Employer Branding für Zeitarbeitsunternehmen?

Das noch im September letzten Jahres teils bejubelte, teils beklagte „Rekordhoch“ in der Zeitarbeit ist vorläufig beendet. So viele Menschen „wie nie“ waren noch unlängst für Zeitarbeitsunternehmen tätig (1,08 Millionen November 2017). Wobei vielen der Sprung in ein festes Anstellungsverhältnis nicht gelang, sondern meist nur in ein weiteres Zeitarbeitsverhältnis.

Jetzt blättert der Lack teilweise ab. In 2018 arbeiteten rund eine Million Menschen in der Branche, jetzt sind es noch 924.000, ein Minus von fast 15 Prozent gegenüber dem Rekordhoch. Ursachen des Rückgangs seien die Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes und die Regelungen zum „Equal Pay“ nach einer ununterbrochenen Einsatzdauer von neun Monaten, so das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung IAB.

Zudem weite sich „der Mangel an geeigneten Arbeitskräften aus“. Damit werde es schwieriger, offene Stellen in der Zeitarbeit zu besetzen. Die Branche habe zudem die ersten Auswirkungen einer konjunkturellen Eintrübung zu spüren bekommen. Letzteres dürfte wohl eher der hauptsächliche Grund für den Rückgang sein.

Keine einfachen Zeiten also. Was tun? Die Thesen von Professor Ulrich Walwei, kommissarischer Direktor des IAB, zu den Herausforderungen und Handlungsfeldern für die Zeitarbeitsbranche haben es in sich:

  • Die Arbeitgeberattraktivität wird in einem engen und anspruchsvollen Arbeitsmarkt wichtiger. Reputation und Seriosität werden daher zum zentralen Gradmesser, wobei die Entwicklungsperspektiven von Beschäftigten im Zentrum stehen.
  • Der heutige Marktanteil der Zeitarbeit kann dauerhaft wahrscheinlich nur durch Expansion in wachsenden Marktsegmenten gehalten werden. Wissens- und Dienstleistungstätigkeiten werden daher laut Walwei vermutlich weiter an Bedeutung gewinnen.
  • Drittens kann die Zeitarbeit sich mit spezifischen Angeboten zur Überwindung von Fachkräfteengpässen am Markt positionieren. Dies gilt insbesondere in Berufen, in denen Tarifverträge nicht mit der Marktentwicklung Schritt halten, so Walwei. In europäischen Nachbarländern zeigten sich ähnliche Tendenzen, nannte er als Beispiel den Gesundheitssektor in Dänemark.

„Reputation und Seriosität werden zum zentralen Gradmesser“, „Arbeitgeberattraktivität wird wichtiger“ – das könnte spannend in einer Branche werden, deren Reputation noch einigen Raum für Verbesserungen erlaubt. Auf der Zukunft Personal in Köln werde ich mich mal umhören, was die Unternehmen so planen.