Kommentar zur StepStone-Studie: Berufsanfänger sehen gute Karrierechancen.

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Dr. Sebastian Dettmers

In Deutschland sind Berufsanfänger mit akademischem Hintergrund im Hinblick auf ihre Jobchancen äußerst positiv eingestellt. Fast zwei Drittel sehen für sich gute Aussichten auf dem Arbeitsmarkt. Das fand die Online-Jobbörse StepStone in einer gemeinsamen Studie mit dem Marktforschungsinstitut TNS Infratest heraus.

Wie können Unternehmen eine hohe Motivation der Berufsanfänger unterstützen und erhalten? Dies gelingt vor allem mit spannenden Arbeitsinhalten und einer guten Atmosphäre im Team, so das Ergebnis einer früheren StepStone-Umfrage. Ein attraktives Gehalt allein bindet dagegen nur eine Minderheit der Fachkräfte an ihren Arbeitgeber.

Berufseinsteiger wünschen sich in erster Linie von ihrem Job, dass er Spaß macht, sie fordert und ihnen Möglichkeiten bietet, sich weiterzuentwickeln. 45 Prozent der von TNS Infratest befragten 215 Berufseinsteiger haben hohe Ansprüche an den Job und lediglich 18 Prozent gaben an, dass für sie das Geldverdienen im Vordergrund steht. „Die hohe Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt ist den Studierenden entsprechender Fachrichtungen bewusst“, kommentiert Dr. Sebastian Dettmers, Geschäftsführer von StepStone Deutschland. „Damit steigt der Stellenwert einer effizienten Recruiting-Strategie unter Einbeziehung digitaler Medien.“

Soweit die Pressemitteilung von StepStone, die ich hier leicht gekürzt und etwas verändert wiedergebe.

Und jetzt ein (nicht mehr ganz so) kurzer Kommentar dazu: Die Erkenntnisse von StepStone sind nicht neu. Studien zu der Frage, wie die Generation Y arbeiten will, präsentieren seit Jahren ähnliche Ergebnisse. Jetzt sind die Unternehmen gefragt, diese Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen. Stimmt, diese hinken mit ihrem Recruiting hinterher. Das hat Sebastian Dettmers so nicht gesagt, aber es ist der Fall.

Auch das Employer Branding als Basis des Personalmarketings und Recruitings hat sich selbst in großen Beratungsunternehmen nicht konsequent an den hinlänglich bekannten Erkenntnissen ausgerichtet.

Gelegentlich höre ich das Argument, dass man sich nicht ständig an den sich kontinuierlich wandelnden Interessen der Bewerber orientieren müsse. Das trifft leider nur bedingt zu. Ja, eine Brand muss Kontinuität zeigen, sonst wäre sie keine Brand. Aber: „Die Markenwerte sind auf die Interessen der Zielgruppen zugeschnitten. Denn wir finden Marken gut, deren Werte wir teilen.“ So meine Ausführungen in Seminarunterlagen zu den Grundlagen des Brandings. Auf die Interessen der Zielgruppen zugeschnitten – warum sollte dies nicht für Employer Brands ebenso gelten?

Einen ganz hervorragenden Beitrag zur Zukunft der Arbeitswelt in Zeiten der Generation Y hatte unlängst Marcus Reif in seinem Blog geschrieben. Unbedingt lesen!

Er stellt die Frage, was Trend sei. Seine Antwort: „Kultur steht mit Sicherheit an Nr. 1 der Prioritätenlisten.“  Hier geht es auch um das Thema „Führung“, so Marcus Reif. Die Stichworte lauten: starre „Hierarchien vs. Demokratisierung der Führung“ und „demokratisch gewählte Chefs“. Das war auf der letzten PERSONAL NORD in Hamburg nicht wirklich ein Thema, so zumindest mein Eindruck. Zumindest gab es beim Vortrag von Marc Stoffel, CEO von Haufe Umantis, große Augen unter den anwesenden Personalern. Stoffel ist durch die Belegschaft gewählt – und kann abgewählt werden.

Marcus Reif schreibt denn auch, dass wir mit demokratisch gewählten Chefs in den nächsten zehn Jahren nicht zu rechnen brauchen. Wohl aber mit zunehmender Teilhabe der Mitarbeiter am Erfolg des Unternehmens. Darüber hatte ich zuletzt im Zusammenhang mit Andree Antosch geschrieben, der als Malermeister seine Mitarbeiter zu Mitunternehmern gemacht hat.

Stichwort „Kultur“: Mit dem Thema „Unternehmenswerte und -kultur als nächstes großes Ding in Recruiting und Employer Branding“ hatte sich Jo Diercks vor einigen Tagen im Recrutainment-Blog kritisch befasst. Er schreibt: „Wenn es eines gibt, das die Generationen Y und Z bei aller Unterschiedlichkeit und Heterogenität wirklich ausmacht und eint, dann ist es der Wunsch nach Transparenz.“ Von dieser Transparenz im Hinblick auf ihre Werte sind viele Unternehmen noch weit entfernt. Was sie tun könnten, das zeigt Jo Diercks in seinem exzellenten Beitrag auf.

Die Meldung von StepStone hatte ich auch im PR-Journal veröffentlicht.

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