Nur 25 Prozent der Deutschen betrachten ihren Job als Karriere. Warum wohl?

Nur 25 Prozent der Deutschen betrachten ihren Job als Karriere. Warum wohl?

Über 74 Prozent der Deutschen sehen ihren Job nur als Job an, nicht aber als Karriere. Dies ist das Ergebnis einer internationalen Umfrage von Monster.de und der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) unter 8.000 Arbeitnehmern. Bevor Sie jetzt als Unternehmer oder HR-Experte mit dem bekannten Lamento über die hohen Ansprüche der Generation Y anfangen, sollten Sie kurz überlegen. Hatte Ihnen der Gallup Engagement Index nicht seit Jahren verraten, dass die Motivation in den Unternehmen nicht die beste ist? Hatten Sie einmal überlegt, woran das liegen mag, dass sich viele Mitarbeiter nicht mehr an den Job und das Unternehmen gebunden fühlen? Unter anderem vielleicht daran (ich zitiere hier einen früheren Blogbeitrag):

„…Oft genug hatten die Unternehmen unbegrenzte Loyalität eingefordert, ohne diese selber zu garantieren. Gerade die Eltern der Generation Y hatten in dieser Hinsicht ihre Erfahrungen gemacht. Wer so handelt, der landet langfristig auf dem zweiten Platz der Bewerber und Mitarbeiter. Den ersten Platz belegen die persönlichen Ziele der Bewerber, die ihr Leben nicht mehr vorrangig durch den Job bestimmt sehen wollen…“

Jobs für das ganze Leben gibt es nicht, diese Botschaft ist angekommen und hat Folgen. Der Wertewandel bei der Generation Y ist dadurch zu erklären, aber auch durch die umfassende Fürsorge durch die „Helikopter-Eltern“. Hier wurden Ansprüche und Erwartungen an ein Leben geweckt, das sich in erster Linie nicht auf das Berufliche konzentriert.

Könnte der fehlende Karrierewunsch auch daran liegen, dass ein Job nicht mehr zum Leben ausreicht? „Mehr als 90 Prozent der Geringverdiener würden ihre Anstellung nur als Job beschreiben“, so die Aussage in der Pressemitteilung von Monster.de und GfK. Bernd Kraft, Vice President General Manager CE bei Monster Deutschland, bewertet die Ergebnisse wie folgt: „Die Arbeitswelt hat sich verändert. Heutzutage haben die meisten Berufstätigen nicht nur mehrere Jobs, sondern schlagen möglicherweise auch verschiedene Karriererichtungen ein. Es gibt dabei keinen richtigen oder falschen Berufsweg…“

Entlohnung und Gehalt sind laut Herzberg Hygienefaktoren, welche (so Wikipedia) „…bei positiver Ausprägung die Entstehung von Unzufriedenheit verhindern, aber nicht zur Zufriedenheit beitragen beziehungsweise diese erzeugen…“ Stimmen Lohn und Gehalt nicht und kommen dann noch miserable Motivatoren dazu, dann ist das Ergebnis halt so, wie es sich jetzt darstellt. Und das ist in Deutschland bedenklich.

Die Umfrage zeigte, wie sich die Teilnehmer aus sieben Ländern in ihrer Einstellung zu ihrer derzeitigen Arbeitsstelle unterscheiden. So gaben französische Arbeitnehmer am häufigsten an, ihre Tätigkeit als Karriere anzusehen. Im Gegensatz dazu belegen die Deutschen im Ranking den letzten Platz:

  1. Frankreich (70 Prozent)
  2. Kanada (69 Prozent)
  3. USA (57 Prozent)
  4. Großbritannien (43 Prozent)
  5. Indien (43 Prozent)
  6. Niederlande (38 Prozent)
  7. Deutschland (25 Prozent)