#varoufake: Der Finger des Finanzministers und das große Medienkino

Schon lange haben mich die deutschen Medien nicht mehr so gut unterhalten wie gestern.  Diese Empörung, dieses Aufplustern in den letzten Tagen über den griechischen Finanzminister und dessen gegen Deutschland gerichtete Geste – und dann kam #varoufake. Der Beitrag von Jan Böhmermann in „Neo Magazin Royale“ über den Finger des Yanis Varoufakis stürzte so manches führende Medium in hektische Betriebsamkeit und sorgte für reichlich dünnhäutige Reaktionen.

Per Facebook und einem dort am 18. März von Jan Böhmermann vorab veröffentlichten Ausschnitt aus der Sendung nahm das Medien-Desaster seinen Lauf.

Lieber Günther Jauch, liebe ARD, liebe Bild-Redaktion…

Und jetzt einfach zurücklehnen und die Show genießen:

“Lieber Günther Jauch, liebe ARD, liebe Bild-Redaktion, einmal bitte tief durchatmen, vielleicht nehmen Sie sich einen Stuhl, setzen sich hin, Sie müssen jetzt ganz, ganz stark sein…”

Ein Fake oder sogar ein #varoufakefake?

Am besten noch einmal das Ganze ansehen, die Details ganz in Ruhe erfassen, und dem -zugegeben- breiten schadenfrohen Grinsen Zeit und Raum geben. Denn es ist ungefähr vorstellbar, was nach diesem Beitrag in so mancher Redaktion passierte. Freuen wir uns über die bange Frage bei Jauch und Bild: Haben wir etwa die Quellen nicht richtig geprüft? Sind wir einem Fake aufgesessen? Oder war es ein #varoufakefake? Das kann nicht sein, das darf nicht sein.

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Derweil bedankte sich Yanis Varoufakis per Twitter bei Jan Böhmermann für die Rückendeckung. Dieser Tweet und der „Sorry @yanisvaroufakis“-Tweet von Böhmermann werden in die Social Media-Geschichte eingehen. Ganz großes Kino.

Die lügen alle, da mach ich nicht mehr mit

Unmut schaffte sich Raum, hier möglicherweise der Lächerlichkeit preisgegeben worden zu sein. Besonders groß schien die Empörung bei einem Herrn zu sein, dessen Medium sich kompromisslos der Wahrheit verschrieben hat  😉 stets für große Auftritte gut ist. Böhmermanns „Enthüllung“ passte hier definitiv nicht ins Konzept, Kritik am geliebten Blatt erst recht nicht.

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Vorsicht, diese Sendung kann Satire enthalten!

Dann erklärte das ZDF per Twitter-Triggerwarnung, dass Neo Magazin Royal wahrhaftig „Satire“ sei. Die Stimmung bei den Leitmedien hob sich. Aufatmen, alles wird gut.

ZDF_VaroufakeDie Zugabe von Böhmermann mit der Erklärung „unser Video ist zu 100 Prozent echt“ per YouTube-Video war dann allerdings wenig geeignet, den Tag für die Betroffenen zu retten.

Alles in allem war das gestern ein ausgesprochen runder Tag, zu dem viele Menschen zum Teil auch sehr spontan beigetragen haben. Mein besonderer Dank geht an Günther Jauch und Kai Diekmann, an Meedia.de und Stefan Niggemeier für die Berichterstattung und Kommentare und ganz besonders an Jan Böhmermann und sein Team. Mehr davon!