DPRG Takeoff 2020: Ohne Sie schaffen wir das nicht.

“Zuversicht zur Zeitenwende” lautete das Dachthema des Jahresauftakttreffens der Arbeitskreise und Fachgruppen der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) am 24. Januar. Zuversicht kam von unerwarteter Seite. Und ein Appell an die Kommunikationsbranche. Was passierte sonst noch in Berlin? Einige persönliche Eindrücke.

Davos hatte Greta, die DPRG hatte Franziska. Und damit den besseren Deal gemacht. Denn während Greta nicht unbedingt für konsensorientierte Töne bekannt ist, war in Berlin von einem “how dare you” nichts zu vernehmen. Im Gegenteil, Franziska Heinisch (Titelfoto) vom Jugendrat der Generationen Stiftung plädierte in ihrer Keynote für ein Zusammengehen von Jung und Alt, um gemeinsam nicht nur den Klimawandel, sondern auch soziale und wirtschaftliche Herausforderungen dieser Welt zu meistern. Statt Boomer-Bashing also Partnerschaft und “Zusammen-in-einem-Boot” sitzen, auch wenn schon deutlich durchklang, dass wir (= die letzten Generationen) einiges vermasselt haben. “Ohne Sie schaffen wir das nicht”, lautete ihre Botschaft an die PR-Schaffenden, passend zum Dachthema „Zuversicht zur Zeitenwende“ des Takeoff 2020 der DPRG.

Falls es nicht schon längst klar war, dann hatte die Veranstaltung in ihrem dritten Jahr bewiesen, dass sie das Zeug zum Dauerbrenner hat. 200 PR-Schaffende zog es in den Palais Kulturbrauerei im Kollwitzkiez. Ausverkauft, wie üblich. Das Programm stand unter dem Motto: „Mach dich bereit!“ Deshalb gehts jetzt ohne Umwege zu den Sessions.

Peter Szyszka, Ansgar Zerfaß, Rosemarie Kay, Thomas Zimmerling, Ninette Pett (v.li.n.re.)

Wie kommuniziert der Mittelstand? Wer ist dort gut aufgehoben?

Was die Unternehmenskommunikation vom Mittelstand lernen kann, das fand der Autor eine gute Frage. Umso mehr, als es die Mehrheit des PR-Nachwuches in den Mittelstand zieht, so Professor Peter Szyszka von der Hochschule Hannover. Szyszka übernahm mit Professor Ansgar Zerfaß von der Universität Leipzig den wissenschaftlichen Part einer Podiumsdiskussion des AK Mittelstandskommunikation. Was ist denn im Mittelstand so anders? Vieles und dann auch wieder gar nicht so viel, muss die Antwort lauten.

Ja, PR-Schaffende sind im Mittelstand Einzelkämpfer, so Podiumsteilnehmer Thomas Zimmerling. Allerdings ist das nicht mehr der Fall, wenn es sich um größere mittelständische Unternehmen handelt. Davon gibt es einige – und ihre Unternehmenskommunikation gleicht der von börsennotierten Konzernen. Mittelstand werde gerne mit den oft genannten “KMU” verwechselt, den kleinen und mittleren Unternehmen. Das sei falsch, meint Rosemarie Kay vom Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn. Es gehe nicht um Größe, sondern um die Eigentümerschaft und die Führung des Unternehmens.

Und damit sind wir beim Hauptunterschied zwischen inhaber- und managergeführten Unternehmen: Die Eigentümerkultur. Die muss in der Kommunikation stets mitgedacht werden. Mittelstandskommunikation bedeutet PR für das Unternehmen UND die Eigentümerfamilie, so Zimmerling. PR-Schaffende müssen sich darauf einlassen wollen. Sie müssen auch damit rechnen, in so manchen Unternehmen keine herausragende Rolle zu spielen. PR bereitet vielen Unternehmen keine schlaflosen Nächte, sagt Rosemarie Kay. Es gibt Wichtigeres für sie.

Und: Wer sich in ein mittelständisches Unternehmen wagt, sollte nicht nur genau prüfen, worauf sie oder er sich einlässt. Sondern zudem über viele Fähigkeiten verfügen, also Allrounder sein, sagte Ansgar Zerfaß. Und dann beispielsweise auch akzeptieren, dass “Stakeholdermanagement” bei vielen Inhabern mittelständischer Unternehmen keine Begeisterung auslöst. Kommunikation im Mittelstand ist produktbezogen, da waren sich alle Podiumsteilnehmer wohl einig.

Felix Krebber

“PR-Laien” werben um Akzeptanz

Aha-Erkenntnisse gab es in einer Session des AK Akzeptanzkommunikation. Professor Felix Krebber von der Hochschule Pforzheim stellte einige Ergebnisse aus dem Deutschen Akzeptanzatlas vor. Danach sind es vor allem Planungsbüros (39 Prozent) sowie Architekten (10 Prozent), die für die Beteiligungskommunikation – etwa bei Infrastrukturprojekten – verantwortlich zeichnen. Anbieter aus der Kommunikationsbranche sind in der Minderheit (10 Prozent).

Claudia Michalski, Sandra Pabst, Rena Bargsten (v.li.n.re.)

Als Frau in der Kommunikationsbranche sichtbarer werden

Last but not least ging es um die Frage, wie Frauen mehr Sichtbarkeit in der Kommunikationsbranche und in den Medien erlangen können. Eine Referentin der von Sandra Pabst geleiteten Diskussionsrunde war die in der Fachwelt durchaus sichtbare Claudia Michalski. Die Tipps der ehemaligen Medienmanagerin und Beraterin klangen vertraut und lassen sich auch Männern ans Herz legen: Eine eigene persönliche Brand und eine digitale Persönlichkeit entwickeln, öffentliche Auftritte suchen und nicht zuletzt publizistisch tätig sein. Weitere Empfehlungen aus der Session lauten, “Haltung” zu zeigen, nichts privates in den Sozialen Medien zu posten, wohl aber dort Persönlichkeit zu sein, konsistent bleiben in den Aussagen.

Und dann ging es um die Frage der passenden Kleidung. Dass männliche Führungskräfte etwa in einem roten Anzug wahrgenommen, aber nicht ernst genommen werden, keine Frage. Anders ist es bei Frauen. Sandra Pabst plädierte für mehr Mut zur Farbe und dafür, sich von dem gerne gewählten marineblauen Dress zu verabschieden. Frauen könnten sich Schritt für Schritt einen neuen Auftritt erarbeiten, sollten aber bei sich bleiben, authentisch sein. “Zuversicht” – auch hier war sie deutlich zu greifen. Zu Recht.

Fazit:

Das war wieder mal ein rundes Paket, das die DPRG und das Berliner Team des Medienfachverlags Oberauer geschnürt hatten. Wie immer punktete die von Daniela Weber (Team Oberauer) organisierte Veranstaltung nicht nur durch Vermittlung praktischen Wissens durch Referenten, deren Professionalität deutlich zu spüren war. Den Takeoff zeichnet vor allem eine kommunikativ-entspannte Atmosphäre aus, die Kennenlernen und Gespräche fördert. Diese hat die Veranstaltung mit dem DPRG ZukunftsForum gemein. Hier scheint es sich um eine DPRG-typische Besonderheit zu handeln, die auf anderen Veranstaltungen der Branche in dieser Form nicht zu finden ist.

Fotos: Stageview, Pedro Becerra

Eine Bildergalerie vom DPRG Takeoff ist hier zu finden