Work-Life-Blending: Die Mehrheit der Deutschen will Arbeit und Freizeit trennen.

Mehr als zwei Drittel der Deutschen sind der Meinung, man brauche eine klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit.  41 Prozent befürworten eine Vermischung, wenn sie ihre Arbeitszeit dadurch auch flexibel einteilen können. Zu diesem Ergebnis kommt die Umfrage Talents & Trends der Talent- und Karriereberatung von Rundstedt unter mehr als 600 Berufstätigen.

64 Prozent der befragten Berufstätigen sagen, dass man eine klare Trennung zwischen Arbeit und Freizeit braucht. Nur so schaffe man es, keinen der beiden Bereiche zu vernachlässigen. Noch mehr, nämlich 69 Prozent, sind der Auffassung, dass sich bei fehlender Trennung tendenziell die Arbeit gegenüber der Freizeit durchsetze.

Work-Life-Blending führt zu Überstunden

Bei 41 Prozent der Berufstätigen ist dies bereits der Fall: Bei ihnen führt Work-Life-Blending zu Mehrarbeit in Form von Überstunden. Konkret leisten 34 Prozent dieser Gruppe sechs bis zehn Überstunden pro Woche – bei rund zehn Prozent sind es mehr als 15 Überstunden pro Woche.

Trotz der eher skeptischen Bewertung der Umfrageteilnehmer geht von Rundstedt davon aus, dass sich der Trend zum Work-Life-Blending in Deutschland weiter verstärken wird. Denn 61 Prozent der Berufstätigen sind bereits heute davon überzeugt, dass Dienst nach Vorschrift für eine erfolgreiche Karriere nicht ausreicht. Wer wirklich Karriere machen wolle, müsse sich auch über die vertraglich festgelegte Arbeitszeit hinaus engagieren.

von_Rundstedt_3Flexible Zeiteinteilung gilt als Vorteil

41 Prozent sehen sogar klare Vorteile im Work-Life-Blending – wie zum Beispiel die flexible Zeiteinteilung und damit eine bessere Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben. 28 Prozent der Befragten gehen noch weiter: Sie vertreten die Meinung, dass Menschen, die eine strikte Trennung der beiden Bereiche fordern, den falschen Beruf gewählt haben. Wem die Arbeit Spaß macht, wer von ihr überzeugt ist, sehe sie genauso als zentralen Teil des Lebens und finde dort ebenso viel Erfüllung wie in der Freizeit.

Bewertung der Arbeitsergebnisse statt Kontrolle von Prozessschritten

Sophia_von_RundstedtIn vielen Unternehmen wird heute noch eine starke Präsenzkultur gelebt wird. Erfolg und Engagement sind dort eng verknüpft mit Sichtbarkeit und der Anzahl der Arbeitsstunden. „Führungskräfte müssen mit gutem Beispiel vorangehen und dafür sorgen, dass ihren Mitarbeitern trotz immer stärkerer Vermischung von Berufs- und Privatleben ausreichend Regenerationsphasen zur Verfügung stehen“, sagt Sophia von Rundstedt (Foto). Zukünftig brauche es eine Führungskultur, die auf Vertrauen und auf Arbeitsergebnisse zur Leistungsmessung statt Kontrolle einzelner Prozessschritte setzt.

Die Ergebnisse im Detail

Frage: Die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben verschwimmen bei vielen Arbeitnehmern zunehmend. Wie beurteilen Sie diesen Trend?

  • 73 Prozent befürchten, dass viele Arbeitnehmer durch die zunehmende Verschmelzung von Privat- und Berufsleben schlechter vom Job abschalten können. Dadurch können auch gesundheitliche Probleme entstehen.
  • 69 Prozent gehen davon aus, dass bei fehlender Trennung von Arbeit und Privatleben die Arbeit tendenziell einen größeren Bereich im Leben einnimmt, wodurch das Privatleben zu kurz kommt.
  • 64 Prozent denken, dass man eine klare Trennung von Arbeit und Freizeit braucht, um keinen der beiden Bereiche zu vernachlässigen.
  • 61 Prozent wissen, dass Dienst nach Vorschrift für eine erfolgreiche Karriere nicht ausreicht. Wer Erfolg haben möchte, muss sich auch über die vertraglich festgelegte Arbeitszeit hinaus für seinen Arbeitgeber engagieren.
  • Für 48 Prozent bedeutet Arbeit vorrangig ‚Broterwerb‘. Leben und Erfüllung finden für sie abseits des Jobs statt.
  • 41 Prozent hingegen befürworten die Verschmelzung von Beruf und Privatleben, sofern es auch heißt, dass sie ihre Arbeitszeit flexibler einteilen können.
  • Bei 41 Prozent führen die verschwimmenden Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben zu Mehrarbeit in Form von Überstunden, die sie regelmäßig leisten. Bei 34 Prozent dieser befragten Gruppe (n=256) beziffert sich die zusätzliche Arbeitsbelastung auf sechs bis zehn Überstunden pro Woche – bei rund 10 Prozent sind es 15 Überstunden und mehr pro Woche.
  • 35 Prozent sind der Meinung, dass die zunehmende Vermischung von Privat- und Berufsleben dazu führt, dass Arbeitgeber die persönlichen Belange ihrer Angestellten anerkennen und es zulassen, dass diese Belange in den Arbeitsalltag integriert werden.
  • 30 Prozent finden es in Ordnung, wenn Privat- und Berufsleben miteinander verschmelzen. Für sie gehören beide Seiten zum Leben und sollten zur persönlichen Erfüllung beitragen.
  • 28 Prozent sind der Ansicht, dass Menschen, die strikt zwischen Privat- und Berufsleben trennen, den falschen Job gewählt haben. Wer von seinem Job überzeugt ist und in diesem Erfüllung findet, sieht ihn als Teil seines Lebens und trennt ihn nicht strikt vom Privatleben.

n= 623 (Berufstätige in Voll- und Teilzeit)

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