trendence Schülerbarometer: Polizei bleibt beliebtester Arbeitgeber

Die Polizei bleibt der Wunscharbeitgeber Nummer eins der deutschen Schüler. Der öffentliche Dienst und karitative Organisationen werden insgesamt beliebter als Arbeitgeber. „Ein Grund dafür ist die hohe Zahl an Geflüchteten in Deutschland“, so trendence-Geschäftsführer Holger Koch. „Die Schüler wollen anderen Menschen helfen, gleichzeitig steigt der Bedarf an neuen Mitarbeitern gerade bei Polizei und karitativen Einrichtungen enorm und verspricht sichere Jobs und erfüllende Aufgaben.“

Allerdings befürchtet jeder fünfte Schüler, durch die Geflüchteten schwerer einen Ausbildungsplatz zu finden. Zu diesem Ergebnis kommt das trendence Schülerbarometer, die größte Schülerkarrierestudie in Deutschland mit rund 17.000 befragten Schülerinnen und Schülern.

Arbeitgeber mit starken Produktmarken haben es im Recruiting einfacher

Neben der eigenen Hilfsbereitschaft bestimmt das Markenbewusstsein der Schüler ihre Arbeitgeberwahl. Mit adidas und BMW gehören zwei bekannte Produktmarken zu den Top 3 der beliebtesten Arbeitgeber der Schüler. „Starke Produktmarken haben einen wesentlichen Vorteil: Die Schüler kennen sie. So können sie sich etwas unter der Arbeit vorstellen und sehen, woran sie aktiv mitwirken können“, erklärt Holger Koch das Phänomen. „Arbeitgeber ohne bekannte Produkte müssen viel stärker für eine Ausbildung bei sich im Unternehmen werben, zum Beispiel im Internet, an Schulen oder auf Jugendmessen.“

Textilhandel verliert Bewerber

Eine klassische Ausbildungsbranche verliert hingegen in der Gunst der Bewerber. Die Handelsunternehmen, allen voran die Textilhändler, können trotz bekannter Marken in diesem Jahr weniger Bewerber von sich überzeugen. Ihr Ausbildungsmarketing kommt bei den Schülern nicht mehr so gut an wie noch 2015. Das hat zur Folge, dass unter anderem H&M, Hugo Boss und Primark auf der Beliebtheitsskala der Schüler sinken.

Bankenjobs werden Schülern fremd

Auch die Banken verlieren im Ranking der beliebtesten Arbeitgeber. Das immer dünner werdende Filialnetz führt dazu, dass Banken zunehmend aus der Lebenswelt der Schüler verschwinden und sie sich nur noch schwer vorstellen können, welchen Jobs sie in einer Bank nachgehen könnten. Die Sparkassen-Finanzgruppe, die Deutsche Bank, die Deutsche Bundesbank und die Commerzbank fallen im Ranking der Wunscharbeitgeber. Die Volksbanken Raiffeisenbanken hingegen schaffen es, den Schülern den Job in einer Bank näher zu bringen und sie besser als im Vorjahr von sich zu überzeugen.

Mangelhafte Berufsorientierung durch Arbeitgeber an Schulen

Die ersten Schritte bei der Berufsorientierung machen Schüler in der Schule. Arbeitgeber haben das erkannt und stellen sich den Schülern immer häufiger im Unterricht oder auf Schulveranstaltungen vor. Aber nicht einmal die Hälfte der Schüler findet diese Vorstellungen nützlich. Sie bemängeln vor allem die unpassenden und wenig relevanten Themen. Sie wollen lieber typische Aufgaben aus dem Ausbildungsalltag ausprobieren und von aktuellen Azubis Informationen über die Ausbildung erhalten statt von Ausbildungsleitern. „Die Unternehmen haben richtig erkannt, dass sie über die Schulen gut an künftige Auszubildende herankommen, aber den richtigen Modus haben viele von ihnen noch nicht gefunden“, so Holger Koch.

Fehler der Unternehmen im Bewerbungsprozess

Die meisten Schüler, die sich auf einen Ausbildungsplatz bewerben, sind zufrieden mit dem Ablauf des Bewerbungsprozesses. Unternehmen überzeugen mit netten Ansprechpartnern und einer lockeren Atmosphäre im Bewerbungsgespräch. Ein Viertel der Bewerber hat jedoch schlechte Erfahrungen gemacht. Sie bemängeln, dass Arbeitgeber Absagen nicht begründen und gar nicht oder nur verspätet auf Bewerbungen reagieren. „Ein schlecht organisiertes Bewerbungsverfahren kann sich doppelt rächen“, warnt Holger Koch. „Der Erfahrungsaustausch untereinander ist für Schüler sehr wichtig. Ein verlorener Schüler zieht gleich mehrere Schüler nach sich, die sich gar nicht erst bewerben.“

Soweit die Pressemitteilung von trendence. Hier mein Kommentar dazu:

„Die Erkenntnisse von trendence sind nicht neu. Schüler wollen von echten, authentischen Azubis Infos über die Ausbildung erhalten. Das scheint so selbstverständlich, dass man sich wundern mag, warum Unternehmen das nicht tun. Allerdings legen auch alle Bewerber, ob Azubis oder Fachkräfte, Wert darauf, ihre zukünftigen Vorgesetzten kennen zu lernen. Deshalb ist es auch nicht falsch, die Ausbildungsleiter mit in die Schulen zu schicken. Und grundsätzlich sind Auftritte in Schulen schon ein guter Weg, um das Unternehmen oder eine Branche bekannter zu machen.

Schüler wollen in den öffentlichen Dienst, aufgrund der „hohen Zahl an Geflüchteten“ – und weil sie diesen helfen wollen. Davon bin ich nicht so ganz überzeugt. Schüler wollten schon zuvor in den öffentlichen Dienst, unter anderem aufgrund der Erfahrungen der Finanzkrise ab 2007. Siehe dazu eine Meldung hier im Blog vom April 2013. Nicht Hilfsbereitschaft, sondern ein ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis war das Motiv. Gibt es zu der Hilfsbereitschaft der Schüler belastbare Erkenntnisse aus der Studie? Das wäre spannend.

Das Markenbewusstsein bestimmt die Arbeitgeberwahl der Schüler. So war es schon immer. Corporate und Product Brands schlagen die Employer Brand. Das hat Vor- und Nachteile für diese Unternehmen. Die Schlussfolgerung von trendence finde ich gut, es fehlt aber aus meiner Sicht ein wichtiger Schritt: „Arbeitgeber ohne bekannte Produkte müssen viel stärker für eine Ausbildung bei sich im Unternehmen werben, zum Beispiel im Internet, an Schulen oder auf Jugendmessen.“ Nein, diese Arbeitgeber sollten erst einmal ihre Employer Brand überdenken und dann kommunizieren.“

 

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