„Azubi-Recruiting Trends 2015“ – Papierbewerbungen bevorzugt?

Die Studie „Azubi-Recruiting Trends 2015“ bringt einige überraschende Ergebnisse. So wollen sich die Digital Natives vorrangig per Papierbewerbung bei den Unternehmen vorstellen. Eine gute Nachricht für viele Unternehmen: Die zukünftigen Azubis werden mobiler als bisher. Für die von Professor Daniela Eisele (HSBA Hamburg School of Business Administration) wissenschaftlich begleitete Untersuchung hatte u-form Testsysteme 2.227 Azubis, Schüler und Ausbildungsverantwortliche befragt.

Starker Einfluss der Eltern bei der Berufswahl

51 Prozent der teilnehmenden Schüler und Azubis bestätigen den „starken“ oder „sehr starken“ Einfluss der Eltern auf die Berufswahl, bei der Wahl des Ausbildungsbetriebs sind es noch 41 Prozent. Allerdings nehmen auch 52 Prozent der Eltern Einfluss im Rahmen des Bewerbungsprozesses.
Ausbildungsverantwortliche berichten im Rahmen der Studie auf der einen Seite von überfürsorglichen Eltern, die ihre Sprösslinge bei allen Bewerbungsschritten an die Hand nehmen. Auf der anderen Seite werden viele Azubi-Bewerber allein gelassen. „In den meisten Fällen gibt es nur die Extreme – entweder kümmern die Eltern sich sehr und begleiten ihre Kinder sogar zum Vorstellungsgespräch, oder sie kümmern sich gar nicht, was zum Beispiel die Bewerbungen zeigen“, schreibt ein Ausbildungsverantwortlicher.

Papierbewerbung bevorzugt

Der Blick auf die Präferenzen der Azubis hinsichtlich der Bewerbungsformen fördert Überraschendes zutage. Der mit Abstand beliebteste Weg ist die Papierbewerbung, sie gilt als seriös und lässt aus Sicht der Zielgruppe besonders viel Raum für die Darstellung der Persönlichkeit. Rund 71 Prozent der befragten Schüler und Azubis bewerben sich deshalb „gerne“ oder „sehr gerne“ traditionell mit Mappe und Anschreiben. Allerdings sprachen sich auch 61 Prozent für eine Bewerbung per E-Mail und 51 Prozent für Online-Bewerbungen aus. Bei mobilen Bewerbungen liegt die Zustimmung nur noch bei 18 Prozent. „Wer mit dem Handy eine Bewerbung schreibt, hat auch keine Lust auf Arbeiten“, so ein Azubi-Teilnehmer. Dies sehen bekanntermaßen nicht wenige Personaler ähnlich.

Schwindende Aussagekraft von Schulnoten

Im Hinblick auf die Aussagekraft von Schulnoten für die Auswahl von Azubis zeigen sich die Ausbildungsverantwortlichen skeptisch. Der Großteil der Ausbildungsverantwortlichen schätzt die Aussagekraft von Schulnoten zur Vorhersage des Ausbildungserfolgs als mittel (51 Prozent) oder gering (14 Prozent) ein.

Erfüllung im Beruf

Für knapp 57 Prozent der Azubis ist Spaß bei der Arbeit wichtig. Sie streben nach Erfüllung im Beruf. 21 Prozent wollen sich privat selbstverwirklichen. Die Arbeit soll es ermöglichen, die privaten Bedürfnisse zu erfüllen. 22 Prozent wiederum arbeiten, um im Job etwas zu erreichen. Auch wenn der Spaß dabei zurückstehen müsste.

Azubis werden mobiler

Bisher galt für Azubis, dass längere Fahrten zum Ausbildungsplatz oder gar ein Umzug keine Optionen waren. Laut der u-form-Studie scheint sich hier ein Umdenken abzuzeichnen. 28 Prozent der Azubis würden für den Ausbildungsplatz umziehen. 35 Prozent würden längere Fahrtzeiten in Kauf nehmen. 30 Prozent hingegen würden nur innerhalb der Stadt zum Job fahren. Sieben Prozent sind streng an ihre nahe Umgebung gebunden. Von den Unternehmen rekrutieren nur insgesamt 29 Prozent deutschlandweit oder gar international. Hier ist also Potenzial, das Unternehmen nutzen könnten. Keine Antwort allerdings gibt es auf die Frage, welche Unternehmen dies tun könnten.

Von den befragten Azubis hatten nur etwas mehr als vier Prozent einen Ausbildungsplatz im Handwerk angestrebt. Der „Rest“ waren Azubis in Industrieunternehmen und Behörden sowie bei Dienstleistern. Hier dürfte die Mobilitätsbereitschaft größer als bei den potenziellen Handwerks-Azubis sein.

Welche Maßnahmen Azubis während der Ausbildung gut finden

Die Möglichkeit zum Erwerb von Zusatzqualifikationen und die zur Verkürzung der Ausbildungszeit bei guten Leistungen zählen ebenso dazu wie Auslandsaufenthalte und besondere Anreize der Unternehmen für die besten Azubis. Gerade die Gewichtung der Auslandsaufenthalte wundert mich etwas. Hatten doch Unternehmen zunehmend mit der deutlich geminderten Bereitschaft der jungen Mitarbeiter zu kämpfen, für den Job ins Ausland zu gehen. Allerdings geht es in dieser Studie um Azubis – und damit um befristete und eher kurze Aufenthalte.

Azubis schon vor Ausbildungsantritt an das Unternehmen binden

Welche Maßnahmen würden Azubis gut finden, um in dem oft längeren Zeitraum zwischen Unterzeichnung des Ausbildungsvertrags und Antritt der Ausbildung Kontakt zum Unternehmen zu halten? Dieses Thema wird in Studien selten abgefragt. Ich sehe hier großen Nachholbedarf und dies nicht nur bei Azubis. Auch Frauen, die zeitweilig im Job aussetzen, haben ähnliche Interessen wie die zukünftigen Azubis. Sie wollen sich zugehörig fühlen.

Veranstaltungen für neue Azubis, wie etwa einen Kennenlerntreff, finden 86 Prozent gut. 67 Prozent würden sich Einladungen zu Veranstaltungen des Unternehmens wünschen. Über die Zusendung der Mitarbeiterzeitschrift würden sich 42 Prozent freuen. Patenschaften und Mentoring befürworten knapp 39 Prozent. Informationen im Intranet und anderen unternehmenseigenen Medien finden nur 28 Prozent wichtig. Es geht also um den persönlichen Kontakt, um Gespräche, um das gegenseitige Beschnuppern. Und das lässt sich durch das Intranet nicht sehr gut ersetzen.

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