Grafik halte ich deshalb für wichtiger, um die Wünsche der Young Professionals richtig beurteilen zu können, als die in der Pressemitteilung von trendence. Deshalb habe ich diese Aussagen auch unter „weitere Ergebnisse“ gesondert aufgelistet. Den allermeisten Young Professionals sind attraktive Arbeitsaufgaben, Entwicklungsmöglichkeiten, Wertschätzung und Kollegialität im Unternehmen wichtig.

57 Prozent der Befragten bekamen in den letzten zwölf Monaten von anderen Unternehmen ein Jobangebot unterbreitet? Wenn man das als Unternehmer liest, dann sollten die Alarmglocken angehen. Das scheint nicht der Fall, sonst würden die meisten Unternehmen eine Employer Branding-Kampagne fahren, neue Führungskonzepte einführen und Personalbindungsprogramme auflegen. Das tun auch gar nicht so wenige Unternehmen, doch die große Masse scheint noch abzuwarten.

Update: Ich habe bei trendence nachgefragt. Die oben erwähnten Aussagen in Sachen Gehalt lassen sich wie folgt erklären, so Annekatrin Buhl von trendence:

„Faktoren wie attraktive Arbeitsaufgaben, Entwicklungsmöglichkeiten, Kollegialität und Wertschätzung sind diejenigen, die die Wunschliste der Young Professionals anführen. Ein hohes Gehalt spielt auch eine Rolle, aber nicht in dem Maße wie andere Faktoren.“

„Am unzufriedensten sind die Young Professionals bei ihrem jetzigen Arbeitgeber mit dem Gehalt, es folgen die Karriereperspektiven, aber auch der Führungsstil.“

„Bei denen, die darüber nachdenken, ihren Job zu wechseln oder bereits gewechselt haben … liegen das Gehalt, die Lust etwas Neues auszuprobieren und die mangelnden Karriere- und Entwicklungsmöglichkeiten ganz oben. Das deckt sich also mit den Faktoren, bei denen die Young Professionals besonders unzufrieden sind.“

„Das Gehalt ist also nicht unbedingt der Faktor, der bei der Wahl des Arbeitgebers die wichtigste Rolle spielt, aber ein hohes Frustrationspotenzial hat, wenn es nicht ganz den Erwartungen entspricht.“

Also alles gut. Gehalt ist ein Hygienefaktor, wie angesprochen. Wer sich schlecht bezahlt fühlt, für den ist natürlich das Gehalt wichtig. Ansonsten wäre ich vorsichtig mit finanziellen Zuwendungen als Motivationsfaktoren. Da gibt es Besseres.

Trendence_Young_Professionals