Umfrage: Arbeitgebersiegel verbessern Chancen bei Azubis

Arbeitgeber mit Arbeitgebersiegel haben einen Vorteil auf dem Ausbildungsmarkt – das ist die zentrale Erkenntnis einer bundesweiten Umfrage, die meinestadt.de mit der Zeppelin Universität (ZU) in Friedrichshafen durchgeführt hat. Untersucht wurde die Auswirkung von Zertifizierungen in Form von Auszeichnungen und Siegeln speziell für Ausbildungsbetriebe auf die Ausbildungsplatzwahl. Die Umfrage gibt Einblick, wie Arbeitgeber Auszubildende mithilfe einheitlicher Qualitätsmaßstäbe noch besser von sich überzeugen können.

Bei der Umfrage wurde jugendlichen Ausbildungssuchenden per Zufallsprinzip eine Stellenanzeige gezeigt – mit und ohne Siegel. Während die Anzeige mit Arbeitgebersiegel bei den Befragten auf erhöhtes Interesse stieß, war das Interesse bei der Anzeige ohne Siegel signifikant geringer. Noch relevanter fallen die Ergebnisse in Bezug auf die Bereitschaft aus, sich bei einem Betrieb zu bewerben.

56 Prozent der Teilnehmer, die eine Anzeige mit Siegel sahen, konnten sich eine Bewerbung vorstellen. Dies ist eine um 16 Prozent höhere Bereitschaft als bei den Ausbildungssuchenden, die eine Anzeige ohne Siegel gesehen hatten. Besonders wichtig war das Siegel zudem für Jugendliche, die sich in zwei und mehr Monaten bewerben wollten. Jobsuchende reagieren somit nicht nur kurz- sondern auch mittelfristig positiv auf Arbeitgebersiegel (die Pressemitteilung von meinestadt.de spricht stets von einem „Zertifizierungssiegel“, im Text habe ich diesen Begriff gegen „Arbeitgebersiegel“ ausgetauscht).

Höheres Ansehen durch Zertifizierung

Eine weitere Erkenntnis aus der Umfrage: Bewerber haben (insgesamt) höhere Erwartungen an einen Arbeitgeber mit Arbeitgebersiegel. 62 Prozent der Befragten gingen bei der Stellenanzeige mit Siegel davon aus, dass sie bei diesem Arbeitgeber eine angenehme Arbeitsatmosphäre erwartet. Bei Befragten, die eine Stellenanzeige ohne Siegel sahen, waren es nur 54 Prozent. Eine Zukunftsperspektive im Unternehmen erwartetet in der ersten Gruppe (mit Siegel) über ein Drittel (34 Prozent), in der Zweiten (ohne Siegel) war es nur knapp ein Viertel (24 Prozent). Diesen Zahlen zufolge haben Arbeitgebersiegel nicht nur einen Einfluss auf die Bewerbung, sondern auch auf das Ansehen eines Unternehmens.

Employer Branding immer wichtiger

Der Wettbewerb um Auszubildende auf dem deutschen Arbeitsmarkt wird zunehmend härter. Allein 2015 blieben 37.100 Stellen unbesetzt – laut Bundesministerium für Bildung und Forschung ein neuer Höchstwert im langjährigen Vergleich. Die Umfrageergebnisse belegen: Auf einem umkämpften Markt wird es immer wichtiger, wie sich Unternehmen als Marke präsentieren und in den Dialog mit potenziellen Auszubildenden treten. Arbeitgebersiegel bieten eine Möglichkeit, positiv wahrgenommen zu werden. Unternehmen profitieren wesentlich davon, sich als Ausbildungsbetrieb zertifizieren zu lassen. Sie sollten ein Siegel im Sinne eines effektiven Employer Branding kontinuierlich und deutlich wahrnehmbar kommunizieren. Bestenfalls wird es in der gesamten Kommunikation aufgegriffen, mindestens aber in der Stellenanzeige. Zudem sollte das Siegel auf einem gut gepflegten Profil in einer Stellenbörse oder auf dem eigenen Unternehmensauftritt erscheinen.

Über die Studie

Anfang 2016 befragte meinestadt.de im Rahmen der Abschlussarbeit von Christopher Bombik an der Zeppelin Universität (in Kooperation mit Univ.-Prof. Dr. Arnd Florack, Universität Wien und MA Maximilian Lude, ZU – Friedrichshafener Institut für Familienunternehmen) 159 Ausbildungssuchende hinsichtlich ihrer Ansprüche und Sorgen bezüglich der Ausbildungsplatzwahl sowie der Relevanz von Siegeln bei dieser.

Anmerkung:

Soweit die Pressemitteilung von meinestadt.de. 159 Ausbildungssuchende wurden befragt, was nicht wirklich repräsentativ ist. Über den Sinn oder Unsinn von Arbeitgebersiegeln hatte ich hier unlängst geschrieben. So kam eine Umfrage von Softgarden mit 3.073 Teilnehmern auf den ersten Blick zu einer anderen Schlussfolgerung als meinestadt.de. „Nur 31 Prozent von ihnen (der Befragten) haben sich aufgrund von Gütesiegeln, Rankings oder Bewertungsplattformen schon einmal für oder gegen einen Arbeitgeber entschieden“, so Softgarden.

Nun war der befragte Personenkreis mit durchschnittlich 33 Jahren wahrscheinlich deutlich älter als der in der hier vorgestellten Umfrage. In meinem Blogbeitrag hatte ich dazu angeregt, diese „nur 31 Prozent“ anders zu gewichten, als dies Softgarden getan hatte. In welcher Phase des Bewerbungsprozesses spielt der Blick in ein Arbeitgeberbewertungsportal oder auf ein Arbeitgebersiegel eine Rolle – das war die Frage, die ich dort gestellt hatte. Antwort: In bestimmten Phasen spielt beides eine Rolle, in anderen nicht. Nicht so angetan bin ich von der auch von meinestadt.de vertretenen These, dass allein ein Arbeitgebersiegel für den erhöhten Erfolg bei den Bewerbern verantwortlich zeichnet.

Zitat aus meinem Blogbeitrag: „Gütesiegel oder Bewertungsplattformen als alleinige Faktoren in der Entscheidung pro und contra Arbeitgeber? Meine These lautet: Monokausal zu argumentieren, greift ganz erheblich zu kurz. Bewerber versuchen, sich auf verschiedenen Wegen Einblick in die „Black Box Unternehmen“ zu verschaffen.“ Unternehmen sind folglich auch gefordert, diese Kommunikationskanäle zu identifizieren und zu bedienen. Ein Arbeitgebersiegel reicht nicht aus, um überzeugend als guter Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Dafür ist dann doch etwas mehr Einsatz erforderlich.

Ein Arbeitgebersiegel kann aber ein Indiz dafür sein, dass sich ein Unternehmen aktiv um Bewerber bemüht. Insofern ist das von meinestadt.de festgestellte erhöhte Interesse der Bewerber an solchen Unternehmen verständlich.