Mindestentgelt: PR-Agenturen in der Gehaltsfalle

Die schlechte Botschaft vorab: So werden die GPRA-Agenturen keine motivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen, PR-Absolventen schon einmal gar nicht. Mit den am 10. Dezember veröffentlichten Mindeststandards für Trainees und einer Mindestvergütung von 1.600 Euro im Monat hat die Gesellschaft Public Relations Agenturen (GPRA)* einen der Grundsätze im Personalmanagement missachtet. Dieser lautet: Das Gehalt muss als angemessen empfunden werden. Was angemessen ist, das beurteilen nicht die Arbeitgeber, in diesem Fall die Agenturen oder der Verband, sondern die Bewerber.

Deren Reaktion war ausgesprochen deutlich. Schon am 11. Dezember veröffentlichten die Studierendeninitiativen campus relations e.V. (Münster), kommoguntia e.V. (Mainz), LPRS e.V. (Leipzig) und PRSH e.V. (Hannover) eine Stellungnahme, die es in sich hat. Zitat: „Allerdings kritisieren wir insbesondere Dauer der Ausbildung und die Höhe der Vergütung, die wir auf eine fehlende Differenzierung unterschiedlicher Ausbildungshintergründe zurückführen.“ An anderer Stelle ist die Rede von „die Leistung wertschätzen„.

Warum ist das Gehalt so wichtig?

Warum ist das Gehalt so wichtig, wann spielt es eine Rolle und wann eher nicht? Es gibt viele Studien zu den Fragen, was Bewerber bei einem Arbeitgeber schätzen, warum Mitarbeiter bei einem Unternehmen bleiben und warum sie gehen. In manchen Studien belegt der Gehaltswunsch eine Spitzenposition, in anderen eher nicht. These: Für Bewerber und Jobsucher ist ein angemessenes Gehalt eines der entscheidenden Argumente für einen Arbeitgeber. Für Mitarbeiter hingegen rückt das Gehalt nur dann in den Vordergrund, wenn es als unzureichend empfunden wird.

Die StepStone Trendstudie 2015 bringt Licht in das Verwirrspiel. Für 84 Prozent der befragten 17.000 Fachkräfte mit Berufserfahrung ist das Gehalt an einem Job wichtig. Das ist kein Spitzenplatz, weiche Faktoren wie ein harmonisches Arbeitsumfeld und spannende Arbeitsinhalte sind höher platziert. Wohlgemerkt, hier antworten Mitarbeiter von Unternehmen, nicht aber Bewerber und Jobsucher. Diese sehen das Thema „Gehalt“ ganz anders. Wozu hätten Kandidaten gerne in Stellenanzeigen mehr Informationen, fragte StepStone. Mit 64 Prozent steht der Wunsch nach Gehaltsangaben an erster Stelle.

Das Gehalt kann schnell zum entscheidenden Argument für oder gegen einen Arbeitgeber werden. Der Gehaltswunsch ist ein sogenannter „Hygienefaktor“ nach Herzberg. Sprich: Gehalt ist nicht alles – aber ohne (ausreichendes) Gehalt ist alles andere nichts. Wird das Gehalt als branchenüblich und angemessen empfunden, dann zählen die weichen Faktoren stärker.

Flauschige Arbeitgeberkommunikation allein reicht nicht

Und noch eine bittere Wahrheit, diesmal zur Arbeitgeberkommunikation der Agenturen: Guter Kaffee, knackiges Obst, Pflanzen im Büro oder tolle Büromöbel sind nette Benefits für die Bewerber, mehr aber auch nicht. Wenn das Gehalt als zu gering wahrgenommen wird, dann können sich die Agenturen die Werbung mit einer flauschig-innovativen Atmosphäre und Latte Macchiato & Schoki am Arbeitsplatz sparen. Am 11. Dezember hatte ich über das Thema „Everybody’s Darling in der Arbeitgeberkommunikation“ geschrieben. Hier spielen die kleinen Benefits und die wirklich wichtigen Dinge eine Rolle.

Wertschätzung ist gefragt

Die Studierendeninitiativen fordern, dass die Agenturen die Leistungen der PR-Absolventen wertschätzen. Dies solle sich auch im Gehalt widerspiegeln. Das ist aus meiner Sicht ein äußerst wichtiges Stichwort. Wertschätzung – in der Personalführung geht es um genau das. In der Arbeitgeberkommunikation auch. Denn wer möchte schon in einem Unternehmen arbeiten, wo die Leistungen der Mitarbeiter nicht wertgeschätzt werden? Dieser Vorwurf der Studierendeninitiativen ist gravierend und die GPRA sollte sich damit auseinander setzen. Über das Thema „Wertschätzung“ hatte ich ebenfalls vor einiger Zeit in meinem Blog geschrieben.

Die GPRA hat den Agenturen mit der Mindestvergütung keinen Gefallen getan. Hier sollte der Verband ganz schnell nachbessern.

*In der GPRA sind viele der führenden deutschen PR-Agenturen vertreten.

Dieser Kommentar ist auch im PR-Journal erschienen.