12 außergewöhnliche Benefits für Berufstätige

Arbeitgeber werben mit allen Mitteln um Nachwuchstalente und Fachkräfte. Dafür nutzen sie längst mehr als finanzielle Anreize. Zum Gesamtpaket zählen immer häufiger ausgefallene Zusatzleistungen (“Benefits”) nach US-amerikanischem Vorbild, die potenzielle BewerberInnen ansprechen und die Mitarbeiterbindung stärken sollen. Vor diesem Hintergrund hat Glassdoor, eine der weltweit größten Job- und Recruitingplattformen, Arbeitgeberbewertungen aus Deutschland ausgewertet und eine Liste mit außergewöhnlichen Benefits erstellt, die von Berufstätigen hervorgehoben wurden.

Diese 12 Firmen machen mit kreativen Benefits in Deutschland auf sich aufmerksam:

  • McKinsey & Company: Drei Monate Sabbatical pro Jahr
    Sabbaticals sind im Trend. Aber die McKinseyaner können sich über eine besonders großzügige Regelung namens “Take Time” freuen. Angestellte der Unternehmensberatung können zwischen Projekten bis zu drei Monate Auszeiten nehmen, während das Gehalt anteilig weiter gezahlt wird. Das Beste daran: Die BeraterInnen müssen dafür noch nicht mal einen Grund nennen.
  • SAP: Meditation im Büro
    Beim Unternehmenssoftware-Anbieter haben bereits mehr als 7.000 MitarbeiterInnen an einem zweitägigen Achtsamkeitsseminar teilgenommen. Im Mittelpunkt stehen Meditationspraktiken und Selbstreflexion. Mittlerweile schickt SAP bereits Achtsamkeits-TrainerInnen in andere Unternehmen, die diesem Beispiel folgen wollen. SAP beschäftigt mit Peter Borstelmann sogar einen Chief Mindfulness Officer.
  • Cisco Systems: Home Office ohne Limit
    Das Technologieunternehmen stellt seinen Mitarbeitern den Arbeitsort völlig frei und ermutigt sie genau die Balance zwischen Büropräsenz und Heimarbeit zu finden, die zu ihren Bedürfnissen passt. Einige Angestellte arbeiten nur in Heimarbeit. Das passt zum Produkt: Das Unternehmen produziert und vertreibt unter anderem Hard- und Software für die virtuelle Zusammenarbeit.
  • Deutsche Telekom: Mit Fahrrad-Heimtrainer am Schreibtisch
    Das Telekommunikationsunternehmen aus Bonn fördert die Gesundheit und Fitness seiner MitarbeiterInnen auf besondere Art und hat mehr als 5.000 “Deskbikes” angeschafft. Telekom-Angestellte halten sich damit nicht nur direkt am Schreibtisch körperlich fit, sondern schaffen einen körperlichen Ausgleich zur Denkarbeit im Büro, parallel zur selbigen .
  • Upstalsboom: Azubis auf den Kilimandscharo
    Die Hotelkette sorgt für Aufsehen dadurch, dass sie ihren Auszubildenden unter dem Motto “Tour des Lebens” spektakuläre Erlebnisse ermöglicht. 2016 bestiegen zehn Azubis den Kilimandscharo. Letztes Jahr sorgte eine Reise zum nördlichen Polarkreis nach Spitzbergen für die nächste Extremerfahrung!
  • Würth: Konzerte mit internationalen Stars
    Was haben Sting, Sunrise Avenue, Die Fantastischen Vier und Revolverheld gemeinsam? Die Mitarbeiter des Familienunternehmens Würth haben alle bereits beim gleichnamigen “Würth Open Air” live erleben können. Freunde der klassischen Musik unter den Angestellten dürfen sich über die Auftritte der “Würth Philharmoniker” freuen. Das ist nicht etwa ein Zusammenschluss von musikalischen MitarbeiterInnen, sondern ein Orchester von Weltformat mit eigener Spielstätte in der Nähe der Firmenzentrale!
  • Puma: Hip in Herzogenaurach
    Beim Sportartikelhersteller öffnet in regelmäßigen Abständen ein “Barber Shop” seine Türen und bietet während der Arbeitszeit die Gelegenheit zur gepflegten Rasur, zum Haare schneiden oder zur Nagelpflege. Frisch rasiert geht es ins kostenfreie Fitness-Center mit einem vielfältigen Kursangebot von Kung-Fu bis “Aromatherapie Yoga”.
  • Henkel: Bezahlte Freistellungstage für soziales Engagement
    Im Rahmen des Programms “Miteinander im Team” können Angestellte bei Henkel Geld- und Sachspenden sowie bis zu fünf Tage bezahlte Freistellung jährlich für ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten beantragen. Sie bauen zum Beispiel Brücken in Vietnam, bringen Kindern Fußball bei oder arbeiten in einem Waisenhaus in Uganda.
  • Delivery Hero: “Napping Rooms”
    Ein Manager-Schläfchen tut bekanntlich nicht nur japanischen Führungskräften gut. Daher findet sich im Headquarter des Internet-Unternehmens ein Schlafzimmer für den Power-Nap zwischendurch. Die Angestellten können zwischen Schlafcouch und Hängematte wählen.
  • Paulaner Brauerei: Haustrunk
    Feierabendbier am Freitag – darüber können die Angestellten der Münchener Brauerei nur müde lächeln. Sie erhalten ein großzügiges monatliches Kontingent von 78-Bierzeichen, was in etwa 40 Litern entspricht. Wer nicht so viel Bierdurst aufbringt, kann stattdessen auch nicht-alkoholische Getränke aus dem Sortiment beziehen.
  • Porsche: Bezahlte Pflegezeit
    Viele Unternehmen versuchen mittlerweile ihre MitarbeiterInnen bei der Pflege von Angehörigen entgegen zu kommen. Aber nur wenige so konsequent wie der Sportwagenhersteller aus Zuffenhausen mit seinem Programm “Porsche Pflegezeit”. Angestellte können sich in einem akuten Fall drei Monate von der Arbeit befreien lassen und erhalten weiter 75 Prozent ihres Bruttogehaltes.
  • Scout24: Hundefreundlicher Arbeitsplatz
    Beim Internetunternehmen aus München sind die Hunde der MitarbeiterInnen nicht nur ein geduldeter, sondern sehr geschätzter Teil des Arbeitsalltags. Viele Angestellte machen von der Möglichkeit Gebrauch, ihren Hund täglich ins Büro mitzubringen.
Felix Altmann

Auszeiten und Home Office immer wichtiger

Im qualitativen Vergleich zur vorherigen Glassdoor-Auswertung von ausgefallenen Benefits (2016) sticht vor allem ins Auge, dass Auszeiten jeglicher Form und Home Office stärker in den Vordergrund getreten sind. Immer mehr Arbeitgeber zeigen sich großzügiger, was längere Auszeiten für Sabbaticals, ehrenamtliches Engagement oder auch Pflege angeht. Auch die freie Wahl des Arbeitsortes wird wichtiger, um Berufs- und Privatleben besser miteinander in Einklang zu bringen. “Die außergewöhnlichen Benefits, die wir zusammengestellt haben, muten vielleicht heute relativ progressiv an. Sie zeigen allerdings, in welche Richtung sich der Standard in den nächsten Jahren entwickeln könnte. Die Messlatte für Unternehmen liegt angesichts des ‘War for Talents’ immer höher,” so Felix Altmann, Arbeitsmarktexperte bei Glassdoor.

Ausgefallene Fitness-Angebote unter den Zusatzleistungen

Der allgemeine Fitness-Trend spiegelt sich immer stärker in den angebotenen Benefits und löst den guten alten Betriebssport ab. Fitness in unterschiedlichsten Spielarten findet direkt im Büro statt oder wird clever mit der Arbeit verbunden. Mit spektakulären internen Events sorgen Arbeitgeber nicht zuletzt für eine große Aufmerksamkeit und integrieren sie im besten Fall in eine stimmige Unternehmensgeschichte.

Unternehmenskultur und Führungsverhalten dennoch entscheidender für Arbeitszufriedenheit

“Außergewöhnliche Benefits können dazu beitragen, dass sich Jobsuchende angesprochen fühlen, und sind eine gute Möglichkeit für Unternehmen, auf sich aufmerksam zu machen. Glassdoor Analysen haben jedoch gezeigt, dass Gehalt und Zusatzleistungen nicht die Schlüsselfaktoren für die Arbeitszufriedenheit sind. Tatsächlich sind Unternehmenskultur, Führungsverhalten und Karrieremöglichkeiten für Berufstätige in Deutschland sehr viel wichtiger. Benefits sind eine großartige Möglichkeit, um den MitarbeiterInnen Wertschätzung zukommen zu lassen. Unternehmen sollten sich jedoch nicht alleine auf sie verlassen. Sie müssen vielmehr alle Bestandteile ihres Angebots prüfen – von der Aus- und Weiterbildung über Aufstiegsmöglichkeiten – und ihr Angebot regelmäßig anhand des Feedbacks der Belegschaft verbessern. Jobsuchende wiederum sollten Zusatzleistungen bei ihrer Entscheidungen in Betracht ziehen, aber sich gleichzeitig nicht blenden lassen”, sagt Altmann.